Schwerer Unfall auf A8 mit Lkw - Riesenstau um München bis auf A99

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Eine Nachricht tippen, bedeutet im Blindflug fahren. Dieses Plakat steht an Autobahnen und warnt vor Ablenkung am Steuer.

Motorradfahrer appelliert nach Unfall an Verkehrsteilnehmer

Tödliche  Ablenkung im Straßenverkehr

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Das Leben von Stefan M. ist seit vier Wochen nicht mehr nicht mehr wie vorher. Mitte Juni wird der 57-Jährige bei einem Motorradunfall schwer verletzt. Nun setzt er einen Appell ab: an die Verantwortung – gegen Ablenkung im Straßenverkehr.

Haimhausen – Beinahe hätte Stefan M. (57, Name geändert) sein Leben verloren. Vier Wochen nach dem Unfall ist er wieder zu Hause, aber es wird noch lange dauern, bis er wieder gesund ist. Ihm und seiner Lebensgefährtin Alexandra O. (49) aus Dachau ist es nun wichtig, zu warnen: Was im Straßenverkehr passieren kann, wenn man abgelenkt ist. Denn ein Radfahrer nahm Stefan M., der mit seinem Motorrad unterwegs war, die Vorfahrt. Der Motorradfahrer glaubt, Musikkopfhörer im Ohr des Radlers gesehen zu haben. Ohne Kopfhörer, davon ist Stefan M. überzeugt, hätte der Radfahrer ihn und sein Motorrad kommen hören.

Ob der Radfahrer Kopfhörer auf hatte und ob der Unfall ohne Kopfhörer hätte vermieden werden können, dazu darf die Polizei sich nicht äußern, die Ermittlungen laufen, es handele sich um ein schwebendes Verfahren, sagt Richard Wacht, Verkehrsexperte der Dachauer Polizei. Aber dass Unfälle aufgrund von „Ablenkung im Straßenverkehr“, so der Überbegriff, zunehmen, daran bestehe kein Zweifel, so Wacht (siehe Kasten).

Es war der 17. Juni. Stefan M. war mit seiner BMW GS auf der Hochstraße in Haimhausen unterwegs. Plötzlich tauchte der Radfahrer vor ihm auf. Stefan M. konnte sein Motorrad nicht mehr abbremsen. Er versuchte auszuweichen, touchierte dabei den Vorderreifen des Radfahrers, verriss seinen Lenker. Ab hier hat seine Erinnerung Lücken.

„Er ist über den Lenker gestürzt und hat schwere innere Verletzungen erlitten“, berichtet Lebensgefährtin Alexandra O. (49). Die Milz wurde zerfetzt, die Leber riss, Lunge und Niere wurden gequetscht, mehrere Rippen waren gebrochen. Ein Ersthelfer zog ihm vorsichtig den Helm vom Kopf. Er blickte noch zu dem Radfahrer, der ebenfalls auf der Straße lag, mit einem Armbruch. Er erinnert sich an Kopfhörer. Überall Blaulicht. Als sich die Tür des Rettungshubschraubers schloss, verlor Stefan M. das Bewusstsein aufgrund des Blutverlustes.

Zwei Polizeibeamte kamen inzwischen zu Alexandra O. und erklärten, dass es ungewiss sei, ob ihr Lebensgefährte überlebte. Vier Stunden lang kämpften die Ärzte in Neuperlach um sein Leben, danach lag er eineinhalb Wochen im künstlichen Koma, drei Wochen lang im Krankenhaus. Vor wenigen Tagen kam er nach Hause. „Er hat noch immer eine offene Wunde am Bauch, die alle zwei Tage versorgt werden muss“, sagt Alexandra O. Kleinste Bewegungen strengen ihn an, jede Fahrt zum Arzt erschöpft Stefan M.

Stefan M. muss sieben verschiedene Medikamente nehmen, kann nicht mehr gut schlafen, wandert nachts umher, muss ständig zum Arzt. Er braucht Impfungen, weil sein Körper ohne Milz nicht gegen Krankheitserreger ankämpfen kann. Arbeiten wird er so schnell nicht können, ob er jemals wieder in seinen Beruf als Bautechniker zurück kann, ist fraglich. „Zusätzlich zu dem Schicksalsschlag kommen Existenzängste dazu“, sagt seine 49-jährige Lebensgefährtin. „Vermutlich muss er sich umorientieren.“

Alexandra O. und ihr Lebensgefährte wollen nun wachrütteln: „Durch die Ablenkung im Straßenverkehr können so schlimme Sachen passieren“, sagt die Einrichtungsberaterin aus Dachau. „Die Leute müssen wieder verantwortungsbewusster werden!“ Einen speziellen Appell richtet Stefan M. an die Radfahrer: aufzupassen, sich ihrer Pflichten bewusst zu sein, mehr Rücksicht walten zu lassen. Der 57-Jährige kann auch nicht verstehen, dass sich sein Unfallgegner nie bei ihm gemeldet hat, sich nicht erkundigt hat, wie es ihm geht. „Das enttäuscht maßlos.“

Auch Alexandra O. kann das nicht verstehen. Sie hofft, dass die Menschen wieder mehr aufeinander schauen, sich kümmern um ihre Mitmenschen. Ein Lob haben die beiden immerhin für die Rettungskräfte und für die Ersthelfer. „Herzlichen Dank an alle, die hier geholfen haben!“

Die Polizei warnt: „Das Smartphone ist ein Riesenproblem!“

Nur schell eine Nachricht lesen am Steuer: In dieser einen Sekunde legt man bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometer 14 Meter zurück. 14 Meter, in denen man nicht auf den Straßenverkehr achtet. Diese Unaufmerksamkeit kann tödliche Folgen haben. Zahlen kann die Polizei zwar nicht vorlegen. „Es gibt keine Statistik zur Unfallursache Handy“, so Richard Wacht, Verkehrsexperte der Dachauer Polizei. Aber er verweist auf eine anonyme Befragung, nach der die Zahl der Unfälle mit Toten oder schwer Verletzten aufgrund von Ablenkung durch Handy, Navi, Musik oder Essen im Bereich der Unfallzahlen aufgrund von Alkohol liegt, „wenn nicht sogar darüber“. Bei schweren Unfällen könne das Handy auch Beweismittel sein – es werde ausgewertet, um es als Unfallursache auszuschließen oder zu bestätigen. Fest steht: „Das Smartphone ist ein Riesenproblem im Straßenverkehr“, so Wacht. Im Jahr 2018 hat die Polizei 776 Anzeigen wegen Handy am Steuer ausgestellt. „Heuer werden wir diese Zahlen nach derzeitigen Tendenzen gut übertreffen. (no)

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