Ein Mann sitzt im Büro am Computer. Im Vordergrund liegt seine Hand auf der Maus.
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Am Arbeitsplatz in Dachau rauchte ein Mann Cannabis - zum Leidwesen seiner Kollegin. (Symbolbild)

Ungewöhnliche Wende

Mann (26) raucht am Arbeitsplatz Cannabis und pustet Kollegin Rauch ins Gesicht - plötzlich droht ihr eine Strafe

Ein 26-jähriger Mann rauchte am Arbeitsplatz Cannabis - und blies seiner Kollegin den Rauch ins Gesicht. Der Vorfall nahm aber ein anderes Ende, als wohl erwartet.

  • Ein Mann aus Dachau rauchte am Arbeitplatz Cannabis.
  • Seine Kollegin rief daraufhin die Polizei.
  • Der Vorfall nahm ein ungewöhnliches Ende.

Dachau – Macht zu viel Cannabis vergesslich oder sorgt es gar für Gedächtnisausfälle? Den Eindruck konnte man jetzt bei einer Gerichtsverhandlung am Amtsgericht Dachau bekommen. THC, CBD und andere Inhaltsstoffe stecken in der Marihuana-Pflanze, die von Ärzten bei bestimmten Erkrankungen wie etwa Epilepsie, Angstzuständen, chronischen Schmerzen und mehr verschrieben werden. Als „meine Medizin“ beschrieb der 26-jährige Zeuge das Betäubungsmittel.

Warum er Cannabis seit Jahren auf Rezept bekommt, kam in der Verhandlung nicht zur Sprache. Sehr wohl aber sein Verhalten am Arbeitsplatz in einem Telekommunikationsladen in Dachau. Denn dort rauchte er fleißig seine Medizin und pustete im Januar vergangenen Jahres seine neue Kollegin (23) damit so voll, dass die sich nicht mehr anders zu helfen wusste, als ihren Chef in München um Hilfe zu bitten. Als der Chef nicht nach Dachau kam, alarmierte die Frau die Polizei.

„Meine Medizin“: Mann (26) raucht am Arbeitsplatz Marihuana - Vorfall nimmt ungewöhnliches Ende

Es folgte eine Razzia. Der junge Mann konnte jedoch ein Rezept für das bei ihm gefundene Marihuana vorlegen und somit seine Unschuld beweisen. Auf den Fotos, die die Polizei bei der Durchsuchung machte, sieht man den 26-Jährigen in Siegerpose – mit zwei hochgestreckten Daumen und einem breiten Grinsen.

Dass seine Kollegin bei der Polizei angerufen hatte, lässt den gelernten Einzelhandelskaufmann bis heute nicht los. Er ist der festen Überzeugung, dass er wegen ihr seinen Führerschein nicht mehr zurückbekommt, den er vor mehr als fünf Jahren abgeben musste, und auch, dass wegen der Razzia sein Arbeitsvertrag aufgrund einer Abmahnung wegen dieses Vorfalls nicht auf unbefristete Zeit verlängert worden war. Darum erstattete er Anzeige gegen seine Kollegin. Und diese musste sich wegen falscher Verdächtigung vor dem Amtsgericht Dachau verantworten.

Dachau: Junge Frau fühlt sich Gras-Geruch stark belästigt - und ruft die Polizei

Die junge Dachauerin erzählte Richter Christian Calame, dass sie sich von dem Gras-Geruch stark belästigt gefühlt hatte. „Ich hatte Angst, dass ich davon passiv benebelt werde“, begründete die 23-jährige Angeklagte den Anruf bei der Polizei. Sie habe ihren Kollegen mehrmals gebeten, ihr nicht ins Gesicht zu pusten und zu rauchen. Der habe jedoch nicht aufgehört und ihr zugerufen, sie solle doch „mal chillen“. Dann habe er sogar ein „weißes Puder“ auf sie gepustet. Eine solche Substanz fand die Polizei allerdings nicht in der Wohnung des 26-Jährigen.

Dass der damalige Kollege auf Rezept Gras rauchen darf, davon habe sie nichts gewusst. Er habe es ihr nicht gesagt, erklärte die Angeklagte.

An die Bitten und Vorfälle mochte sich der 26-Jährige in der Verhandlung vor dem Dachauer Amtsgericht nicht mehr erinnern. Auch nicht daran, eine Vorladung als Zeuge erhalten zu haben, denn er erschien zunächst nicht im Sitzungssaal. Erst als ihn Richter Christian Calame anrief, machte er sich auf dem Weg ins Gericht.

Dachau: Mann (26) raucht am Arbeitsplatz Marihuana - Richter trifft Entscheidung

Bei seiner Befragung rückte er erst auf mehrmaliges Nachfragen, nach Ermahnungen des Vorsitzenden und dem Vorhalten des Aussageprotokolls, das er bei der Polizei unterschrieben hatte, mit der Sprache heraus. Plötzlich wurde aus dem „ganz normalen Arbeitstag“ dann doch ein außergewöhnlicher. Er gab das Anpusten zu, und auch, dass er der Kollegin nichts von der Rechtmäßigkeit seines Marihuanakonsums erzählt hatte. Allerdings behauptete er, der Konsum habe sich in der Firma herumgesprochen.

Richter Christian Calame sprach die 23-jährige Dachauerin frei. „Es fehlt von hinten bis vorn an der Strafbarkeit“, so der Vorsitzende. Die Glaubwürdigkeit des Zeugen hatten zuvor auch Staatsanwältin Silvy Meidinger und die Verteidigerin der Angeklagten, Linda Thirkettle, stark angezweifelt.
Simone Wester

Im Prozess um den Drogenhandel dreier Freunde (21) aus Altomünster im Kreis wurde vor einiger Zeit zudem das gesamte Ausmaß des Marihuana-Anbaus in einem örtlichen Maisfeld publik. Der Sachbearbeiter der Polizei berichtete über den Sondereinsatz der Beamten bei der Ernte.

In Wolfratshausen versteckte außerdem ein Geretsrieder Marihuana im Kindersitz. Die Polizei bemerkte es trotzdem.

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