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KZ-Gedenkstätte-Referentin wettert in Rede gegen Corona-Politik: Kostet es sie jetzt den Job?

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Von: Verena Möckl

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In ihrer Rede auf der „Freiheitsversammlung München“ am 26. Januar wettert die Mitarbeiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Marion Schmidt, gegen die Corona-Politik. Die Veranstalter filmten ihren Auftritt und stellten ihn ins Netz.
In ihrer Rede auf der „Freiheitsversammlung München“ am 26. Januar wettert die Mitarbeiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Marion Schmidt, gegen die Corona-Politik. Die Veranstalter filmten ihren Auftritt und stellten ihn ins Netz. © Sven Hoppe/dpa/Screenshot YouTube - Montage

Bei einer Corona-Demo in München hat eine Referentin der KZ-Gedenkstätte Dachau eine Rede gehalten. Darin vergleicht sie die Corona-Politik mit dem Faschismus. Das hat nun Folgen für ihre Arbeit.

Dachau – Es sind knapp zwölf Minuten, die die Arbeitswelt von Marion Schmidt auf den Kopf stellen. So lange dauert die Rede, die die Karlsfelderin auf einer Demonstration der sogenannten Freiheitsversammlung in München am 26. Januar hält. Es ist der Vorabend des Tags des Gedenkens der Opfer des Nationalsozialismus.

Königsplatz München: KZ-Gedenkstätte-Referentin wettert in Rede gegen Corona-Politik

Am Königsplatz sind 3000 Menschen zusammengekommen. Gegner der Impfpflicht, der Corona-Politik. Sie lauschen den Worten von Marion Schmidt, einer Mitarbeiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau. Sie steht auf einer Bühne, den schwarzen Wintermantel bis oben zugeknöpft.

Es ist nicht das erste Mal, dass Schmidt in der Öffentlichkeit gegen die Corona-Politik schimpft. Im April vergangenen Jahres sprach sie auf der Ludwig-Thoma-Wiese in Dachau, im November in Wolfratshausen. Doch noch nie hat sie ein so großes Publikum gehabt wie im Januar in der Münchner Innenstadt.

KZ-Gedenkstätte-Mitarbeiterin ruft bei Corona-Demo zu Widerstand auf: „Faschistoidier Staat“

Wir haben es hier mit schärfster Faschisierung in Staat und Gesellschaft zu tun.

Marion Schmidt

Sie wirkt unruhig, unkonzentriert, unsicher. Immer wieder verhaspelt sie sich, wenn sie über die Corona-Maßnahmen spricht. Ihre Worte hallen über den Königsplatz. „Wir haben es hier mit schärfster Faschisierung in Staat und Gesellschaft zu tun seit der Gründung der Bundesrepublik.“

Die Menge applaudiert. „Ihr seht die Ignoranz dieses Staates, dieses reaktionär, faschistoiden Staates“, redet sich Schmidt weiter in Rage. Zehn Minuten geht das noch so. Sie ruft zu „Widerstand“ und „Rebellion“ auf, was sie durch Verschwörungstheorien wie einer angeblichen Gen-Therapie rechtfertigt. Die Demokratie sei in höchster Gefahr, warnt sie. „Dass sie demontiert wird von der politischen Elite in diesem Land.“

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Droht Frau Schmidt nun die Kündigung?

Die Zuhörer bejubeln Schmidts Auftritt. Für ihre Tätigkeit in der KZ-Gedenkstätte wird die Rede aber arbeitsrechtliche Konsequenzen haben. „Wir haben in den Aussagen auf öffentlichen Veranstaltungen bei Frau Schmidt eine Eskalierung feststellen müssen“, teilte Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, auf Nachfrage mit. Bereits im vergangenen Jahr hatte Hammermann in einer öffentlichen Stellungnahme Schmidts Auftritt auf der Thomawiese verurteilt.

Dr. Gabriele Hammermann
Dr. Gabriele Hammermann © pri

Doch nun könnte Schmidt ihren Job verlieren. Grundlage der Zusammenarbeit sei ein klares Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes, erklärt Hammermann. „Wenn Frau Schmidt nun äußert, dass die Corona-Maßnahmen zu der ,größten Faschistisierung seit der Gründung der Bundesrepublik’ geführt hätten, dann impliziert dies eine Verharmlosung des Nationalsozialismus und seiner Opfer“, ordnet Hammermann ein. „Und das ist inakzeptabel.“

Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten prüft derzeit arbeitsrechtliche Maßnahmen. Wie lange Schmidt bereits als Referentin für die KZ-Gedenkstätte arbeitet und ob sie dieser Tätigkeit derzeit noch nachgeht, könne Hammermann aufgrund des laufenden Verfahrens nicht sagen.

Dachauer Forum distanziert sich von Schmidts Auftritt

Für das Dachauer Forum bietet Schmidt seit 2013 Führungen an. Freiberuflich auf Honorarbasis, zehn Stück im Jahr. Annerose Stanglmayr, Geschäftsführerin des Dachauer Forums, zeigt sich entsetzt von dem Auftritt ihrer Mitarbeiterin und distanziert sich von deren Worten.

Wenn Frau Schmidt diese Haltung weiter vertritt, kann sie bei uns keine Führungen mehr machen.

Annerose Stanglmayr

„Wer den Konsens einer demokratisch-freiheitlichen Grundordnung verlässt, der disqualifiziert sich auch von der historisch-politischen Bildungsarbeit einer Referentin in der KZ-Gedenkstätte“, sagt Stanglmayr. „Wenn Frau Schmidt diese Haltung weiter vertritt, kann sie bei uns keine Führungen mehr machen.“

Schmidt, die sich selbst als Altlinke bezeichnet, will sich unserer Zeitung gegenüber nicht äußern. Einem Gespräch mit dem Dachauer Forum habe sie aber zugestimmt, sagt Stanglmayr. Es ist für nächste Woche angesetzt.

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