Die Aufnahme von Forschern des TU Wien-Spin-off Nanographics zeigt Coronaviren
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Die Ansteckungen mit dem Coronavirus, die es es derzeit gibt, erfolgen im privaten Bereich.

Inzidenz im Ort liegt bei fast 400

Corona im Landkreis Dachau: Gemeinde entwickelt sich zum Hotspot - neuer Lockdown droht

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Der Landkreis Dachau dürfte am Wochenende wohl die kritische Corona-Inzidenz von 100 überschreiten. Sollten die Zahlen weiter steigen, droht ein neuer Lockdown. Das Infektionsgeschehen allerdings ist sehr ungleich über verteilt. Vor allem eine Gemeinde entpuppt sich als Hotspot.

Landkreis – Die jüngst beschlossenen Lockerungen, vor allem für den Handel, haben bislang keine nennenswerte Steigerung der Infektionszahlen im Landkreis Dachau bedingt. „Der kontrollierte Bereich“, so hält Landrat Stefan Löwl auf Nachfrage fest, „ist für uns kein Infektionsherd.“ Im Umkehrschluss bedeutet dies aber: Diejenigen Ansteckungen, die es derzeit gibt, erfolgen im „nicht geöffneten“ beziehungsweise „nicht kontrollierten Bereich“, sprich: im Privaten. Und darauf hat der Staat keinen Einfluss.

Corona in Dachau: Ansteckungen erfolgen im privaten Bereich - Inzidenz steigt weiter an

Gerade dies erweist sich angesichts der hoch ansteckenden britischen Virusvariante aber als Problem. Seit Tagen steigt die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Infektionen pro 100 000 Einwohner, im Landkreis an. Aktuell liegt sie bei 94,3; setzt sich der Trend fort, überspringt Dachau schon an diesem Wochenende die kritische 100er-Marke. Sinken die Werte dann binnen der folgenden drei Tage nicht, muss der Landkreis erneut in einen Lockdown. Die Landkreis-Inzidenz, so Löwl, ist „rechtlich die einzig relevante Zahl“. Den Lockdown zu verweigern ist also schlicht nicht möglich.

Landkreis Dachau: Falls Corona-Inzident nicht sinkt, droht ein neuer Lockdown

Dabei ist der Anstieg der Infektionszahlen im Landkreis äußerst ungleich verteilt. Vor allem die Gemeinde Indersdorf ist es nämlich, die den Wert seit vergangenem Wochenende in gefährliche Höhen treibt. War es, wie berichtet, zunächst der Corona-Ausbruch im Kindergarten St. Vinzenz mit insgesamt 15 positiv getesteten Kindern, vier Mitarbeitern sowie 23 Familienangehörigen, der im Verlauf dieser Woche für den Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz sorgte, ist es nun eine laut Löwl „größere Anzahl“ positiv getesteter Familien.

Diese Fälle, so Löwl, hätten „mit dem Kindergarten-Cluster“ nichts zu tun. Wo diese Infektionen herkommen, wisse man am Landratsamt nicht, ebenso wenig, sagt der Landrat, wolle man dies bewerten.

Corona-Hotspot Indersdorf: Inzidenz für Ort liegt fast bei 400 - Viele Familien infiziert

Dass es eine private Feier war, bei der sich die Erwachsenen infizierten und die dann das Virus an die Kinder weitergaben, wie die Heimatzeitung erfahren hat, will Löwl daher weder dementieren noch bestätigen. Fest steht nur: Würde man derzeit eine Sieben-Tage-Inzidenz nur für Indersdorf berechnen, läge dieser Wert fast bei 400.

Die gute Nachricht: Rein statistisch wird zumindest der „Kindergarten-Cluster“ in der kommenden Woche aus der Sieben-Tage-Statistik für den Landkreis heraus fallen. Die Hoffnung, dass Dachau rechtzeitig wieder unter die 100er-Marke rutscht, will Löwl daher noch nicht aufgeben. Zudem stehe am kommenden Montag die nächste Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin an, wo er „neue Regelungen“ erwarte. Aussagen über den kommenden Dienstag hinaus seien vor diesem Hintergrund ohnehin „nur unter Vorbehalt“ möglich.

Beschlossene Sache ist derweil, dass seit dem heutigen Samstag wieder der zeitweise aus dem Programm genommene Impfstoff von Astrazeneca verabreicht wird. „Schon an diesem Wochenende starten die ersten Hausarztpraxen damit, immobile beziehungsweise bettlägerige Personen per Hausbesuche wieder mit Astrazeneca zu impfen“, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamts.

Corona-Impfung: Astrazeneca kommt ab Montag wieder im Impfzentrum zum Einsatz

Ab Montag, 22. März, werde das umstrittene Vakzin auch in den beiden Impfzentren Dachau und Karlsfeld wieder zum Einsatz kommen. Zudem solle es in der kommenden Woche über die Hausärzte spezielle Impf-Angebote für Personen mit Vorerkrankungen geben. Die Anfang der Woche abgesagten Impftermine würden selbstverständlich ebenfalls zeitnah nachgeholt.

Dass es aber nach dem Impfstopp von Astrazeneca eine gewisse Skepsis unter den Bürgern gibt, streitet Landrat Stefan Löwl nicht ab. Bislang sei es aber so gewesen, „dass wir für jeden, der nicht wollte, sofort einen anderen gefunden haben“.

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(Von Stefanie Zipfer)

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