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Petition: LBV-Kreisvorsitzender Ludwig Wilhelm, BN-Kreisvorsitzender Roderich Zauscher, Ortsvorsitzender Peter Heller, Robert Brauneis von der Bürgerinitiative Grünzug Dachau+Karlsfeld und Ortsvorsitzende BN Karlsfeld, Marion Matura-Schwart (v.l.).

Natürschützer wollen Landschaftsschutzgebiet

Eine Petition soll’s richten

Der Bund Naturschutz hat eine Petition auf die Beine gestellt. Die Naturschützer fordern darin den Kreistag auf, zwischen Dachau, Karlsfeld und Obergrashof ein Landschaftsschutzgebiet auszuweisen.

Dachau/Karlsfeld– „Hier ist Baustopp!“ stellt Roderich Zauscher, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz Dachau, klar und zeigt auf die hellgrün markierte Fläche zwischen Dachau, Karlsfeld und Obergrashof auf einer Karte. Seine „Verbündete“ und Vorsitzende der Ortsgruppe Karlsfeld, Marion Matura-schwarz fügt an: „Und wir wollen dort auch die bestehenden Freiräume sichern.“   

Für diese Vorhaben haben Kreisverband und die Ortsvereine Dachau und Karlsfeld des BN eine Petition unter dem Namen „Frischluft und Naherholung für Dachau und Karlsfeld sichern!“ auf die Beine gestellt. Damit ging der BN zusammen mit mehreren Unterstützern an die Öffentlichkeit. Die Naturschützer fordern in ihrer Petition den Kreistag auf, zwischen Dachau, Karlsfeld und Obergrashof ein Landschaftsschutzgebiet auszuweisen.

Zweitens sollen die Gemeinden Dachau und Karlsfeld außerhalb der Kleingartenanlagen im Gebiet Bebauung für die Zukunft „weitestgehend“ ausschließen. Ist das Bauen erst einmal erschwert, sollen sich die Kommunen Gedanken über die weitere Nutzung der Region als Naherholungsgebiet oder Biotop machen. Unterstützt wird die Unterschriftensammlung von der BI Grünzug Dachau und Karlsfeld, dem Landesbund für Vogelschutz, dem Arbeitskreis Heimische Orchideen und dem Sachausschuss Ökologie und Globale Verantwortung der Erzdiözese.

„Uns geht es um das Schutzgut Mensch“, erklärt Zauscher. Darüber hinaus soll das Landschaftsschutzgebiet die Grundlage für mögliche Tierbiotope oder Naherholungsgebiete für Anwohner schaffen. Denn die Umweltschützer schlagen Alarm. „Die Region ist inversionsgefährdet“, erklärt Zauscher. Bedeutet: Weil es zwischen Gröbenried im Süden und Hebertshausen im Norden ein Gefälle von rund 30 Höhenmetern gibt, liegt wärmere Luft wie eine Decke über der Region. Sie sorgt dafür, dass Schadstoffe in tieferen Luftschichten schlecht entweichen können – und entlangder Schnellstraße und des Karlsfelder Sees hängen bleiben. „Je mehr Hindernisse in diesem Bereich stehen, desto mehr Barrieren gibt es für den Luftaustausch“, fügt Peter Heller, Dachauer Ortsvorsitzender des BN, hinzu. Auch kleinere, einzelne Gebäude zwischen Dachau, Karlsfeld und Obergrashof im Osten seien schon ausreichend. Die Folgen sind laut Roderich Zauscher Smog, Dampf und erhöhte Feinstaubwerte.

Auch Daten der Regierung Oberbayern würden belegen, dass die Schadstoffbelastung zwischen Dachau und Karlsfeld hoch ist. Die Petition ist aber auch aus einer politischen Niederlage der Naturschützer heraus entstanden: Schon seit längerem drängt der BN auf den Grünzug in besagtem Gebiet. Der Kreistag lehnte jedoch vor rund fünf Jahren einen entsprechenden Antrag laut Zauscher, der auch dort für die Grünen Mandatsträger ist, überraschend ab.

Ähnlich erging es einem Änderungsantrag auf „Ausweitung des Landschaftschutzgebietes östlich des Dachauer Mooses“ im letzten November: Kurz vor Beginn der Sitzung brachte die CSU einen Gegenantrag ein, der nun keine Flächen westlich der Bajuwarenstraße mehr schützen wollte, sondern nur ein durchgängiges Gebiet von Krenmoos bis zur Trasse der Südumgehung von Hebertshausen. „Sehr dumme Bauernfängerei“, urteilte Zauscher. Denn die Gebiete seien eh bereits größtenteils geschützt.

Im Kreisrat war der ursprüngliche Antrag zur Ausweitung der Schutzgebiete schließlich abgelehnt worden. Die betroffenen Gemeinden Karlsfeld und Dachau hatten diesen aber unterstützt (wir berichteten).

Die Situation, die durch die Ablehnung entstanden ist, sei ein „demokratischer Witz“, so Peter Heller. Der Ortsvorsitzende unterstellt der CSU Lobbyismus, es hätte nicht öffentliche Gespräche mit Grundstückbesitzern entlang des betroffenen Gebietes gegeben. Die CSU werfe den Naturschützern außerdem vor, unter einem Landschaftsschutzgebiet leide die Landwirtschaft. Diese schränke ein derartiges Gebiet aber gar nicht ein und würde dort sogar begrüßt, so Heller.

Mit der Petition sollen die Kommunen Dachau und Karlsfeld schließlich selbst in die Verantwortung genommen werden, in ihren Flächennutzungsplänen der Außenbereiche zwischen Dachau, Karlsfeld und Obergrashof den Fokus auf Naherholung zu legen. Rechtlich bindend ist sie aber nicht. „Einen Flächennutzungsplan als ein Bürgerbegehren einzubringen, ist aber theoretisch möglich“, wägt Zauscher ab. „Allerdings hoffen wir auf Einsicht des Kreistages und der zuständigen kommunalen Gremien.“

Die Petition läuft zeitlich unbegrenzt. Unterschriftenlisten liegen unter anderem in der Geschäftsstelle des BN in der Martin-Huber-Straße 20, der Naturkostinsel oder dem Obergrashof aus. Auch online können Interessenten die Petition unterstützen. Das Formular ist unter www.dachau.bund-naturschutz.de abrufbar.

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