Haus, Bäume davor
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Hinter der neuen Wohnanlage sollen bald Gäste bewirtet werden – wenn es nach den Wünschen der Stadt geht. Ein Anwohner will den Biergarten verhindern. hab

Ist Dachauer Projekt zum Scheitern verurteilt?

Bürgerbiergarten: Anwohner wehrt sich

  • Thomas Zimmerly
    VonThomas Zimmerly
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Im Stadtrat herrscht kollektive Begeisterung nach der Ankündigung, auf dem Grund der ehemaligen Schlossbergbrauerei wieder einen Bürgerbiergarten zu errichten (wir berichteten). Doch nun lässt ein Anwohner einen Wermutstropfen in den Maßkrug der Freude fallen. Er erwägt rechtliche Schritte gegen das Vorhaben.

VON THOMAS ZIMMERLY

Dachau – Das Hauptgebäude der ehemaligen Schlossbergbrauerei ist mittlerweile in ein schmuckes Mehrparteienwohnhaus umgebaut worden. Im Mai zog dort Sven Luck (Name geändert) ein; zur Miete. Dass in nicht allzu ferner Zeit unter seinem Schlafzimmer in einem Bürgerbiergarten die Maßkrüge klirren sollen, war ihm nach eigenem Bekunden „in der Art und Weise nicht bekannt“. Seit er Näheres von dem Projekt erfuhr, begann er zu grübeln. Gegenüber den Dachauer Nachrichten formulierte der Anwohner nun folgenden Satz: „Ich werde versuchen, mit meinem Vermieter zu sprechen oder möglicherweise in der Umgebung schauen, ob es Eigentümer gibt, die daran interessiert wären, dass man das Ganze verhindern könnte.“ Es seien Gedankenspiele. Noch.

Nun ist es so, dass Oberbürgermeister Florian Hartmann im Juli im Bau- und Planungsausschuss verkündete, dass aus dem vom bayerischen Bauministerium aufgelegten Förderprogramm „Innenstädte beleben“ 144 000 Euro für das 185 000-Euro-Projekt Bürgerbiergarten nach Dachau fließen könnten. Dieser soll nun im kommenden Frühjahr eingeweiht werden, als „eine öffentliche Grünfläche, die mit Sitzbänken und Tischen bestückt ist. Ein mobiler Ausschank und die Ausgabe von kalten Speisen sind möglich“, wie es im Ausschuss hieß. Die Oase der Gemütlichkeit zwischen alten Bäumen soll mehr als 100 Besuchern Platz bieten und bis etwa 22 Uhr offen sein.

Schön und gut, sagt Anwohner Luck, aber: „Man muss sich die bauliche Situation mal anschauen. Man prägt durch die Baugenehmigung ein Baugebiet hier oben gegenüber der Flaschenabfüllerei. Und oben drüber hat man noch zwei alte Häuser, wo nicht auszuschließen ist, dass die in Zukunft durch eine größere Bebauung beziehungsweise eine umprägende Bebauung umgebaut werden“, so Luck.

„Ab 22 Uhr wird der Laden zugemacht“, fährt Luck fort, „der Wirt selber hat keine Verantwortung für die Tische, die gehören ihm ja nicht. Das Ding ist offen. Wenn sie schauen, was für Zustände oben am Dachauer Schloss herrschen. Da können sie sich zu 100 Prozent sicher sein, dass dort um 22.30 Uhr auf einmal irgendwelche Leute mit ihren Shishas sitzen, Bierflaschen durch die Gegend werfen und herumgrölen.“ Direkt daneben sei ein Spielplatz, und man könne darauf warten, „dass ein Kind in die Scherben tritt und die Dachauer Stadtpolitik dann vor Problemen steht“. Die Stadt schaffe hier „einen wilden Hotspot, der nicht zu kontrollieren ist“.

Weiter sei da noch die Problematik mit dem Parken. OB Hartmann habe gesagt, dass die Leute mit dem Radl kommen sollen. Doch: „Immer noch 50 Prozent werden mit dem Auto kommen“, prophezeit der Anwohner.

Apropos Autos: Es bestehe schon jetzt ein Riesenproblem mit den Rasern und Autoposern, „die nachts Party vor meinem Haus machen“, so Luck, der zudem an die 16- und 17-Jährigen denkt, die nach dem Zapfenstreich von Mama und Papa aus dem Biergarten abgeholt würden. Dann entstünde noch ein Verkehrshotspot. Luck: „Dann wechseln sich die SUVs der Eltern mit den tiefer gelegten 3er-BMWs der Poser ab!“

So sehr der Anwohner Gas gibt, so sehr tritt Dachaus Bauamtsleiter Moritz Reinhold auf die Bremse: „Es ist verfrüht, rechtliche Schritte einzulegen.“ Es sei noch überhaupt nicht definiert, welche Nutzung die Grünanlage erfahre. Und mithin, was das für den Verkehr bedeute. „Großartige Störungen für die Anwohner verbieten sich sowieso“, so Reinhold, der darauf hinweist, dass oben am Schlossberg kein klassischer Biergarten entstehe. Überdies sei „die Nutzung nur sporadisch für einen Teil des Jahres“ geplant. Die Stadt werde – wenn es konkret wird – ein Baugenehmigungsverfahren abwickeln, in dem auch die immissionsschutz- sowie verkehrsrechtliche Seite geprüft werde. Die Betroffenen würden dann immer noch die Möglichkeit haben, rechtliche Schritte einzulegen, so Reinhold.

Das Thema Shisha rauchende Flaschenwerfer „haben wir im Blick, das wird der Ausschuss prüfen“, so der Bauamtschef. Möglicherweise muss man einen Zaun ziehen und an einen Sicherheitsdienst denken. Zu Guter Letzt gibt Reinhold noch eines zu bedenken: „Die Fläche ist viel zu wertvoll, um sie brach liegen zu lassen!“

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