Werbeaktion ist legal, aber umstritten

BRK verlangt am Telefon Bankdaten

Dachau – Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) versucht derzeit mittels einer Werbeaktion Fördermitglieder zu gewinnen. Dazu bedient sich das BRK eigener Leute, aber auch des Personals einer Fundraising-Agentur. Die Werber wollen keine Geld- oder Sachspenden generieren, sondern die Menschen zu einer Mitgliedschaft beim BRK überreden. Ist dies gelungen, möchten sie die IBAN-Nummer der Kunden haben, um den Beitrag später per Lastschrift abbuchen zu können. Die Aktion ist legal. Aber: Die Fundraiser machen ihre Akquise auch per Telefon. Und das hat ein Geschmäckle.

Verstörend: Die Fundraiser machen ihre Akquise auch am Telefon

VON THOMAS ZIMMERLY

Gerda Meier (Name geändert) aus Dachau etwa erhielt vor ein paar Tagen einen Anruf einer bestens geschulten und sehr eloquenten Fundraiserin. Sie habe die Nummer aus dem Telefonbuch, ließ sie die alte Dame wissen. Am Ende des Gesprächs stimmte die 87-jährige Gerda Meier einer einer BRK-Fördermitgliedschaft zu und übermittelte der Anruferin ihre Kontodaten. „Weil es das BRK war, hat meine Großmutter gedacht, da kann nichts passieren“, sagt Meiers Enkelin Sonja Kaltner. Aber es hätte ja auch ein Trittbrettfahrer an der Strippe sein können, der sich des BRKs bediene.

Grundsätzlich dürfe die IBAN-Nummer am Telefon für ein Lastschriftmandat abgefragt werden, sagt Simone Bueb, Referentin für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Bayern. „Da sich Verbraucher jedoch nicht zu 100 Prozent sicher sein können, ob sie wirklich mit Mitarbeitern oder Fundraisern des BRK telefonieren, raten wir – egal ob am Telefon oder an der Haustür – die Bankdaten nicht herauszugeben, sondern lieber selbst an das BRK zu überweisen. Dies gilt nicht nur für Spendensammler, sondern ganz allgemein. Gerade mit der Herausgabe der Bankdaten am Telefon sollten Verbraucher vorsichtig sein.“

Zur Vorsicht rät auch die Polizei Dachau. Bloß keine persönlichen Daten herausgeben, meint Günther Findl, Sprecher der Polizeiinspektion Dachau. Die Gefahr an Trickbetrüger zu gelangen, sei nicht zu unterschätzen. „Wir fragen am Telefon auch keine Daten ab, sondern machen nur persönliche Befragungen“, so Findl.

Sonja Kaltner schrieb eine E-Mail ans BRK Dachau. „In den Medien wird laufend von Betrügern berichtet, die mit ausgeklügelten Begründungen versuchen, die Bankverbindung von meist älteren Leuten zu erhalten“, heißt es in dem Schreiben. „Es wird stets geraten, Anrufe dieser Art abzubrechen und umgehend die Polizei zu informieren. Ein Anruf beim Roten Kreuz hat zwar ergeben, dass es sich bei dem oben beschriebenen Anruf tatsächlich um das seriöse Rote Kreuz handelt, allerdings ist dieses Vorgehen sehr verstörend und in der heutigen Zeit nicht tragbar.“

BRK-Kreisgeschäftsführer Paul Polyfka hingegen verweist auf die Wichtigkeit der Aktion für seine Organisation. Die Zahl der Fördermitglieder, in der Regel ältere Menschen, sei hauptsächlich wegen vieler Sterbefälle erheblich zurückgegangen. „Daher sind wir sehr dringend auf neue Fördermitglieder angewiesen“, so Polyfka – zumal das BRK nicht durch Steuern finanziert wird. Dazu komme, dass es im Landkreis Dachau pandemiebedingt derzeit keine Haustürbesuche gebe. In anderen Regionen ist dies allerdings anders. So finden derzeit etwa im Landkreis Augsburg BRK-Sammlungen an der Haustür statt.

Weiter meint Polyfka, dass das BRK zur Abbuchung nun mal die persönlichen Daten brauche, so der Kreischef. Aber: „Es steht jedem frei, zur Bank zu gehen und Zahlungen rückgängig zu machen. Es besteht kein Risiko“, so Polyfka, der jedoch versprach, den Prozess der Akquise „gegebenenfalls anzupassen“.

Sonja Kaltner beruhigt das nicht. Sie meint: „Das Rote Kreuz steht für Vertrauen, Hilfe, Seriosität – auch speziell gegenüber älteren Leuten. Diesen Vergleich kann ich nach dem gestrigen Anruf leider nicht mehr bestätigen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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