Nahaufnahme einer Spritze mit Kanüle auf einem Mundschutz und Schriftzug.
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1100 zusätzliche Dosen wurden dem Landkreis Dachau zugeteilt (Symbolbild)

200 Teilnehmer für Demo auf der Thomawiese angekündigt

Corona-Gegner kommen nach Dachau

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Weil der Freistaat seine Notreserven an Impfstoff de facto auflöst, bekommt der Landkreis zusätzliche 1100 Dosen zugeteilt. Damit, so das Landratsamt, könnte das Impftempo in den kommenden acht Tagen massiv erhöht werden. Die Polizei bereitet sich unterdessen auf eine „Freiheitsversammlung“ auf der Thomawiese vor.

Dachau – Die guten Nachrichten vorne weg: Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Dachau ist in den vergangenen Tagen deutlich gesunken: Laut Landratsamt lag der Wert zuletzt bei 134,9 – was laut Behördensprecher Wolfgang Reichelt aber „zu einem gewissen Teil“ sicher den vergangenen Ostertagen zuzuschreiben ist: An den Feiertagen seien entsprechend weniger Menschen zum Arzt gegangen und auch viele Labore seien in Osterruhe gewesen.

Was sich aber an den jüngsten Zahlen ablesen lässt: Der Trend, dass sich vor allem jüngere Menschen mit dem Virus – und hier vor allem mit der britischen Variante – infizieren, setzt sich fort. Laut Gesundheitsamt sind 58 Prozent der aktuellen Indexfälle unter 40 Jahren.

Für die Belegung des Helios Amper-Klinikums bedeutet dies: 15 Personen befinden sich im Moment in stationärer Behandlung, drei davon auf der Intensivstation. Das Durchschnittsalter der Covid-Patienten auf der Normalstation liegt bei 60 Jahren; Personen über 80 werden laut Klinik „nur noch vereinzelt behandelt“. Zum Vergleich: Anfang Januar lagen – bei ähnlichen Inzidenzwerten – zehn Personen auf der Intensivstation mit einem Durchschnittsalter von 72,6 Jahren sowie 28 Patienten auf der Normalstation mit einem Durchschnittsalter von 80,5 Jahren.

Außerdem ist der Freistaat gerade dabei, seine Notreserven an Impfstoff massiv abzubauen – mit der Folge, dass der Landkreis am heutigen Mittwoch weitere 1100 zusätzliche Dosen Astrazeneca-Impfstoff zugewiesen bekommt. Diese Lieferung wird Landratsamtssprecher Reichelt zufolge an die Impfzentren sowie die mobilen Impfteams, nicht jedoch an die Hausärzte weitergegeben. Die Impfreihenfolge orientiere sich dabei weiter an der vom Bundesgesundheitsministerium festgelegten Rechtsverordnung. Für den Landkreis Dachau bedeutet dies, dass „in den kommenden acht Tagen 3000 Erstimpfungen für die Prio-Gruppe II möglich sein werden“, so Reichelt. Die Impfquote im Landkreis liege weiter bei 12,8 Prozent und sei damit im Vergleich zur Bayern- und Deutschland-Quote „überdurchschnittlich“.

Was dagegen weiter Probleme bereitet, ist das neue Kontaktermittlungssystem „Sormas“. Für den Freistaat und das RKI bietet diese Software Reichelt zufolge den Vorteil, alle Daten auf die gleiche Weise geliefert und damit einen besseren Überblick zu bekommen. Für die Landratsämter vor Ort, darunter auch Dachau, „ist es dagegen leider erst mal ein Rückschritt“, so Sprecher Reichelt. Denn: Eine transparente Darstellung des Infektionsgeschehens, wie es die Heimatzeitung bisher täglich veröffentlichte, ist nicht mehr „widerspruchsfrei“ möglich. Neuinfektionen werden über „Sormas“ nämlich regelmäßig auch rückwirkend erfasst, was zu einer entsprechenden Berücksichtigung bei der Berechnung der Inzidenzwerte führt – und damit auch zu rückwirkenden Änderungen der Zahlen. Das Gesundheitsamt arbeite aber „mit Hochdruck daran, den Lesern der Dachauer Nachrichten bald möglichst wieder eine adäquate Information liefern zu können“, verspricht Reichelt. Und er hofft, bis Ende der Woche eine Lösung gefunden zu haben.

Auch bei der Polizei blickt man schon heute auf das kommende Wochenende. Am Samstag um 15 Uhr nämlich plant die „Freiheitsversammlung München“, laut Selbstauskunft eine „Initiative engagierter Menschen gegen die unverhältnismäßigen Coronaerlasse“, eine Kundgebung auf der Thomawiese. Wie Stefan Priller, stellvertretender Leiter der Polizei Dachau, bestätigt, sei die Versammlung ordnungsgemäß beim Landratsamt angezeigt worden. 200 Teilnehmer habe der Veranstalter angekündigt und versprochen, sich „klar ab von jeglichem rassistischen, extremistischen, antidemokratischen, menschenverachtenden Gedankengut“ zu distanzieren.

Mit wie vielen Mann die Polizei bei der Kundgebung vor Ort sein wird, will Priller aus polizeitaktischen Gründen nicht sagen. Nur so viel: „Wir werden ausreichend vor Ort sein.“ Und: „Wir gehen von einem friedlichen und kultivierten Ablauf aus.“ Die „Freiheitsversammlung“, die Ende März auch schon in Schwabing zusammengekommen war, hat am Samstag laut Landratsamt zahlreiche Auflagen, darunter die Einhaltung der Masken- und Abstandspflicht, zu erfüllen.

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