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Zwangs-Fiebermessen: Wer ins MVZ an der Münchner Straße will, muss seit Donnerstag an einem eigens aufgestellten Kontrollwagen – einem umfunktionierten Imbisswagen – erst einmal Fragen zu seiner Gesundheit beantworten.  

MVZ Dachau mit Einlasskontrolle und Not-Containern

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Das Dachauer MVZ rüstet sich für den Ernstfall. Drei Container vor dem Gebäude sollen sicherstellen, dass bald schwerkranke Corona-Patienten intensivmedizinisch betreut werden können. Mit einer Zwangskontrolle vor dem MVZ werden die Mitarbeiter seit Donnerstag auch vor unvernünftigen Patienten geschützt.

 

Dachau – Das Gesundheitsamt, die Medien, die Ärzte predigen es seit Wochen: Wer Symptome verspürt, soll sich bitte erst telefonisch bei seinem Hausarzt melden und dann weitere Anweisungen abwarten. „Ganz, ganz, ganz viele Patienten halten sich daran“, lobt Dr. Frederic William, Internist, Kardiologe und Notfallmediziner am Dachauer Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) an der Münchner Straße.

Doch dann gab es zuletzt leider einige wenige Ausnahmen. Nachdem die Anrufer, so William, „vielleicht zwei Stunden lang auf einen Rückruf gewartet hatten, standen die plötzlich bei uns am Tresen und haben die Kolleginnen angehustet.“ Durch solch einen „Einzelfall“, bei dem tatsächlich ein Corona-Patient das MVZ-Personal hätte anstecken können, „hätte unser gesamtes System lahmgelegt werden können“, so William.

Aus diesem Grund reagierten die Verantwortlichen des MVZ, wobei nun – vor dem Gebäude – eine Art Einlassschranke aufgestellt wurde. Patienten, die seit dem heutigen Donnerstag ins MVZ wollen, bekommen dort Fieber gemessen und Fragen gestellt. Dadurch würde, William zufolge, so früh wie möglich sortiert, „wer ist potenziell infektiös und wer zeigt keinerlei Zeichen für Corona“. Entsprechend würden die Patienten dann ins Hauptgebäude – die ohne Infekt – beziehungsweise ins Nebenhaus geleitet, wo es eine eigene Infekt- und Fiebersprechstunde gibt. So könnten sowohl die MVZ-Mitarbeiter, als auch die Patienten besser geschützt werden.

Doch angesichts der Corona-Fallzahlen denkt man am MVZ schon weiter, wie angesichts der drei Container, die seit wenigen Tagen vor dem Gebäude stehen, schon zu sehen ist. William zufolge sind die Container zwar noch nicht in Betrieb, würden aber mittelfristig als „zusätzliche Behandlungseinrichtungen eingerichtet und eingeplant“. Damit, so der Mediziner, baue man schon jetzt eine „Infrastruktur für die nächsten Schritte“: Wer nämlich schwer krank ist, soll in den Containern intensivmedizinisch behandelt werden können, bis der Notarzt eintrifft.

Dass der Bedarf an diesen Not-Betten gegeben sein wird, mag William zwar nicht explizit bestätigen. Fakt ist aber: Von den über 1200 Corona-Tests, die die Ärzte am MVZ in den vergangenen vier Wochen durchgeführt hatten, waren rund 100 positiv. „Wir liegen bei knapp acht Prozent“, rechnet William vor.

Doch im Dachauer MVZ sieht man sich für alles vorbereitet. Schon Ende Januar, berichtet William, habe dort das erste Treffen der „hausinternen Corona-Taskforce“ stattgefunden. Deren Führung übernahm neben William sein Kollege, der Internist Dr. Karl Wilhelm. Die Taskforce, so William, habe von Anfang an „beobachtet und versucht, die chinesischen Zahlen zu verstehen“. Daher, glaubt der Mediziner, „waren wir bis jetzt immer früh dran“.

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