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Der Schutz der Gäste steht für Kochwirt Matthias Schilcher ganz oben.

Hohe Umsatzeinbußen

Coronavirus: Entlassungen sind bei Gastronomen die allerletzte Maßnahme

Die Dachauer Gastronomen kämpfen mit der Corona-Krise. Statt Bewirtung können die Gastronomen nur noch To-Go anbieten. Aufgeben wollen sie aber noch lange nicht. 

  • Die Gastronomen in Dachau kämpfen mit Umsatzeinbußen wegen der Corona-Krise.
  • Statt die Gäste zu bewirten, können die Gastronomen ihre Speisen nur noch To-Go anbieten. 
  • Aufgeben wollen sie aber noch lange nicht

Dachau „Ich will das nicht unnötig mit Gewalt am Laufen halten“, sagt Matthias Schilcher, Chef des Kochwirts und der Roxybar in Dachau. Schilcher hat vor einigen Tagen die Reißleine gezogen (wir berichteten). Er hat beide Läden komplett dich gemacht.

Kein To-Go-Geschäft, kein Lieferdienst. Er will weder Personal noch Gäste einem unnötigen Risiko aussetzen, wie der Dachauer Gastronom betont. Das Take-away-Geschäft passt auch nicht in die Arbeitsphilosophie Schilchers, der immer schon auf regionale und frischgekochte Speisen wert legte. „Ein lauwarmer Schweinsbratn is was anderes als ein Burger“, meint er – und so möchte er seinen Gästen kein Mitnahmegeschäft zumuten. Außerdem lebt ein Wirtshaus vom „Zammkema“, nicht nur vom Essen, findet Matthias Schilcher. To-Go-Läden gäbe es in Dachau eh schon genug, ergänzt er dann noch.

Gastronom Matthias Schilcher sorgt sich um seine Mitmenschen und Mitarbeiter

Vielmehr als die Sorge um Qualität und die fehlende Gemütlichkeit treibt den Dachauer aber die Sorge um seine Mitmenschen um. „Wir wollen unseren Beitrag leisten, und ich kann das steuern“, betont Schilcher, der auch die Situation in Österreich und Italien immer im Blick hat. Das Roxy als typischer Bar- und Diskothekbetrieb, wo alle eng auf eng stehen, hat der Dachauer Gastronom als erstes geschlossen. Normalerweise ist sowieso ab Ende Juni bis zum Oktoberfest zu, nur fürs Dachauer Volksfest sperrt er immer auf. Jetzt ist fraglich, ob er für die Dachauer Wiesn aufmachen darf, oder ob die Veranstaltung sowieso abgesagt wird.

21 Mitarbeiter beschäftigt Schilcher momentan in beiden Betrieben. Und die will er schützen. Niemand soll sich in der Arbeit anstecken und dann unter Umständen das Virus mit nach Hause bringen. Entlassen musste er noch niemanden, und er ist zuversichtlich, dass es nach den Ausgangsbeschränkungen wieder weitergeht. Vielleicht nicht gleich im vollen Tempo. „Wir werden leise anfangen“, schildert der Gastronom seine Pläne. Fünf Tage die Woche zum Start kann er sich derzeit nicht vorstellen. Eben etwas ruhiger und langsamer, bis sich wieder alles normalisiert hat.

Bakalikon-Inhaber Michail Kareklas musste seine Mitarbeiter alle in Kurzarbeit schicken

Dass das bald passiert, hofft auch Michail Kareklas, Inhaber des Bakalikon in der Dachauer Altstadt. Derzeit läuft sein griechisches Restaurant im To-Go-Modus. Zumindest bis Ende März. Bis dahin gibt es die komplette Speisekarte zum Mitnehmen, täglich von 11 bis 14 Uhr und von 17 bis 20.30 Uhr. Was danach ist, weiß er heute allerdings noch nicht. Das Bakalikon ist ein Familienbetrieb, dazu gibt es Angestellte. Insgesamt arbeiten 14 Leute in dem Restaurant, die jetzt alle in Kurzarbeit sind.

Ob es im April mit einer verkleinerten Speisekarte weitergeht oder ob das beliebte griechische Restaurant zusperren muss, weiß Michail Kareklas derzeit nicht. „Jetzt ist erst mal die Gesundheit wichtig“, betont der gebürtige Grieche und Wahl-Dachauer, der täglich mit seiner Familie in Griechenland telefoniert. Zum Glück sind alle gesund.

Adina Fracasso vom Ristorante Roma: „Wenn ich die Bilder von Bergamo sehe, habe ich Tränen in den Augen“

Gesund sind Gott sei Dank auch die Familien von Adina und Augusto Fracasso in den Abruzzen. Die Fracassos sind Inhaber des „Ristorante Roma“ in Dachau-Ost und von der Situation genauso betroffen wie ihre Dachauer Kollegen. Auch wenn es derzeit noch keinen direkten Fall in der Familie gibt, ein entfernter Verwandter in Italien ist bereits an Covid-19 gestorben. Die 96-jährige Schwiegermutter darf keine Besuche mehr bekommen, wird zwar versorgt, aber ist jetzt eben den ganzen Tag allein. Adina und Augusto Fracasso telefonieren täglich mit ihr, aber einfach mal ins Auto setzen und nach Italien fahren – das geht jetzt erst mal für längere Zeit nicht mehr.

„Wenn ich die Bilder von Bergamo sehe, habe ich Tränen in den Augen“, erzählt Adina Fracasso, die zusammen mit ihrem Mann, den beiden Söhnen Fabio und Gianluca und Schwiegertochter Mina das Roma führt. Alle Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Beim To-Go-Geschäft steht nur ein Koch in der Küche, abwechselnd fungieren Adina und Augusto Fracasso als Küchenhilfen, um ihre Angestellten nicht unnötig in Gefahr zu bringen.

Mina Fracasso kümmert sich in der jetzigen Situation um die ganzen behördlichen Dinge. Steuern, Krankenkassenbeiträge, Sofort-Hilfen, KfW-Darlehen – alles funktioniert momentan ganz unbürokratisch und schnell. Die 33-Jährige versorgt daheim auch noch ihre vier Kinder, zwei davon schulpflichtig. „Das ist schon eine Riesen-Aufgabe“, sagt sie. Zusammen mit ihrem Mann Gianluca geht sie mit den Kindern jeden Tag spazieren. Aber Besuche bei den Omas und Opas sind derzeit gestrichen. „Man verzichtet gerne, wenn man dadurch was beitragen kann“, betont die vierfache Mutter.

Mitnahmegeschäft im Roma bis Ende April geplant

Bis Ende April läuft das Mitnahmegeschäft – täglich von 17 bis 21 Uhr gibt es Pizza und Pasta – erst mal weiter. Zumindest ist das der Plan. Denn wirklich angenommen wird das Angebot von den Gästen leider nicht. An Entlassungen will die Familie Fracasso momentan trotzdem nicht denken. „Das ist die allerletzte Maßnahme“, verspricht Mina Fracasso. „Wir wollen positiv denken und hoffen, dass wir bald wieder ohne Angst rausgehen können“, betont Adina Fracasso, die sich angesichts der Fernsehbilder aus Italien schon Sorgen macht, wie es hier weitergehen wird. Aber „Andrà tutto bene – alles wird gut“! Da ist sich Familie Fracasso sicher.

60 bis 70 Prozent Umsatzeinbußen muss Aydin Agca derzeit hinnehmen. Sein beliebter Dönerstand in Dachau hat dennoch ganz normal geöffnet. Den Großteil seiner Mitarbeiter musste Agca allerdings in Kurzarbeit schicken, manche haben auch noch restliche Urlaubstage genommen. „Einen Monat kann ich so aushalten“, hat er für sich ausgerechnet. Wie es danach weitergeht, falls die Situation dann weiterhin so ist wie jetzt, weiß der gebürtige Türke noch nicht. Was ihn derzeit jedoch freut, ist die Disziplin seiner Kundschaft, egal welchen Alters. „Die Leute lassen Abstand“, so Agca.

Simone Wester

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