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„Volksfest-Feeling“ im Gewerbegebiet: Statt auf der Festwiese bietet die Familie Kaiser derzeit ihre süßen Schmankerl an der Indersdorfer Heinrich-Lanz-Straße an.

Auf der Thomawiese

Mögliche Alternative? - Dachauer Stadträte schlagen Drive-in-Volksfest vor

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Wegen Corona ist das Dachauer Volksfest abgesagt. Um dennoch „Feeling“ aufkommen zu lassen, haben drei Dachauer Stadträte ein „Drive-in-Volksfest“ vorgeschlagen.

  • Das Dachauer Volksfest ist wegen Corona abgesagt. 
  • Deshalb haben drei Dachauer Stadträte eine Alternative vorgeschlagen. 
  • Mit einem Drive-in-Volksfest soll dennoch ein wenig Feeling aufkommen. 

Dachau – Im niederbayerischen Landshut gibt es bereits eine „Dult to go“, in Forchheim öffnete gerade „Frankens erste Kerwa to go“. Könnte da, fragten sich die Stadträte Jürgen Seidl (FDP), Ingrid Sedlbauer und Peter Gampenrieder (beide ÜB), ein „Drive-in-Volksfest“ auf der Dachauer Thomawiese nicht ebenfalls eine schöne Sache werden? Schließlich sollten die Dachauer im August wegen Corona nicht gänzlich auf „ein bisschen Volksfest-Feeling“ verzichten müssen.  

So könnten die Besucher, nach den Plänen der drei Stadträte, „am Eingang des zu durchfahrenden Zeltes die Bestellung aufgeben und diese dann an den standähnlichen Autoschaltern jeweils von in Trachtenkleidung bedienendem Personal entgegen nehmen“. In der Zwischenzeit könnten die Besucher „auf Bildschirmen Bilder der letztjährigen Volksfeste, hinterlegt von Volksmusik, betrachten. An den Schaltern könnten frisch gebratene Hendel, Fisch, gebrannte Mandeln und auch Bier zum Verzehr angeboten werden“. 

Drive-in-Volksfest: OB Hartmann findet die Idee nicht gut

Kommt da nicht direkt Stimmung auf? „Bei mir nicht“, sagt Oberbürgermeister Florian Hartmann. Die Stadtverwaltung habe sich schon vor der Anfrage Seidls Gedanken über das Thema gemacht und sei zu dem Schluss gekommen, dass „das keine gute Idee ist und wir es deshalb auch nicht dem Stadtrat vorgeschlagen hätten“. Priorität habe derzeit im Rathaus nämlich vor allem, die heimische Gastronomie zu stützen, deren Lage, so Hartmann, „wirklich dramatisch“ ist. Ein „Volksfest to go“ sehe er da nur als „unnötige Nebenveranstaltung“ zu den heimischen Biergärten.

Im Rathaus, berichtet der OB, gingen aktuell viele Anfragen von Wirten ein, ob sie ihre Außenflächen vergrößern dürfen beziehungsweise wie sie ihre Außenbestuhlung organisieren sollen, um einerseits den vorgeschriebenen Abstandsregeln Genüge zu tun, andererseits aber wenigstens noch ein bisschen Geschäft zu machen. „Wir handhaben das alles gerade sehr offen und kulant“, betont Hartmann. Die „wirklich sehr hart getroffene Gastronomie“ wolle er daher nicht auch noch der Konkurrenz eines „Drive-in-Volksfests“ aussetzen – dessen Anklang in der Bevölkerung ohnehin fraglich sei.

Statt Drive-in-Volksfest: Robert Gasteiger schlägt Standl auf Wochenmärkte vor

Genauso sieht es auch Volksfestreferent Robert Gasteiger (Freie Wähler Dachau). Er zweifelt schwer daran, dass es stimmungsvoll sein kann, gemeinsam mit „500 anderen Autos bei 40 Grad Außentemperatur“ auf ein Hendl zu warten. Er fände es da wesentlich sinnvoller, wenn einzelne Standl auf den Wochenmärkten oder in den Biergärten der Stadt ihre Waren – zum Beispiel Schokofrüchte – anbieten. Angesichts der Tatsache, dass sich die Regularien der Staatsregierung wöchentlich änderten, hofft er zudem, „dass bis in den Sommer vielleicht auch wieder kleinere Vereinsfeste stattfinden können“. Doch auch vom ökologischen Aspekt her lehnt er die Idee eines „Drive-in-Volksfests“ ab: „Wo sollen denn die ganzen Autos hin? Während der Wartezeit auf das Essen lassen die doch ihre Motoren laufen!“

Festwirt Ewald Zechner steht der Idee von FDP und ÜB grundsätzlich offen gegenüber. Gleichzeitig gibt er zu bedenken: „Es muss schon auch was hängen bleiben.“ Die Kosten allein für den Aufbau seines Festzelts würden 100 000 Euro verschlingen – selbst wenn er das „To-go-Volksfest“ also mit einem kleineren Zelt bespielen würde, müsste schon sichergestellt sein, dass er mit der Veranstaltung etwas verdient. Ein weiteres Kriterium für Zechner ist aber auch, dass mehrere Wirte und Standl „ins Boot geholt werden. Die Branche hat stark gelitten, da soll jeder wieder was verdienen können“!

Robert Gasteiger gibt ein kleines Privatfest - mit Karussell, Standl und Musik

Genau das sei aber ein Problem, weiß Gasteiger. Schon beim normalen Volksfest müsste die Stadtverwaltung darauf achten, die Wirte, Schausteller und Standl-Leut möglichst gleich zu behandeln. Eine kleine Auswahl zu treffen, sei da schwierig. Er schlägt daher vor, das Volksfest 2020 komplett ausfallen zu lassen und lieber nächstes Jahr wieder normal zu feiern – „da wird’s bsonders schön“!

Er selbst wird am Volksfestsamstag übrigens ein kleines Privatfest auf seinem Hof in Günding geben – inklusive Karussell, Standl und Musik. „Sogar eine Schiffschaukel“ habe er schon in Aussicht und auch ein kleiner Umzug sei geplant. Ungeklärt sei nur noch eine klitzekleine Kleinigkeit: Wie viele Gäste dürfen mitfeiern?

Auch in Indersdorf kein „Volksfest to go“

In Indersdorf wird es in diesem Jahr definitiv kein Volksfest geben, nicht einmal als „Volksfest to go“, wie Organisator Josef Schuster auf Nachfrage erklärt. Grund: Auf der Indersdorfer Festwiese werde aktuell die Corona-Teststation des Landkreises betrieben, der Parkplatz neben der Festwiese sei an die Gemeinde vermietet und der Marktplatz ohnehin eine einzige Baustelle. Dass es in der Marktgemeinde kein „Drive-in-Fest“ geben wird, macht Schuster aber nicht traurig: „Ein echtes Volksfest ist durch nichts zu ersetzen. Zu 90 Prozent geht’s doch um Geselligkeit.“

zip/cb

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