Ein lächelnder Mann mit Brille.
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Kulturamtsleiter Tobias Schneider.

Veranstaltungen waren ausverkauft

Corona-Musiksommer: „Es hat sich gelohnt!“

  • Nikola Obermeier
    vonNikola Obermeier
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Der Dachauer Musiksommer 2020 ist zu Ende. Dass es ihn überhaupt gegeben hat, ist Kulturamtsleiter Tobias Schneider zu verdanken.

Dachau – Statt der Konzerte vor dem Rathausplatz gab es Autokonzerte auf der Ludwig-Thoma-Wiese, statt eines Barockpicknicks mit Tausenden Besuchern drei Abende Picknick im Schlossgarten mit eingegrenzten Parzellen, dazu vier bestuhlte Konzerte auf der Thomawiese – der Dachauer Musiksommer war außergewöhnlich. Dass die Menschen dankbar waren, Musik live erleben zu können, in welcher Form auch immer, zeigte sich daran, dass fast alle Veranstaltungen ausverkauft waren.

Trotz aller Einschränkungen hatte Kulturamtsleiter Tobias Schneider die Veranstaltungsreihe auf die Beine gestellt. „Weiter als vier Wochen im Voraus zu planen, machte keinen Sinn“, so Schneider. Er reagierte kurzfristig und schnell auf die ersten Lockerungen nach der Ausgangsbeschränkung. So fand das erste Autokonzert in Bayern auf der Ludwig-Thoma-Wiese in Dachau statt.

Die Stadt Dachau konnte dreimal ein Barockpicknick veranstalten

Ende Juni wurden Veranstaltungen im Freien mit bis zu 200 Besuchern erlaubt – bei gekennzeichneten und zugewiesenen Sitzplätzen: Die Stadt Dachau konnte dreimal ein Barockpicknick veranstalten. Seit Mitte Juli sind in Bayern im Freien Veranstaltungen mit 400 Personen erlaubt – bei zugewiesenen und gekennzeichneten Sitzplätzen. So ging der Musiksommer mit vier bestuhlten Konzerten auf der Thomawiese zu Ende. Sitzkonzerte im Freien gab es weitum übrigens auch nur in Dachau und München.

„Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, das Angebot zu schaffen“, sagt Schneider. Aufgrund der Bandbreite der Musikgruppen wurde ein breites Publikum angesprochen – sowohl Freunde gepflegter Indie-Musik, Fans von Folk-Rock-Mittelaltermusik oder gute, alte Rock’n’Roller kamen auf ihre Kosten. Zum Konzert der Band Provinz kamen Besucher bis aus der Schweiz, zu Faun bis aus Hessen. Alice Phoebe Lou zog Besucher aus ganz Bayern an, die Spider Murphy Gang aus Dachau und dem Münchner Umland. Die Besucher haben alle Angebote stets dankbar und froh angenommen, so Schneider. Genauso wie die Künstler. „Jede Band war sehr entgegenkommend, hat ihre Forderungen reduziert, ihre Produktion verschlankt und und hat versucht, ihren Aufwand zu reduzieren.“ Manche haben Akustikkonzerte gespielt, manche sind nur mit ihrem Tour-Manager angereist, der dann auch den Verkauf der Merchandising-Produkte übernommen hat. „Und das Abendessen sah so aus, dass man sich Pizza geholt hat“, sagt Schneider. Trotzdem seien solche Konzerte natürlich eine defizitäre Geschichte. Aber es sei Aufgabe der Stadt, für die Menschen ein Kulturangebot zu schaffen – auch unter diesen Bedingungen.

„Es war auf jeden Fall interessant, Konzerte mit diesen Vorgaben umzusetzen“

„Es war auf jeden Fall interessant, Konzerte mit diesen Vorgaben umzusetzen“, so Schneider. Denn das Thema werde womöglich auch im Herbst und im Frühjahr dasselbe bleiben. Das Kulturamt wisse nun, dass der Vorverkauf mit personalisierten Tickets, die zuhause ausgedruckt werden müssen, funktioniert. Die Daten werden beim Kauf der Tickets online hinterlegt, die Karten beim Einlass nur noch kontaktlos gescannt. „Sonst hätte man lange Schlangen am Einlass.“

Komplizierter stellt sich die Sache bei Veranstaltungen im Inneren dar, für die derzeit eine Beschränkung auf 200 Besucher gilt. Wir arbeiten daran, wie wir die Schlosskonzerte und „Dachau liest“ umsetzen können“, erklärt Schneider. „Und ich hoffe, dass wir eine Möglichkeit finden, die Schrannenslams zu machen.“ Die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregelungen, Reduzierung der Besucher, ein Bestuhlungskonzept müssen erstellt werden. Der Kulturamtschef räumt ein, dass für seine Behörde die Umsetzung machbar sei, „weil wir das mit unserem Hauptjob machen“. Viele Vereine dagegen sagen ihre Veranstaltungen im Schloss ab – „der Aufwand ist zu groß“.

Das Publikum war „unheimlich diszipliniert“

Aber Kulturveranstalter können mit den Vorgaben – 200 Besucher im Inneren – leben. Zumal das Publikum „unheimlich diszipliniert gewesen ist“, so Schneider. Die Leute haben es verinnerlicht, mit Maske bis zum Sitzplatz zu gehen und sie dort abzunehmen. Außerdem verweist Schneider auf eine Statistik des Robert-Koch-Instituts, wonach kein Corona-Ausbruch auf einer Kulturveranstaltung verzeichnet sei – dafür im Zusammenhang mit Feiern im Familien- und Freundeskreis. Der Kulturamtschef hofft, „dass diese Erkenntnisse auch eine Rolle spielen, falls nochmals Einschränkungen erlassen werden“.

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