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Trotz Regen und Kälte gedachten rund 100 Teilnehmer der Opfer des Holocaust. 

74. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau

Die Sorge vor dem Rechtsruck

Anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau vor 74 Jahren fanden zwei Gedenkveranstaltungen in Dachau statt. Die Redner sprachen von wachsendem Antisemitismus.

Dachau– Unter anderem waren der Präsident des Comité International de Dachau, General Jean-Michel Thomas, Bayerns Kultusminister Michael Piazolo und die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, zu Gast.

Eine gewisse Schwermut lag in der Luft, als am Samstagabend um 18 Uhr die Gedenkfeier am Todesmarsch-Mahnmal in Dachau begann. Doch die rund 100 Teilnehmer der Feierlichkeiten rückten nahe zusammen und ließen sich auch von Regen und Kälte nicht davon abhalten, der Opfer des Holocaust zu gedenken und damit ein Zeichen gegen den erstarkenden Antisemitismus und Rassismus in Deutschland und Europa zu setzen.

Die Stimmung wurde von den melancholischen, beinahe schwermütigen Melodien widergespiegelt, die Tatyana Mischenko auf ihrer Querflöte unter der Begleitung des Gitarristen Martin Lidel anstimmte. Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung fand Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann ernste Worte: „74 Jahre sind seit dem Ende der NS-Herrschaft und dem millionenfachen Morden in Konzentrations- und NS-Lagern vergangen“ – und doch sei trotz der geleisteten Aufklärung über all diese Jahre hinweg ein erstarkender Rechtspopulismus und Antisemitismus zu beobachten, so Hartmann. „Antisemitismus und Rassismus verbreiten Gift“, erklärte der Oberbürgermeister. „Trotz alledem sinkt die Hemmschwelle, was den Antisemitismus betrifft, immer weiter.“ Abschließend zitierte Florian Hartmann deshalb die mahnenden Worte des Holocaust-Experten Götz Aly: „,Ein Ereignis, was dem Holocaust von der Struktur her ähnelt, kann sich wiederholen.’ Deshalb sollten wir eines nicht vergessen: Wehret den Anfängen – daran soll uns dieser Tag jedes Jahr aufs Neue erinnern.“

Nach einer Rede des Psychiaters und Mediziners Michael von Cranach über die Verbrechen der NS-Euthanasie wandte sich Dana Bloch, die Enkelin des Schoah-Überlebenden Abba Naor, an die Teilnehmenden: „Das ist das erste Jahr, in dem ich ohne meinen Opa hier bin“, erklärte die Enkelin von Abba Naor. Sonst sei sie immer an der Seite ihres Großvaters zur Gedenkfeier gekommen, sagte die junge Frau. Der 91-Jährige sei aber aus gesundheitlichen Gründen dieses Mal nicht in der Lage gewesen, die lange Anreise aus Israel auf sich zu nehmen: „Es stellt sich heraus, dass auch das stärkste Herz einmal schwach werden kann“, erklärte Dana Bloch. „Mein Opa kann heute nicht hier sein, weil er Herzprobleme hat.“

Nur noch acht Zeitzeugen hatten ihre Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 74. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau angekündigt. Irgendwann, so Bloch, werde es niemanden mehr geben, der als Überlebender davon erzählen könne, was er unter dem NS-Regime erlebt habe. „Darum habe ich Angst – große Angst sogar –, dass wir irgendwann nur noch mit kalten, historischen Fakten zurückbleiben, sobald uns die Überlebenden nicht mehr selbst davon berichten können, was sie im Holocaust erlebt haben. Aber um diesem Vergessen und meiner Angst entgegenzugehen, habe ich mich entschieden, den Weg meines Opas weiterzugehen. Denn mein Opa ist mein Held.“

Bei den Gedenkfeiern am gestrigen Sonntag in der KZ-Gedenkstätte Dachau zeichnete Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, ein düsteres Bild: Das gesellschaftliche und politische Problembewusstsein für Antisemitismus sei zwar gewachsen, „doch die Hoffnung darauf, eine Zeit ohne Judenhass noch zu erleben, in der jüdisches Leben in Deutschland Normalität ist und in der jüdische Gemeinden ohne Panzerglas und ohne Sicherheitsschleusen auskommen, habe ich für mich selbst bereits aufgegeben“. Zu groß und zu zahlreich seien die Rückschläge der vergangenen Jahre gewesen.

Charlotte Knobloch rief die Gesellschaft und insbesondere die jüngere Generation dazu auf, Haltung zu zeigen. „,Nie wieder’ muss ,nie wieder’ bleiben“, sagte sie.

nn/epd

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