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Die Caritas will eine Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit im neuen Caritaszentrum im Maria-Gschwendtner-Haus in Indersdorf errichten.

Wenn das Geld für die Miete knapp wird

Caritas im Landkreis Dachau plant Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit

  • VonChristiane Breitenberger
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In Zeiten, in denen Wohnungsnot ein immer brisanteres Thema wird, will die Caritas in Indersdorf eine Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit errichten.

Derzeit entscheiden die Gemeinden im nördlichen Landkreis darüber, ob sie sich an der Finanzierung dieser Stelle beteiligen und ihren Bürgern somit Zugang zu diesem Beratungsangebot ermöglichen wollen. Kreisgeschäftsführerin Heidi Schaitl erklärt im Interview, warum die Stelle so wichtig wäre, wie das Hilfsangebot aussieht und wer von Obdachlosigkeit betroffen sein kann.

Seit 18 Jahren befassen Sie sich bei ihrer Arbeit mit der Thematik Obdachlosigkeit – welche Entwicklungen beobachten Sie?

Heidi Schaitl: Wohnungsnot ist ein landkreisübergreifendes Thema. Im Landkreis Dachau ist die Wohnungsnot immer größer geworden. Wir sind ein Zuzugsgebiet, und es fehlt an Sozialwohnungen. Die Situation wird sich noch weiter verschärfen, insbesondere für Menschen mit geringeren finanziellen Ressourcen.

Was ist Ihr Ziel?

Wir wollen verhindern, dass Menschen in Not ihre Wohnung verlieren und von Gemeinden in Unterkünften untergebracht werden müssen.

Wieso wäre diese neue professionelle Beratungsstelle so wichtig?

Die frühzeitige und nachhaltige Hilfe, die den Wohnungsverlust verhindert, erspart den Betroffenen viel Leid. Ich sehe es als wichtige gesellschaftliche Aufgabe, dass wir in die Prävention investieren, damit keine Gettos entstehen – größere Obdachlosenterkünfte zu schaffen, kann nicht die Lösung sein. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig professionell an den Problemen zu arbeiten, die dazu führen, dass jemand obdachlos werden könnte. Wir wollen mit unserem Angebot auch Vermieter und Gemeinden entlasten.

Heidi SchaitlCaritas-Kreisgeschäftsführerin

Welche Hilfe wollen Sie anbieten?

Wir wollen möglichst schnell eine Lösung mit den Betroffenen finden und nachhaltig dafür sorgen, dass die Betroffenen ihre Wohnung behalten können – oder eben eine alternative adäquate Wohnmöglichkeit finden. Wir erarbeiten mit den Betroffenen die Ursachen für die Problemsituation und bieten ein professionelles Hilfenetz an. Die Probleme, wieso es zum Beispiel zu Mietrückständen kommen konnte, sind oft vielschichtig – wir können mit einem professionellen Beratungsangebot wie der Schuldner- oder Suchtberatung weiterhelfen.

Wie sieht dieses Angebot konkret aus?

Es soll ein ganz niederschwelliges Angebot sein. Jeder kann ohne Termin in unsere Sprechstunde kommen, wir sind telefonisch im neuen Caritas-Zentrum in Indersdorf erreichbar. Zudem wollen wir auch Hausbesuche anbieten. Wir führen gerne auch Gespräche mit Vermietern und vermitteln.

Haben Sie eine spezielle Zielgruppe?

Es kann wirklich jeden treffen, sei es wegen eines Schicksalsschlags oder weil man zum Beispiel als Familie plötzlich wegen einer Eigenbedarfskündigung die Wohnung verliert. Meist sind Mietschulden der Hintergrund für den drohenden Wohnungsverlust, die viele Ursachen haben können.

Was ist das Wichtigste, das Mieter oder Vermieter machen können, die Probleme haben?

Sie sollen sich frühzeitig an uns wenden. Oft lässt sich schnell eine Lösung finden. Wichtig aber: Es ist nie zu spät. Wir sind jederzeit für jeden da, egal wieso er in eine Notlage geraten ist. Es muss nur die Bereitschaft da sein, an der Situation zu arbeiten.

Manche Menschen schämen sich leider, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Dafür gibt es überhaupt keinen Grund! Es ist ganz und gar nichts Ungewöhnliches, sich Hilfe zu suchen, egal, welches Problem dahinter steckt.

Wann könnten Sie mit der Arbeit beginnen?

Sobald wir die Finanzierungszusage haben, könnten wir die Stelle ausschreiben und dann hoffentlich bald mit der Beratung starten.

Wer das Projekt unterstützt und wer nicht

Die Caritas will eine Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit im neuen Caritaszentrum im Maria-Gschwendtner-Haus in Indersdorf errichten. Finanzieren müssten diese Stelle Kommunen, die sich beteiligen möchten. Deshalb hatte Indersdorfs Bürgermeister Franz Obesser seine Kollegen aus dem nördlichen Landkreis eingeladen, um das Projekt vorzustellen. Die Beratungsstelle soll vorerst auf zwei Jahre befristet sein, dann soll evaluiert werden, wie groß der Bedarf ist. Jetzt machte Obesser in der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend deutlich: „Das ist ein wichtiges Projekt – und der ideale Zeitpunkt dafür. Trotz der guten wirtschaftlichen Situation sind immer wieder Menschen im Landkreis von drohender Obdachlosigkeit betroffen. Wenn wir jetzt mit der Stelle starten, sind wir für schlechte Zeiten gerüstet!“ Die Kosten für die Fachstelle in Höhe von 67 000 Euro sollen sich die beteiligten Gemeinden anteilig ihrer Einwohnerzahlen teilen – umso mehr sich also beteiligen, so geringer wird der Anteil für die Mitmacher. Indersdorf hat sich am Mittwochabend gegen die Stimmen von Thomas Loder (Bürgerblock Niederroth) und Josef Sandmair (FW) für das Projekt entschieden, die Röhrmooser Räte stimmten in ihrer Sitzung am Mittwochabend einstimmig dafür. Gestern meldete sich auch Haimhausens Bürgermeister Peter Felbermeier im Indersdorfer Rathaus – auch seine Kommunalpolitiker stehen hinter der Idee. Auch die Bürgermeister der Gemeinden Erdweg, Schwabhausen, Vierkirchen und Weichs finden das Projekt gut – dort müssen allerdings noch die Gemeinderäte abstimmen. Hilgertshausens Bürgermeister Markus Hertlein wollte das Projekt unterstützen, fand aber keine Mehrheit im Gemeinderat. In Altomünster wird noch entschieden. Petershausen beteiligt sich nicht an der Fachstelle, Bürgermeister Marcel Fath kennt aber die Brisanz der Problematik – hier kümmert sich die Verwaltung weiter selbst um Betroffene.

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