Dachau Fahrlehrer Coronavirus TÜV 
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Vor dem TÜV in Dachau versammelten sich die Fahrlehrer zum Protest bei der Fahrausbildung. 

TÜV reagiert überraschend

Keine Prüfungen wegen fehlender Corona-Anforderungen: Fahrlehrer gehen gegen TÜV auf die Barrikaden

  • vonJosef Ostermair
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In Dachau genügt der Prüfraum für Fahrschüler nicht den Corona-Hygieneanforderungen. Deshalb haben 20 Fahrlehrer aus zehn Landkreis-Fahrschulen auf dem TÜV-Gelände protestiert.

  • In Dachau genügt der Prüfraum für Fahrschüler nicht den Corona-Hygieneanforderungen.
  • 20 Fahrlehrer haben deshalb gemeinsam auf dem TÜV-Gelände protestiert. 
  • Für Fahrlehrer, aber auch Fahrschüler ist die Lage eine große Herausforderung.
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Seit nunmehr zwei Wochen können die Fahrschulen nach dem Corona-Lockdown mit der damit verbundenen Betriebsuntersagung wieder Fahrschüler zum Erwerb des Führerscheins ausbilden, doch in Dachau gab es Probleme: „Die vielen Fahrschüler wurden zwar ausgebildet, konnten aber keine Prüfung ablegen“, schimpfte Anton Kiemer, der acht Fahrlehrer beschäftigt und zur Demo aufgerufen hatte. Der Grund: Der Prüfraum beim TÜV Dachau ist schlichtweg zu klein, um die Abstandsbestimmungen einzuhalten, außerdem sei die Durchlüftung nicht gegeben, erklärte Vincenzo Lucà, Pressesprecher des TÜV-Süd. „Es ist korrekt, dass keine Prüfung stattgefunden hat.“ 

Der TÜV habe den Fahrschulen alternative Prüfräume in der Umgebung angeboten, etwa in Fürstenfeldbruck, Garching oder München. Zudem habe man nun – just am Tag des Protestes der Fahrschulen – eine vorübergehende Lösung gefunden: Die Prüfungen werden am Freitag und Samstag im Büro abgenommen, da lassen sich die Mindestabstände zur Eindämmung des Coronavirus einhalten. Außerdem habe der TÜV Kontakter zur Stadt geknüpft, um einen Raum zu finden, „wir sind hier noch in Verhandlungen“, so Lucà. „Es ist für uns auch eine schwierige Situation.“

Keine Prüfungen wegen fehlender Corona-Anfordungen: Fahrlehrer gehen gegen TÜV auf die Barrikaden

„Uns ist nichts anderes übrig geblieben, als gegen die Monopolisten des TÜV zu demonstrieren“, verteidigt Kiemer die ungewohnte Härte der Fahrschulen. Andererseits brachte er zum Ausdruck, dass es doch für eine Stadt wie Dachau mit rund 50.000 Einwohnern ein Armutszeugnis wäre, keinen Raum für die Theorieprüfungen zu finden. Kiemer klagte: „Nachdem keine Ausbildungen mehr beendet werden können, müssen die Fahrschulen wieder ihren Betrieb herunterfahren und ihre angestellten Fahrlehrer in Kurzarbeit schicken. Allen Fahrschulen, die die große Unterbrechung wirtschaftlich gerade noch überstanden haben, werden wieder von dem Verantwortlichen beim TÜV in Stich gelassen“.

Leider sei die Situation bei den praktischen Prüfungen ähnlich: mehrere Wochen Wartezeit, Unsicherheit bei den Fahrschulen, ob Prüfer geschickt werden; ständig müsse man bei den überforderten Damen in der für die Dachauer Fahrschulen zuständigen Niederlassung in Murnau um Prüfungsplätze ersuchen. Man müsse bedenken, dass es viele Prüflinge gibt, die existenziell auf ihre Fahrerlaubnis angewiesen sind, weil sie die für ihren Broterwerb benötigen. Die Lkw-Fahrschulen bilden Lkw-Fahrer und Busfahrer im Auftrag der Jobcenter und der AfA aus. Diese Bewerber seien größtenteils arbeitslos und hätten das Ziel, möglichst schnell die Fahrausbildung abzuschließen, um eigenes Einkommen erzielen zu können. „Noch vor wenigen Wochen hieß es großspurig, dass diese Ausbildungen systemrelevant sind“, unterstrich Kiemer.

Dachau: Demonstration der Fahrlehrer findet bei TÜV schnell Gehör - Erfolgreicher Protest

Auch eine Reihe Bewerber für den Schlepper-Führerschein T, die dringend in landwirtschaftlichen Betrieben gebraucht würden, mussten sich in die Warteschleife begeben. Nicht vergessen möchte Kiemer die Helfer bei den Freiwilligen Feuerwehren, die für den ehrenamtlichen Einsatz den Führerschein dringend benötigen.

Umso mehr wunderten sich die demonstrierenden Fahrlehrer, wie schnell ihr morgendlicher Protest bei den TÜV-Oberen Gehör gefunden hat. Noch am selben Tag, gegen 18.30 Uhr, erfuhr man, dass schon am Samstag, 30. Mai, im Büro der TÜV-Prüfer wieder theoretische Fahrprüfungen durchgeführt werden können. „Wir versuchen, flexibel zu reagieren“, aber es braucht ein bisschen Zeit“, so der TÜV-Pressesprecher. Fünf Prüfer wollen am Samstag zeitversetzt 40 Prüflinge beurteilen. Weitere 40 können am Freitag nach Pfingsten ebenfalls beim TÜV in Dachau zur Prüfung antreten. Das „reinigende Gewitter“ der Landkreis-Fahrlehrer ist also von Erfolg gekrönt. Später hat man als Prüfungsort den Rotkreuzsaal in Dachau im Visier. 

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