Mehrere Menschen stehen vor neuen Bussen.
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Stadt-, MAN- und Stadtwerke-Verantwortliche vor den fabrikneuen Bussen: Christoph Huber, Vorsitzender der Geschäftsführung der MAN Truck & Bus Deutschland GmbH, Wolfgang Tyroller, Verkaufsbeauftragter für Omnibusse MAN Truck & Bus Deutschland GmbH, Reinhard Dippold, Leiter der Verkehrsbetriebe der Stadtwerke Dachau, Dachaus OB Florian Hartmann, Stadtrat und Verkehrsreferent Volker C. Koch, Stadtwerke-Chef Robert Haimerl sowie Frank Krämer, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Verkauf Bus Zentraleuropa der MAN Truck & Bus Deutschland GmbH (von links). Im Hintergrund freuen sich die Busfahrer der Stadtwerke auf ihre neuen Gefährte.

12 neue Erdgasbusse

Busübergabe mit kritischen Tönen

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Die Stadt hat sich am Donnerstag bei MAN die ersten zwölf von insgesamt 30 bestellten Erdgasbussen abgeholt. Feierstimmung wollte aber nicht so richtig aufkommen.

Dachau – So ganz unerfahren sind sie nicht bei den Stadtwerken Dachau, was Busse mit Erdgasantrieb betrifft. Leider sind es keine guten Erfahrungen, die Reinhard Dippold als Leiter der Verkehrsbetriebe innerhalb der Stadtwerke mit dieser Technologie gemacht hat. Denn: „Tatsächlich hatten wir schon einmal einen Erdgasbus.“ Leider sei der jedoch sehr reparaturanfällig gewesen, so dass das Experiment schnell wieder beendet wurde.

Nicht nur wegen der unsicheren Technik, sondern auch wegen der hohen Kosten waren deshalb Dippold und sein Vorgesetzter, Stadtwerke-Chef Robert Haimerl, im Sommer 2019 nicht unbedingt begeistert, als der Werkausschuss des Stadtrats – nach langer Diskussion und mit knappem Votum – die Umrüstung der Busflotte auf Erdgasantrieb beschloss.

Während SPD, Grüne, Bündnis für Dachau und ÜB im Erdgasantrieb eine saubere Lösung für die Dachauer Luft sehen, befürchtete der Rest des Gremiums – angeführt von der CSU – eine teure Investition in eine „Übergangstechnologie“. Schließlich brauchen die Stadtwerke bereits im Jahr 2023 erneut mindestens zehn neue Busse, da laut MVV-Qualitätsstandards Busse nur maximal zehn Jahre lang in Betrieb sein dürfen. Die Stadt, so der CSU-Vorschlag, solle daher doch lieber jetzt in die günstigeren Diesel-Mild-Hybrid-Fahrzeuge investieren und dann, in drei Jahren, in eine neue, „ganz saubere“ Technologie einsteigen. Denn teuer sind die Erdgasbusse ja nicht nur wegen ihres hohen Stückpreises, sondern weil für sie ja auch noch eine eigene Bio-Methangas-Tankstelle gebaut werden muss. Doch am Ende ging Umweltschutz vor Haushaltsdisziplin. Ein Rahmenvertrag über die Bestellung von 30 Erdgasbussen mit MAN wurde geschlossen.

Die ersten zwölf Busse durften sich die Stadtwerke am Donnerstag (1.10.) abholen, in den kommenden Wochen sollen sie „testweise“ in den Verkehr einfließen; mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember und dem dann startenden Zehn-Minuten-Takt gehen sie voll in Betrieb. „Um eine hohe Zuverlässigkeit des Gesamtsystems“, wie Stadtwerke-Chef Haimerl es wünscht, zu gewährleisten, wurde außerdem ein achtjähriger Wartungsvertrag geschlossen.

Haimerl betonte bei seiner Ansprache gestern, dass die Stadtwerke für die Erdgas-Busflotte insgesamt 9,5 Millionen Euro investierten. „Da muss die Technik funktionieren!“ Im Hinblick auf den angekündigten Stellenabbau bei MAN hoffe er, dass der Konzern „die Spezialisten für Erdgasbusse außen vor lässt“. Angesichts der vom EU-Parlament beschlossenen „Clean-Vehicle-Directive“, wonach ab 2025 öffentliche Auftraggeber fast nur noch emissionsfreie und damit elektrisch betriebene Fahrzeuge ordern dürfen, hoffte er zudem, „dass wir nicht bald wieder eine neue Technik brauchen“.

Oberbürgermeister Florian Hartmann war euphorischer, was die Technik der neuen Busse betrifft. Die Qualität der Busse sei „sehr gut“, auch wenn, klar, die Technik eine „Herausforderung“ werde. Eine Anspielung auf den Stellen-Kahlschlag bei MAN konnte aber auch er sich nicht verkneifen. Die Stadt, so Hartmann, freue sich nämlich immer, wenn sie „in der Region Aufträge vergeben kann“. Insofern hoffe man im Rathaus, dass am Standort München-Karlsfeld auch weiterhin „Busse vom Band rollen“.

Christoph Huber, Vorsitzender der Geschäftsführung von MAN Truck & Bus Deutschland, wollte auf Nachfrage nicht über den Stellenabbau und die Pläne für den Standort München-Karlsfeld sprechen. Lieber redete er über die neuen Busse, die „keine herkömmlichen Busse“ seien, mit denen die Kunden aber durchweg „gute Erfahrungen“ gemacht hätten. Anstelle von Diesel würden diese Busse nämlich mit CNG, kurz für „Compressed Natural Gas“, betrieben. Zusätzlich seien die neuen Stadtwerke-Busse auch noch mit einem „Efficient-Hybrid“-System ausgestattet, das vor allem im Haltestellenbetrieb zugeschaltet werde. Alles in allem böten die Busse aus dem Hause MAN einen unschlagbaren „Kraftstoffvorteil“.

Apropos Kraftstoff: Betankt werden die Erdgas-Busse bis zur Fertigstellung der neuen Tankstelle auf dem Stadtwerke-Betriebshof in Dachau-Ost im kommenden Sommer an der Aral-Tankstelle an der Alten Römerstraße. Dies werde aber „vorwiegend in der Nacht“ passieren, wie Dippold verspricht. „Sonst legen wir dort ja den ganzen Betrieb lahm.“

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