Gartencenter von Obi
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Noch kann man im Gartencenter von Obi einkaufen gehen. Das könnte sich ab Freitag allerdings ändern.

Corona-Fallzahlen steigen weiter

Inzidenz über 200: Für die Geschäfte eine Katastrophe

In Landkreisen mit einer Corona-Inzidenz über 200 muss der Einzelhandel in Bayern wieder schließen. Für die Händler gleicht das oft einer Katastrophe.

Dachau/Karlsfeld – Im Landkreis Dachau gehen die Fallzahlen wieder nach oben. Bleibt es weiterhin bei einer Corona-Inzidenz von über 200 werden, wie in allen Landkreisen und Städten, erneut strengere Maßnahmen in die Wege geleitet. Für Geschäfte heißt es dann nicht mehr Click & Meet, sondern Click & Collect. Kunden dürfen dann nicht mehr im Laden, sondern nur noch per Abholung vor der Ladentür einkaufen.

Für das Schuh- und Modegeschäft Schuh Schmid in Karlsfeld bedeutet das vor allem eins: sehr wenig Kundschaft. „Wir haben pro Tag im Durchschnitt nur noch 40 Kunden“, klagt Rikarda Theil, stellvertretende Filialleiterin in Karlsfeld. Sonst seien täglich zwischen 150 und 200 Personen in ihren Laden gekommen. Der Schuhladen musste bereits Konsequenzen ziehen: Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt, die Öffnungszeiten wurden geändert. „Die Leute wollen zwar bei uns einkaufen und stehen auch schon vor unserer Tür, aber sobald sie hören, dass sie einen negativen Test vorlegen müssen, drehen sie wieder um“, berichtet Theil und seufzt.

Therese Mogel ist Floristin aus Leidenschaft. Zur Zeit blickt sie jedoch mit Sorge auf ihre Tätigkeit und die Zukunft ihres Blumenladens.

Auch wenn die stellvertretende Filialleiterin die Maßnahmen als „Schwachsinn“ bezeichnet, ist sie dennoch froh, überhaupt öffnen zu dürfen. So käme wenigstens „ein bisschen was rein“. Für Schuh Schmid sei das „immer noch besser als nichts“. Denn ein erneuter harter Lockdown würde dem Laden wohl auf längere Zeit das Genick brechen. „Für uns wäre das ein Schlag ins Gesicht“, so Theil.

Trotz „schwachsinniger“ Maßnahmen: Einzelhändler froh über ein bisschen Umsatz - Corona-Zahlen steigen

Tritt die Regelung am Freitag in Kraft, sind auch Baumärkte, Blumengeschäfte, Gärtnereien und Buchhandlungen betroffen. Für den Baumarkt Obi in Dachau hätte das erhebliche Beeinträchtigungen. Wie man aus dem vergangenen Jahr wisse, werde das „Click & Collect“-Angebot zwar stark genutzt, für die Mitarbeiter des Baumarkts sei das jedoch mit deutlich mehr körperlichem als auch zeitlichem Aufwand verbunden. Schließlich müssten die Mitarbeiter die gewünschten Waren erst einmal im Baumarkt zusammensuchen.

Filialleiter Tobias Lück spricht von einer „Vollkatastrophe“. Er rechnet mit einem Verlust von 50 bis 60 Prozent. „Das sind dramatische Umsätze, die wir dadurch verlieren“, und das gerade jetzt, in der für den Baumarkt wichtigsten Jahreszeit. „Das Gartencenter ist unser wichtigster Treiber“, erklärt Lück. Die Beeinträchtigung durch die strengeren Corona-Regeln wären gravierend, denn blühende Topfwaren werden nur zwei Wochen im Gartencenter ausgestellt, danach müssen sie abgeschrieben werden: für den Baumarkt ein immens hoher wirtschaftlicher Schaden.

Angst vor Dauer-Lockdown: Einzelhändler in Bayern durch Corona bald am Ende

Neben den großen Bau- und Gartenmärkten trifft es auch die kleinen Läden hart, so etwa den Blumenladen Dachauer Blütenzauber. Seit 22 Jahren führt Therese Mogel bereits gemeinsam mit ihrer Tochter das Geschäft an der Mittermayerstraße. Doch Mogel verliert allmählich die Hoffnung. „Eigentlich bin ich ein positiver Mensch, aber langsam werde ich negativ.“ Seit Corona steht sie mehr oder weniger alleine in ihrem Laden, der Umsatz ist im Keller. Da Mogel ihre Kundschaft nicht auf Corona-Testergebnisse kontrollieren will, bietet sie ihre Waren zur Abholung an. Eigentlich ist Mogel mit Leidenschaft Floristin, doch zur Zeit sei alles sehr mühsam. Da sich die Kunden nicht mehr selbst bedienen dürfen, stellt die Blumenhändlerin ihre Ware auch nicht mehr dekorativ aus. Damit sei ein wichtiger, Umsatz machender Punkt weggefallen.

Auch dem diesjährigen Muttertag schaut Mogel mit Skepsis entgegen. Eigentlich handelt es sich dabei um den umsatzstärksten Tag im Jahr, doch das könnte Mogel zufolge heuer sehr schwierig werden. „Ich hoffe, dass es uns bis zum Jahresende noch gibt“, meint Mogel. Geht es allerdings so weiter wie bisher, lägen die Chancen dafür 50 zu 50. Für manche Läden lohnt sich der Aufwand der Öffnung trotz allem nicht. Sie bleiben auch unter einer Inzidenz von 200 lieber geschlossen. Verena Möckl

Video: andere Händler profitieren von den Corona-Lockdowns

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