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Mindestens bis zu den Pfingstferien müssen Bettina und Stefan Löwl noch auf den nächsten Familienurlaub warten.

Interview mit wiedergewähltem Landrat Stefan Löwl

„Auf populistischer Ebene werden wir nicht diskutieren“

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Die Heimatzeitung hat den wiedergewählten Landrat um sein Wahlfazit gebeten, um seine Meinung über scheidende Weggefährten und zu dem, was sich in der der neuen Legislaturperiode alles ändern könnte.

Landkreis – Landrat Stefan Löwl (CSU) geht im Mai in seine zweite Amstzeit. Der Kreistag, dem er seit 2014 vorsteht, umfasst mit nun 70 statt früher 60 mehr Abgeordnete. Und weil mit der AfD, dem Bündnis für Dachau, der Linken/Der Partei sowie Wir gleich vier Gruppierungen hinzugekommen sind, dürfte die Debattenkultur eine andere werden. 

Wie beurteilen Sie das Abschneiden Ihrer Partei bei der Wahl?

Als CSU haben wir in den Gemeinden durchweg ein sehr gutes Ergebnis eingefahren, auch wenn es natürlich lokale Unterschiede gibt und die äußerst knappe Niederlage von Anton Kerle in Altomünster sehr schmerzt. Von den zehn zusätzlichen Kreistagssitzen konnten wir leider nur einen zusätzlichen Sitz für die CSU gewinnen. Wir sind aber mit großem Abstand noch immer die stärkste Fraktion im Kreistag und konnten uns dem allgemeinen Abwärtstrend für die größeren Parteien sowie der Konkurrenz mit vielen zusätzlichen Listen erfolgreich entgegenstellen. Dies liegt nach meiner Einschätzung am hervorragenden personellen Angebot der CSU im Landkreis Dachau.

Viele profilierte Kreisräte wie beispielsweise Wolfgang Offenbeck, Eva Rehm, Michaela Steiner oder Dr. Edgar Forster sind zurückgetreten oder wurden nicht mehr gewählt. Wen vermissen Sie am meisten?

Ich werde sicherlich alle vermissen, da wir eine sehr gute Zusammenarbeit in den vergangenen sechs Jahren hatten, über alle Parteigrenzen hinweg. Natürlich wird mir Wolfgang Offenbeck mit seiner Erfahrung, seiner Art und seiner Eloquenz am meisten fehlen. Er hat es immer geschafft, die wichtigen Dinge zu benennen und – ohne den lokalen Bezug zu verlieren – in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Aber auch Eva Rehm wird mir fehlen. Sie hat sich schon immer unermüdlich für die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis eingesetzt, bis 2014 unter anderem als stellvertretende Landrätin und in den letzten Jahren durch den bewundernswerten Einsatz beim Aufbau unseres Mint-Campus. Dieser wäre ohne Eva Rehm so nicht denkbar! Gefreut haben mich die Ergebnisse vieler neuer, jüngerer Kandidatinnen und Kandidaten. Auch in der CSU-Fraktion läuft der Generationenwechsel.

Vier neue Parteien bzw. Gruppierungen haben den Einzug in den Kreistag geschafft. Was bedeutet das für die zukünftige Arbeit des Gremiums?

Das kommt darauf an, welche Inhalte und welchen Politikstil die neuen Parteien mitbringen. Auf einen konstruktiven, demokratischen Austausch freue ich mich; auf eine populistische Art oder bei nicht in der Kreiszuständigkeit liegenden Themen werden wir im Kreistag nicht diskutieren. Ich würde mich freuen, wenn wir das respektvolle und kollegiale Zusammenwirken im Kreistag auch in der neuen Wahlperiode fortsetzen können.

Sie haben im aktuellen Kreistag mit Sebastian Leiß (FW Dachau) einen hartnäckigen Kritiker. Im neuen Plenum ist mit Kai Kühnel (Bündnis für Dachau) ein weiterer Abgeordneter hinzugekommen, der bekanntermaßen kein Freund Ihrer Politik ist. Wird der Ton in den Sitzungen schärfer?

Das hängt sicherlich nicht an mir!

Die AfD hat vier Sitze errungen. Welche Politik erwarten Sie von diesem Quartett?

Ich kenne die vier neuen Kreistagsmitglieder der AfD noch nicht persönlich. Ich erwarte aber einen respektvollen Stil, sowohl im Umgang als auch bei den Diskussionen, sowie eine Fokussierung auf die vielfältigen Herausforderungen des Landkreises.

Gibt es in diesen „Corona-Zeiten“ schon einen Fahrplan für den neuen Kreistag?

Die konstituierende Sitzung des neuen Kreistags ist für den 8. Mai geplant; die Sitzung mit den Ausschussbesetzungen und anderen grundlegenden Entscheidungen dann für den 15. Mai. Dies steht aber natürlich alles unter dem Vorbehalt der weiteren Entwicklung.

Sie sind in den vergangenen Monaten mit regulärer Arbeit, Wahlkampf sowie Krisenmanagement terminlich an Ihre Grenzen gestoßen. Wie wäre es da mit einer kleinen Pause zum Durchschnaufen?

Darauf freue ich mich, aber aktuell kann ich mir dazu keine Gedanken machen. Ich versuche, die täglichen Herausforderungen zu bewältigen und dabei ein paar Momente mit meiner Familie zu verbringen. Die geplanten Tage mit dem Wohnwagen in den Osterferien werden aber leider ausfallen. Aktuell hoffe ich auf die Pfingstferien. Zum Glück sind wir mit unserem Wohnwagen zeitlich und zielmäßig sehr flexibel.

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