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Anton Kreitmair ist Landtagsabgeordneter und BBV-Bezirkspräsident.

CSU-Abgeordneter Anton Kreitmair denkt ans Aufhören

Von der Landespolitik zermürbt

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CSU-Abgeordneter Anton Kreitmair möchte nicht mehr für den Landtag kandidieren. Der Zeit- und Arbeitsaufwand sei hoch, das politische Niveau in München dagegen unterirdisch, klagt der 54-Jährige. Bezirkschefin Ilse Aigner möchte Kreitmair unbedingt halten – und versprach ihm einen gutenListenplatz.

Dachau – Politik sei eine Droge, sagt man, und viele Politiker regelrecht berauscht von der Macht, die ihnen ihr Amt verleiht. Aktuelles Beispiel: Horst Seehofer, gesundheitlich offensichtlich angeschlagen und 68 Jahre alt, geht lieber noch einmal nach Berlin als in den Ruhestand.

Anton Kreitmair, 54, ist da anders. Er sagt ganz offen: „Ich möchte im Herbst nicht mehr für den Landtag kandidieren.“ Über die Liste war er vor sechs Jahren ins Maximilianeum gewählt worden, heute zählt er – natürlich auch aufgrund seiner Tätigkeit im Bayerischen Bauernverband (BBV) – zu den bekanntesten Gesichtern der CSU-Fraktion.

Doch die Vorzüge des Politiker-Lebens – die Reisen, die Empfänge, das Gefühl der Macht – konnten Kreitmair zufolge nicht im Ansatz die Schattenseiten des Abgeordneten-Daseins aufwiegen. Allein der Zeitaufwand sei enorm: „An sechs von sieben Abenden in der Woche bin ich nicht daheim.“ Er verlasse das Haus frühmorgens und komme abends zum Schlafen heim. Hinzu komme, dass er als Listenkandidat keinen eigenen Stimmkreis hatte: „Mein Wahlkreis war ganz Oberbayern. Das ist unglaublich kräftezehrend.“ Zeit für ein Privat- und Familienleben? Fehlanzeige.

Auch die fehlende Wertschätzung der Bürger für seine Arbeit „muss man ertragen können“. Viele Wähler würden sich heutzutage gar nicht mehr mit sachlichen Argumenten auseinandersetzen wollen – und stattdessen lieber Populisten hinterherlaufen. Dass es diese Gattung Politiker mittlerweile auch im bayerischen Landtag gibt, war schließlich der letzte Tropfen, der sein Frust-Fass zum Überlaufen brachte: „Da werden den Bürgern Dinge versprochen, von denen jeder weiß, dass sie nicht machbar sind.“ Auf dieses Niveau, betont der Kleinberghofener, „will ich mich nicht herunterlassen. Es trifft mich als Mensch, dass Bürger für dumm verkauft werden“.

Kreitmair, der stolz darauf ist, „in den vergangenen Jahren vier Mal gegen die Fraktion gestimmt zu haben“, dürfte in seiner Partei eine Lücke reißen. Nicht umsonst ist Bezirksvorsitzende Ilse Aigner nun verzweifelt darum bemüht, den Freigeist zu halten. Ob der in Aussicht gestellte sehr gute Listenplatz an seiner Einstellung etwas ändert, ist allerdings fraglich. „Ich bin Frau Aigner nix schuldig“, betont Kreitmair. Wenn er doch noch einmal weitermache, dann nur „in der Hoffnung, für den einfachen Bürger etwas bewegen zu können“.

Bis nach Ostern will der Familienvater nun eine definitive Entscheidung getroffen haben. Sollte er sich tatsächlich aus dem Landtag – „nicht aus der Politik!“ – verabschieden, wolle er sich beruflich verändern und eventuell auch seine Tätigkeit im BBV ausbauen. Grundsätzlich, findet er, „lebt das Leben von Veränderungen.“ Aber mit über 50 „kann man halt doch nicht mehr so oft wechseln“.

Was Kreitmair allerdings nicht sagt: Unter Umständen, wenn die CSU bei der Landtagswahl im Herbst keine absolute Mehrheit holt, wäre es für Listen-Kandidat Kreitmair ohnehin schwer, seinen Sitz im Maximilianeum zu halten. Direktkandidaten hätten es da einfacher. Stimmkreisabgeordneter für Dachau ist Bernhard Seidenath – und das ist, laut Kreitmair, „auch absolut in Ordnung“.

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