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Matratzen raus : Das Hilfskrankenhaus wurde zurückgebaut, das Hotel ist wieder ein Hotel. Feuerwehr und T HW transportierten alles Material ab, wie die Matratzen per Gabelstapler aus den Fenstern. 

Ungeeignet und mangelnde Notwendigkeit

Corona: Das Dachauer Hilfskrankenhaus ist Geschichte

  • Nikola Obermeier
    vonNikola Obermeier
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Das Hilfskrankenhaus in Dachau ist Geschichte: In den vergangenen Tagen haben ehrenamtliche Einsatzkräfte das umfunktionierte Hotel zurückgebaut. Behandelt werden musste dort kein einziger Corona-Patient. Und wie die Erfahrungen nun zeigen, hätten sich die Räume dafür auch nur bedingt geeignet.

Seit mehreren Tagen gibt es im Landkreis keine Corona-Neuinfektionen mehr, im Klinikum Dachau werden derzeit nur noch elf Covid-19-Patienten behandelt, drei von ihnen liegen auf der Intensivstation. Das zu einem Notkrankenhaus für den Bereich der Leitstelle Fürstenfeldbruck umfunktionierte Hotel Select in Dachau-Ost, das rund fünf Wochen lang bereit stand, Patienten aufzunehmen, wurde am Wochenende zurückgebaut. Wie sich nun, nach mehreren Wochen klinischer Erfahrung, herausstellte, wäre das Hotel als Hilfskrankenhaus „nicht optimal geeignet gewesen“, wie Wolfgang Reichelt, Pressesprecher des Dachauer Landratsamtes, mitteilte.

99 sauerstoffversorgte Betten standen im neuen Corona-Hilfskrankenhaus in der Newtonstraße zur Verfügung – für Patienten, die nicht beatmet, sondern nur mit einer Sauerstoff- und Inhalationstherapie versorgt werden müssen und eine geringe pflegerische Versorgung benötigen. Nun habe sich laut Reichelt aber herausgestellt, dass Corona-Erkrankte, die eine Sauerstofftherapie benötigen, in der Regel auch einen erhöhten Pflegebedarf haben – und dafür sei ein Hotel nicht optimal geeignet. Es sei nicht falsch gewesen, das Hotel umzurüsten, betont der Pressesprecher, „aber aufgrund der klinischen Erfahrungen hat man nun die Rahmenbedingungen für ein Hilfskrankenhaus überarbeitet“. Sollte wieder eines eingerichtet werden müssen, dann werde man auf andere Gebäude zurückgreifen.

Aber zunächst „sind wir froh, dass sich die Einschätzung der Experten nicht bewahrheitet hat“, so Reichelt. Eine Welle an Corona-Infektionen war für die Osterwoche vorhergesagt worden, im Höhepunkt der Pandemie hätten die Betten in den Krankenhäusern im Bereich der Leitstelle Fürstenfeldbruck knapp werden können, befürchteten die Experten. Und so rüstete man sich: mit der Einrichtung des Hilfskrankenhauses im Hotel Select in Dachau-Ost für Patienten aus den Landkreisen Dachau, Fürstenfeldbruck, Landsberg und Starnberg. Seit dem Ostermontag stand die Notklinik bereit (wir berichteten). Glücklicherweise musste kein einziger Patient aufgenommen werden.

Daher entschied die Führungsgruppe Katastrophenschutz in Abstimmung mit der Regierung von Oberbayern sowie der Bayerischen Staatsregierung, das Corona-Hilfskrankenhaus in Dachau nun wieder abzubauen. Das Material, das der Freistaat Bayern zur Verfügung stellte – Matratzen, Schutzausrüstung, Sauerstoffflaschen – werde in den Lagerräumen für den Katastrophenschutz vorgehalten.

„Für den Rückbau waren das THW und zwölf Feuerwehren unter Führung der Kreisbrandinspektion Dachau eingesetzt“, wie Kreisbrandinspektor Maximilian Reimoser mitteilte. Die Feuerwehren Altomünster, Haimhausen, Hebertshausen, Markt Indersdorf, Niederroth, Oberroth, Pellheim, Petershausen, Röhrmoos, Schwabhausen, Vierkirchen und Weichs beteiligten sich an den Arbeiten mit Mannschaft und Gerät.

„Insgesamt leisteten 645 Einsatzkräfte rund 3200 Stunden ehrenamtlichen Dienst für die Pandemiebewältigung im Landkreis Dachau“, bilanziert Reimoser. Die Aufgaben umfassten: Aufbau der Corona-Teststrecke in Indersdorf mit Anpassungen an die Anforderungen, Aufbau von Sanitätszelten vor den Nothilfen der Kliniken in Dachau und Indersdorf, Aufbau von Sanitätszelten für die temporäre Unterbringung der KVB-Praxis in Indersdorf, Umzug der KVB-Praxis und Rückumzug, Errichtung und Abbau des Hilfskrankenhauses in Dachau, Warndurchsagen über die Ausgangsbeschränkungen durch die Dispogruppe Warnen des Landkreises Dachau an mehreren Wochenenden/Feiertagen (Feuerwehren Ampermoching, Hilgertshausen, Pasenbach, Sittenbach und das THW), Transporte von Schutzausrüstung, Desinfektionsmittel und Ausrüstungen aus der Landesbeschaffung, Verteilung der Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel für die Pflegeeinrichtungen und Pfarrverbände im Landkreis.

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In Dachau genügt der Prüfraum für Fahrschüler nicht den Corona-Hygieneanforderungen. Deshalb haben 20 Fahrlehrer aus zehn Landkreis-Fahrschulen auf dem TÜV-Gelände protestiert.

Immer wieder gibt es in Bayern Corona-Lockerungen, doch nicht für Bars und Kneipen. Die Dachauer Feierbar schließt deshalb, Klaus Fiedler muss aufgeben.

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