Nach dem Ausschlafen an den Laptop: Valentin macht seine Aufgaben online.
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Nach dem Ausschlafen an den Laptop: Valentin macht seine Aufgaben online.

Unterricht zu Hause

Homeschooling in der Corona-Krise - Schüler lernen übers Internet

Die Corona-Krise macht‘s möglich: Valentin (10) lernt beim „Homeschooling“ sich zu organisieren. Der Realschüler sagt: „Ich kann meine Zeit selbst bestimmen.“

  • Seit einigen Wochen haben die Schulen wegen der Corona-Krise geschlossen.
  • Die Schüler müssen aber trotzdem lernen.
  • Ein Schüler der Realschule Dachau erklärt wie er von zu Hause aus lernt. 

Dachau – Die Schulen haben geschlossen, und die Dachauer Nachrichten wollten wissen, wie es den Schülern beim „Homeschooling“ so geht. „Also ich find’s passend“, meint beispielsweise der zehnjährige Valentin aus Dachau. Seit Anfang vergangener Woche macht er jeden Tag seine Aufgaben über die Plattform „RSD intern“ der Josef-Schwalber-Realschule Dachau. Das Intranet, eigentlich vor zwei Jahren als Kommunikationsportal für Schüler, Eltern und Lehrer geschaffen, hat jetzt in der Corona-Krise eine neue Funktion bekommen: Es ist jetzt so eine Art Tele-Schule, Unterricht zuhause.

Und das funktioniert bisher sehr gut, wie Rektorin Tanja Huber festgestellt hat. „Ich bin begeistert, wie fleißig alle arbeiten“, schwärmt die Schulleiterin. Einer ihrer fleißigen Schüler ist Valentin. Dass er jetzt zuhause bleiben muss, hat er gleich akzeptiert und macht das Beste aus seiner Situation. Die hat nämlich auch positive Nebeneffekte. „Ich kann meine Zeit selbst bestimmen, und wenn ich fertig bin, dann hab’ ich mehr Zeit für mich“, erzählt der Zehnjährige.

Homeschooling wegen Corona: Nach dem Frühstück geht‘s an den Laptop

Valentin darf jeden Morgen ein bisschen länger schlafen und auch ein bisschen länger aufbleiben als sonst – es ist ja immerhin eine Ausnahmesituation. Nach dem Frühstück setzt er sich an sein Laptop und schaut, was er heute für Aufgaben zu erledigen hat. Die kann er dann bequem ausdrucken und manuell bearbeiten. Die Lösungen gibt’s am nächsten Tag von den jeweiligen Lehrern.

Valentin arbeitet Fach für Fach ab, nach Stundenplan, wie in der Schule. Zwischendurch macht er zweimal 15 Minuten Pause. Das hat er selbst so beschlossen und zieht das auch konsequent durch.

Von zu Hause aus Lernen: Intranet der Realschule macht‘s möglich

Mit „RSD intern“ wird natürlich auch der neue Lernstoff vermittelt. Doch was passiert, wenn man nicht gleich alles versteht? „Ich hab’ mal was in Mathe nicht verstanden und hab’ dann meinem Lehrer eine E-Mail geschrieben“, erzählt Valentin. Dieser habe dann wenigen Minuten später zurückgeschrieben und alle Fragen beantwortet.

Wie gut das Konzept der Realschule Dachau aufgeht, erfährt Schulleiterin Tanja Huber auch durch die vielen positiven E-Mails, die sie von den Eltern bekommt. „Die Eltern schätzen uns wert, das tut uns gut“, zeigt sich Tanja Huber dankbar. Den Unterricht könne man zwar nicht ersetzen, aber dank des Intranet kann sie so alle Schüler erreichen.

Schulen wegen Corona geschlossen: Lehrerkonferenzen finden auch online statt

Denn wirklich jeder ist angemeldet. Vor den Schulschließungen waren die Schüler über den IT-Unterricht angemeldet und nutzten das Portal bereits. Auch die Eltern waren so schon bestens vernetzt. Klassenfahrten, Schulaufgabentermine, Elternsprechtage und vieles mehr sind auf dem Kommunikationsportal eingestellt. Derzeit laufen auch die Lehrerkonferenzen und Besprechungen online.

In der Schule selbst ist derzeit nur Tanja Huber mit einem kleinen Team tätig. „Die Kollegen sind rund um die Uhr beschäftigt“, weiß die Rektorin, die selbst eine 6. Klasse unterrichtet. Die meisten arbeiten natürlich derzeit von daheim aus.

So gut alles auch online läuft, eines vermisst die 44-jährige Lehrerin doch. „Der Lehrersport am Donnerstag Nachmittag fällt natürlich derzeit flach“, bedauert die Pädagogin. Aber auch dafür hat eine Kollegin schon eine Übergangslösung gefunden. Sie hat den Kollegen online eine „Fitness-Sportchallenge“ für zuhause geschickt.

Realschule Dachau bietet in der Corona-Krise Notfallbetreuung für die Schüler 

Gegen Hackerangriffe ist das Intranet gut geschützt. Im Gegensatz zu der vor kurzem lahmgelegten Lernplattform „mebis“, liegt das „RSD intern“ auf einem hauseigenen Server.

Die Realschule Dachau bietet auch eine Notfallbetreuung von 8 bis 13 Uhr an, für die täglich wechselnd zwei Lehrer eingeteilt sind. Genutzt wird das Angebot derzeit noch nicht, auch die Ganztagesklassen-Betreuung bis 16 Uhr ist noch nicht angefragt worden, weiß Huber. Eltern, die die Betreuung benötigen, dürfen sich gerne an die Schulleitung wenden, betont Tanja Huber.

Valentins Mama braucht diese Betreuung zum Glück nicht. Ihre Firma, eine große Münchner Versicherungsgesellschaft, hat ihr sogar die notwendige Hardware für zuhause zur Verfügung gestellt, und so kann sie jetzt mit ihrem Sohn gemeinsam Homeoffice machen. Ist es denn nicht stressig, den Heimarbeitsplatz mit einem Zehnjährigen zu teilen, auch wenn die beiden nicht im selben Raum sind? „Valentin stört mich weniger als meine Arbeitskollegen“, erzählt die alleinerziehende Mutter mit einem Augenzwinkern. Ihr Sohn frage sie ab und an etwas, aber das täten die Kollegen schließlich auch, so die Versicherungskauffrau.

Homeschooling bringt Vorteile: Schüler lernt sich „selbst Strukturen zu erarbeiten“

Von dem „RSD intern“ ist die Dachauerin absolut begeistert. „Also, Hut ab, ich finde das ganz, ganz toll“, schwärmt Valentins Mama. Beide versuchen das Beste aus dem zu machen, was die Corona-Krise gerade vielen Familien abverlangt. So darf Valentin ein bisschen länger aufbleiben und ein bisschen mehr fernsehen als sonst. Solange er alles so diszipliniert erledigt wie bisher, sieht die Versicherungskauffrau das derzeit nicht ganz so streng.

Einen Vorteil sieht sie an dem Ganzen: Ihr Sohn lernt notgedrungen, sich „selbst Strukturen zu erarbeiten“. Wenn man mit dem Zehnjährigen spricht, kann man das nur bestätigen. Er hat seinen Tag genau geplant, macht pflichtbewusst seine Aufgaben und weiß dann auch gut, sich den übrigen Tag daheim zu beschäftigen. Denn an die Empfehlungen der Regierung halten sich Valentin und seine Mama genau. „Ich war nur einmal draußen, weil wir was besorgen mussten. Ansonsten bleibe ich drin“, erklärt der Zehnjährige und klingt dabei vernünftiger als so mancher Erwachsene.

Simone Wester

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