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Im Hintergrund die Kinder in Paraguay: Bruno Schachnter arbeitet in der Druckwerkstatt der KVD mit Druckform und Handwalze. Auf dem Foto dahinter sind Schüler in Paraguay zu sehen, die den Umgang mit den Geräten von Dachauer Künstlern gelernt haben. 

Bundesverdienstkreuz für Bruno Schachtner

Der Begründer der Freundschaft zwischen Dachau und Paraguay

Als jungen Mann trieb es ihn nach Paraguay. Bruno Schachtner arbeitete dort als Entwicklungshelfer und rief damit eine bis heute bestehende Verbindung zwischen dem Land und seiner Geburtsstadt Dachau ins Leben. Dafür wird er nun mit dem Bundesverdienstkreuz in Paraguay ausgezeichnet.

Dachau – Er ist ein Dachauer Urgestein. Bruno Schachtner ist seit Jahren ehrenamtlich und im künstlerischen Bereich der Stadt aktiv, prägte das kulturelle, politische und gesellschaftliche Leben Dachaus wesentlich mit. Der 77-Jährige hat viele Projekte angestoßen – nicht nur in Dachau. Denn sein Engagement reicht bis nach Paraguay. Bereits vor 54 Jahren erweckte er den Austausch zwischen Paraguay und Dachau während eines Auslandaufenthaltes zum Leben. Als Initiator dieser Verbindung wird Bruno Schachtner nun am Freitag, 22. März, von Botschafter Dr. Claudius Fischbach mit dem Bundesverdienstkreuz in Asunción, der Hauptstadt Paraguays, ausgezeichnet.

Bruno Schachtner musste sich entscheiden: Schweiz oder Paraguay?

Der gebürtige Dachauer lebte als junger Mann in der Schweiz und arbeitete als Schriftsetzer. „Ich hätte dort bleiben können“, erzählt er. Doch irgendetwas trieb ihn hinaus in die Welt. Er bewarb sich als Entwicklungshelfer und gleichzeitig auf eine Layouter-Stelle in der Schweiz. Für beide bekam er wenig später Zusagen. Nun stand er im Konflikt. „Was soll ich jetzt tun?“, hat er sich gefragt. Letztendlich hat er sich für die Stelle als Entwicklungshelfer entschieden. „Bereut habe ich es nie“, sagt er. Im Vorbereitungsseminar standen entweder Hong Kong oder Paraguay zur Auswahl, er wählte letzteres. So begann Schachtner 1965 in einer Druckerei in der Hauptstadt Asunción Druckkurse zu geben. Während dieser Zeit lernte er auch seine Frau Gisela kennen.

Zurück in der Heimat haben er und Gisela in Dachau sowie in Paraguay immer mehr soziale und künstlerische Projekte initiiert. Ein Beispiel: der Solar- und Wasserturm, der in Areguá mit vielen Dachauer Unterstützern gebaut wurde und den Kinder, Jugendliche und Künstler kreativ gestalteten. Weitere Projekte waren zahlreiche Auftritte von Chören, Ausstellungen von Künstlern oder Workshops, die in beiden Ländern veranstaltet wurden und damit dazu beigetragen haben, dass die Verbindung zwischen den beiden Ländern bereits seit über einem halben Jahrhundert bestehen kann.

Wer ihn dafür vorgeschlagen hat, weiß Bruno Schachtner nicht

Wie der deutsche Botschafter auf ihn aufmerksam wurde, weiß Schachtner nicht: „Das Bundesverdienstkreuz hat jemand aus meinem Bekanntenkreis angeregt, aber ich kann leider nicht sagen, wer das war.“ Letztendlich entscheide der deutsche Botschafter in Paraguay, wer das Verdienstkreuz bekäme, wie der ehemalige Stadtrat betont. Aus diesem Grund findet die Verleihung auch im Ausland statt. „Ich werde mit meiner Frau schon einen Monat vor der Verleihung hinfliegen“, sagt Schachtner. „Meine Frau hat dort Verwandte, die wir besuchen, und wir unterstützen zusammen mit vielen Dachauern einen Kinderhort“, berichtet er. Dort würden sie zusammen nach dem Rechten sehen. Das sei aber nicht als Kontrollgang zu verstehen. „Außerdem werde ich mich noch um ausstehende Kunstprojekte kümmern.“

Dem 77-jährigen ist es wichtig zu betonen, dass er diesen Orden niemals alleine verdient habe. „Es waren und sind so viele Menschen dabei, die sich mit viel Engagement an dem Austausch beteiligen“, sagt er. Diese Auszeichnung sei als Würdigung für alle, die mitgewirkt haben, zu verstehen, so Bruno Schachtner.

Leyla Yildiz

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