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Bald Alltag in den Schulen? Kinder im Landkreis Dachau sollen sich nach den Osterferien auf das Corona-Virus testen können. 

Nach den Osterferien sollte es eigentlich losgehen

Corona-Selbsttests an Schulen: Viele Eltern widersprechen

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Nach den Osterferien sollen sich die Schüler des Landkreises selbst auf das Coronavirus testen können. Das Problem: Die Schnelltests sind freiwillig, und schon jetzt zeichnet sich ab, dass viele Eltern ihre Zustimmung zu der Maßnahme verweigern. Das Schulamt befürchtet, dass das Testprogramm damit wirkungslos wird.

Dachau – In Österreich ist der Fall klar: Wer sich nicht testen lassen will, darf nicht in die Schule. Laut Kanzler Sebastian Kurz ließe sich mit diesen „nicht invasiven Nasenvorderraumtests“ verhindern, dass „einige wenige die Masse gefährden“.

Ähnlich soll es nach den Osterferien, sofern die Corona-Situation dann Präsenzunterricht überhaupt zulässt, auch an den Schulen in Stadt und Landkreis laufen. Aber eben nur ähnlich.

Denn: Anders als in Österreich sind die Schnelltests für Schüler in Bayern bislang nur freiwillig. Das heißt, so erklärt es Schulamtsdirektor Albert Sikora: Wenn Eltern nicht wollen, dass ihr Kind sich in der Schule einem Schnelltest unterzieht, dann muss es nicht. Zudem sei das Kind nicht verpflichtet, sein Testergebnis zu zeigen: „Es macht den Test ja an seinem Platz. Und da muss es nicht sagen, was rausgekommen ist, es wird nicht nachgeprüft.“ Die sich aufdrängende Frage nach dem Warum beantwortet Sikora seufzend mit: „Datenschutz.“

Eine Abfrage der Eltern habe nun leider ergeben, dass ein „nicht unerheblicher Teil der Eltern die Tests nicht will“. An manchen Schulen betrage der Anteil der Kinder, deren Eltern Widerspruch einlegten, gar 40 Prozent. Odelzhausen ist Sikora zufolge noch eine „gute“ Schule, wo immerhin 80 Prozent der Eltern das Schnelltesten der Kinder erlaubt hätten. Im Schulamt seien „übelste Mails“ eingegangen, manche Eltern hätten gar mit einer Klage gedroht. Das Thema, seufzt der Schulamtsdirektor, sei „hoch emotional“.

Die Gefahr, dass nun – wie der Österreicher Kurz es formulierte – einige wenige „die Masse gefährden“ könnten, sehen Sikora und seine Kollegen durchaus. Persönlich wäre Sikora daher durchaus für ein „Nachschärfen“ der Regelung in Richtung einer Verpflichtung zu den Tests. Allerdings, das betont er auch, „sind wir in Dachau der falsche Ansprechpartner, das wurde auf höherer Ebene so entschieden“.

Was dagegen im Landkreis entschieden wurde, ist, dass die Wartezeit, bis die bestellten Schnelltests im Landkreis eintreffen – Sikora zufolge sind für Ende dieser Woche 81 000 Einzeltests für Kita- und Schulpersonal sowie alle 19 000 Landkreis-Schüler angekündigt – mit den zuverlässigeren PCR-Tests am Indersdorfer Testzentrum überbrückt werden sollten. An der Grundschule Dachau-Süd etwa wurde den Eltern mitgeteilt, dass die Kinder dort zweimal wöchentlich kostenfrei getestet werden könnten. Klar, erklärt Sikora, „als das entschieden wurde, war in Indersdorf gerade wenig los, da war die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis noch wesentlich niedriger“. Mittlerweile aber steigen die Zahlen rapide an – und damit auch der Andrang an der Indersdorfer Teststation. Ein Vater berichtet, dass derzeit „die Wartezeit zum Testen im Auto zirka zwei Stunden beträgt“. Wieso, fragt er sich, „müssen wir nach Indersdorf zum Testen fahren, wenn wir in Dachau mehr Ärzte und Apotheken haben als in anderen Gemeinden Bayerns“?

Doch nicht nur das Thema Testen wird hoch emotional geführt, wie Sikora berichtet, sondern auch das Thema Impfen. Und dabei sitzt das Schulamt zwischen den Stühlen. Bislang nämlich sei nur dem Personal der Grundschulen ein Impfangebot gemacht worden – und da auch nur den Kollegen, die im Landkreis wohnen; Lehr- und Schulpersonal der weiterführenden Schulen ist dagegen noch nicht geimpft, „die sind erst in der Prio-3-Gruppe dran“. Gegen diese Ungleichbehandlung laufen nun Lehrervertreterverbände Sturm.

Aber auch viele Bürger sind wegen der Grundschullehrer-Impfung sauer. In E-Mails an das Schulamt empören sie sich, dass es ein Unding sei, dass fitte Lehrer eine Impfung bekämen, aber 60-jährige Risikopatienten nicht. Schulamtsdirektor Sikora gibt daher zu Protokoll, dass es „grade gar nicht so einfach ist, das alles zu organisieren“.

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