Feuerwehrmann auf Drehleiter
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Einsätze mit der Drehleiter müssen regelmäßig geübt werden. Der letzte Lehrgang an dem für Einsatzkräfte so wichtigen Gerät fand in Dachau im November statt.

Großes Problem

Wegen der Corona-Krise: Feuerwehren, THW und Wasserwacht durften keine Übungen durchführen

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Die Feuerwehren, das THW oder die Wasserwacht hatten in den vergangenen Monaten ein großes Problem: Sie konnten keine Übungen abhalten.

Landkreis – 462 Einsätze hatte die Feuerwehr Dachau im vergangenen Jahr zu bewältigen. Die Kräfte mussten also rein rechnerisch mehr als einmal am Tag ausrücken; sprich, sie mussten wachsam und einsatzbereit sein. Um vor allem Letzteres zu erfüllen, braucht es einen regelmäßigen Übungsbetrieb – und der fiel im Coronajahr 2020 flach. Laut der jeweils geltenden Infektionsschutzverordnungen „war alles untersagt“, so Pressesprecher Wolfgang Reichelt. Und das führte zu Problemen.

Zum einen ist der Übungsbetrieb zum Schutz vor Ansteckung ausgesetzt, um die Einsatzbereitschaft der Wehr nicht zu gefährden. Zum anderen sind aber genau zur Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft einige Voraussetzungen zu erfüllen. Reichelt: „So müssen die Atemschutzgeräteträger den jährlich vorgeschriebenen Belastungsnachweis erbringen oder Maschinisten ihre Fahrzeuge und Geräte testen.“ Genau das aber fiel flach. Bis jetzt.

Bei Übungen wird auf AHA-Formel geachtet

„Ab der nächsten Woche dürfen wir wieder den Präsenzübungsbetrieb aufnehmen“, ist der FFW-Dachau-Sprecher erleichtert. Allerdings schreibt die jüngste Verordnung vor: in möglichst kleinen Gruppen und mit den immer gleichen Leuten. Und das, so Reichelt, wird in Dachau beachtet. So auch am vergangenen Montag, als die erste Atemschutzbelastungsübung erfolgte. Diese ist für Feuerwehren eigentlich Pflicht. „Letztes Jahr aber durften wir sie nicht machen“, so Reichelt. Wenn geübt wird, dann wird auf die AHA-Formel (Abstand, Hygiene beachten, FFP2-Maske tragen) geachtet. Die hauptamtlichen Kräfte werden laut Reichelt „regelmäßig getestet“.   

Die Einhaltung der Hygieneregeln ist natürlich für alle Wehren im Landkreis „das Wichtigste“, so Kreisbrandinspektor Maximilian Reimoser. Schließlich wäre es fatal, „wenn wir wegen Infektionen Gruppen oder sogar ganze Feuerwehren aus dem Betrieb nehmen müssten“, so Reimoser. Daher heißt die Empfehlung des Kreisfeuerwehrverbandes: trainieren für den Ernstfall in Gruppenstärke, also mit neun, zehn Mann bzw. Frau. Und: Das in normalen Zeiten obligatorische Zusammensetzen danach wird es nicht geben.

Atemschutzausbildung kann nicht schnell abgesagt werden

Erst wenn die Sieben-Tages-Inzidenz „dauerhaft unter 100 liegt, können wir wieder in Zugstärke, also mit 20 bis 25 Kräften üben“, so der Kreisbrandinspektor.

Reimosers Befürchtung ist indes, dass sich das Infektionsgeschehen und mithin die Regelungen immer mal wieder ändern könnten. Eine Atemschutzausbildung, so erklärt er, könne nicht eben mal schnell abgesagt werden. Eine solche fände zwei bis drei Wochen lang jeden Tag statt. Zudem müssten die Ausbilder gebucht werden.

Reimosers Fazit: Die Landkreisfeuerwehren könnten sich, was das Üben betrifft, „nicht noch einmal ein halbes Jahr lang beschränken“.

THW Dachau durfte auch nicht im gewohnten Maß trainieren

Dass sie nicht im gewohnten Maß trainieren dürfen, macht auch den Kräften des THW Dachau zu schaffen. Doch die Zivil- und Katastrophenschutzorganisation macht das Beste daraus. „Ausbildung light“, nennt es Sven Langer, Pressesprecher und Vereinsvorstand des THW. Genauer: Seine Leute treffen sich in Grüppchen mit fünf, sechs Leuten aufgeteilt von montags bis freitags mit den Gruppenführern und machen, „was die AHA-Regeln erlauben“, so Langer. Auf die Hygiene-Vorschriften lege man großen Wert, betont er.

Sorge bereitet dem THW-Vereinsvorstand seine große Jugendgruppe. „Bei der Jugend geht gar nix, da ist alles untersagt“, sagt er. Wie lange? „Das steht in den Sternen“, beantwortet Langer diese Frage.

Wasserwacht darf systemrelevante Übungen weiter durchführen

Ein wenig besser sieht es bei der Wasserwacht aus. „Wir dürfen systemrelevante Übungen weiter durchführen“, sagt Kreisvorsitzender Oliver Welter. So können beispielsweise die Rettungstaucher, die jährlich zehn Tauchgänge absolvieren müssen, um ihre Lizenz zu behalten, in die Tiefe gleiten. Reguläre Trainings und das Treffen danach sind allerdings seit März gestrichen. Das ist nicht eben gut für die Kameradschaft, denn „die Wasserwacht ist eine große Familie“, sagt Welter. Ein Problem hat die Organisation auch mit manchem älteren oder mit jüngeren, nicht ganz gesunden Mitgliedern. Da gebe es welche, die wegen Corona „einfach nicht mehr kommen“, so Welter.   

Welters Fazit: „Die Menschen brauchen sich keine Sorgen zu machen. Die Wasserwacht ist weiter sieben Tage die Woche, 24 Stunden da.“ Trotzdem warnt der Kreisvorsitzende schon mal eindringlich davor, aufs Eis zu gehen, wenn die Gewässer zugefroren sein sollten. Im Ernstfall freilich, „sind wir über die 112 jederzeit erreichbar“.

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