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Großer Frust bei Asylhelfern: Zahl ist im Landkreis Dachau stark gesunken ‒ „Es ist einfach zermürbend“

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Von: Verena Möckl

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Absolventen und Dozenten des Computerkurses
Absolventen und Dozenten des Computerkurses beim Asylhelferkreis Karlsfeld im Jahr 2018. © Archiv

Die Zahl der ehrenamtlichen Asylhelfer ist im Landkreis Dachau deutlich gesunken. Die wenigen Freiwilligen, die es noch bei den Helferkreisen gibt, sind entmutigt und denken ans Aufhören.

Landkreis – Nanette Nadolski wirkt kraftlos und enttäuscht, wenn sie über ihre ehrenamtliche Arbeit als Asylhelferin berichtet. „Das zehrt an einem.“ Besonders bei herben Rückschlägen wie den unerwarteten Abschiebungen von gut integrierten Menschen. Zuletzt bei der Familie Esiovwa aus Karlsfeld (wir berichteten mehrfach). „Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs.“

Asylhelfer im Landkreis Dachau: Kraftlos und enttäuscht

Das eigentliche Problem schlummert unter der Oberfläche und betrifft grundlegend die Arbeit der Helferkreise. Denn: Es gibt zu wenige Menschen, die anpacken wollen. Viele Freiwilligen haben seit der Gründung der Helferkreise während der Flüchtlingsbewegung 2015 aufgehört. Geblieben ist ein kleiner harter Kern. „Es ist frustrierend“, klagt Nadolski.

Von 50 Helfern sind nur 7 geblieben

Seit sechseinhalb Jahren engagiert sich die 53-Jährige für geflüchtete Menschen. Ihre Schützlinge kommen zum Großteil aus afrikanischen und asiatischen Ländern. Rund 50 Leute hat der Helferkreis in Weichs damals gezählt. „Anfangs haben sich wahnsinnig viele bemüht“. Doch von ihnen sind nur noch sieben Menschen übrig, überwiegend Rentner.

Man rödelt sich ab und stellt am Schluss fest, dass das alles zu nichts geführt hat.

Max Eckardt, Helferkreis Karlsfeld

Beim Helferkreis in Karlsfeld sieht es nicht besser aus. Von den mehr als 200 Freiwilligen, die 2015 tätig waren, sind noch rund 40 aktiv. Für Gründer Max Eckardt liegt das an der Asylarbeit an sich, welche in vielen Fällen nicht von Erfolg gekrönt ist. „Man rödelt sich ab und stellt am Schluss fest, dass das alles zu nichts geführt hat.“

Asylhilfe: Zusammenarbeit mit dem Landratsamt sei schlecht

Wie Eckardt und Nadolski beide zu verstehen geben, liege das weniger am Engagement der Helfer, sondern in erster Linie an der Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Dachau: Aufwendige Bürokratie, komplizierte Behördengänge und ein Landratsamt, das – so der Vorwurf von Nadolski – nicht ergebnisoffen, sondern willkürlich handele.

Man hangelt sich von Frist zu Frist

Was Eckardt am meisten stört, ist die Unwissenheit, in der sich Helfer und Asylsuchende befänden. Und das seit Jahren. „Man ist immer in der Schwebe und hangelt sich von Frist zu Frist.“ Das sei belastend und hinterlasse bei einigen ein dumpfes Gefühl, sagt der 70-Jährige. „Es ist einfach zermürbend.“

Für die ehrenamtlichen Asylhelfer aus dem Landkreis Dachau steht fest: Es muss sich etwas ändern. „Das Ehrenamt muss neu belebt werden“, forderte Dr. Joachim Jacob bei einem Vortrag der Seebrücke zum Thema Asylrecht Ende Juli (wir berichteten).

Der 71-Jährige hat den Helferkreis Petershausen aufgebaut. Heute koordiniert er die Sprecher der insgesamt 15 Helferkreise im Landkreis Dachau, ist Mitglied im bayerischen Integrationsrat und Vorsitzender des Verbandes der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer in Bayern. „Es gibt ein großes Defizit von Menschen, die sich engagieren. Vor allem von Jüngeren“, stellt er fest.

Corona führt zum Rückgang der Helferzahlen

Zum Problem wurde das auch während Corona, weil sich die älteren Menschen nicht mehr trauten, in die Unterkünfte zu gehen, berichtet Jacob. Überhaupt habe sich „unsere Arbeit hat sich in den vergangenen Jahren stark verschoben“, wie er sagt. Der Fokus liege nun auf der Einzelbetreuung. Und das habe Folgen: „Wir bekommen die Probleme in den Unterkünften gar nicht mehr mit.“ Daher sei es wichtig, betont Jacob, dass sich wieder mehr und vor allem auch junge Leute engagieren.

„Es ist so bereichernd und schön, Menschen zu helfen“

„Es ist so bereichernd und schön, Menschen zu helfen“, sagt Nadolski. Immer wenn sie kurz davor ist, alles hinzuwerfen, erinnere sie sich an daran, „wie unheimlich wichtig“ ihre Arbeit und der gegenseitige Austausch sei.

Auch Max Eckardt erwischt sich manchmal beim Gedanken, das Handtuch zu werfen. Doch da ist noch ein weiterer Gedanke, sagt er. Einer, der ihn trotz aller Schwierigkeiten antreibt. „Den Menschen, denen man durch einen Austritt am meisten schadet, sind die Menschen, die am wenigsten etwas dafür können – und, die unsere Hilfe am meisten brauchen.“

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Dachau-Newsletter.

Wer sich engagieren will,

kann sich bei den einzelnen Helferkreisen melden. Eine Übersicht über die Kontaktdaten gibt es im Internet unter http://www.asyl-landkreis-dachau.de/helferkreise.html

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