40 Jahre Gartenglück: Lothar Fuchs und rund 20 andere Hobbygärtner bewirtschafteten jahrelang ungestört ihre Parzellen im Süden Dachaus. Die Stadt macht der Anlage nun ein Ende – und beruft sich dabei auf das Baurecht. Foto: hab

Stadt geht gegen Kleingärtner vor

Aus der (Garten-)Traum

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Im Bereich zwischen Gröbenrieder Straße und B 471 im Süden Dachaus hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ein kleines Idyll für Garten- und Pferdefreunde entwickelt. Doch damit ist in spätestens fünf Jahren Schluss. Denn: Gegen die Paragrafen des Baurechts haben Menschen das Nachsehen.

Dachau – In diesem Jahr könnte Lothar Fuchs sein 40-Jähriges feiern. 40 Jahre, in denen er auf seiner kleinen Gartenparzelle Blaubeeren, Äpfel und Zwetschgen angebaut, seinen Sohn aufwachsen gesehen hat und nun mit seiner Enkelin spielt; 40 Jahre, in denen er mit den anderen Kleingärtnern geratscht, den Lauf der Natur erlebt und im vergangenen Jahr sogar erstmals 15 Reben Riesling geerntet hat. Sein 500 Quadratmeter großer Garten, sagt Fuchs, ist Teil seines Lebens.

Fuchs erinnert sich noch gut, wie er und die anderen Gärtner „die Wildnis“ im Süden der Großen Kreisstadt „urbar gemacht“ hätten. „Wir haben eine Freizeitoase geschaffen“, sagt er stolz. Tatsächlich war der Bereich an der Grenze zu Günding, nachdem 1970 die B 471 sowie die Gröbenrieder Straße in Richtung Innenstadt neu gebaut worden waren, Brachland. Landwirtschaft war auf den durch die Straßen zerschnittenen Flächen nicht mehr praktikabel. Erst als die Gärtner sich dort anzusiedeln begannen, kam wieder Leben in den Landstrich. Nachdem dann, vor 15 Jahren, auch noch Nikolaus Gamperl am Schäferweg seine Islandpferde-Ranch eröffnete und ganzen Kohorten kleiner Dachauer das Reiten beibrachte, schien das Idyll perfekt – und von allen Dachauern als solches auch akzeptiert.

Das Problem: Offiziell wollte zumindest im Rathaus niemand bemerkt haben, dass sich auf den ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen neues Leben entwickelte. Erst durch Zufall, so heißt es aus dem Bauamt, habe die Stadt vor knapp einem Jahr festgestellt, dass es in Dachaus Süden Kleingärten und eine Pferderanch gibt – inklusive sogenannter baurechtswidriger Zustände.

Die Ställe der Pferde-Ranch und die Gartenhäuschen der Gärtner sind dort nämlich nicht erlaubt. Baurechtlich gesehen handelt es sich laut Paragraf 35 des Baugesetzbuches bei diesem Teil der Großen Kreisstadt um den Außenbereich, in dem Bebauung grundsätzlich nicht zugelassen ist. Lediglich land- oder forstwirtschaftliche Anlagen genießen eine sogenannte Privilegierung und dürften demnach errichtet werden. Schuppen, Gartenhäuschen und Pferdeställe haben dagegen keine Chance. Oder, wie Bauamtsleiter Moritz Reinhold es formuliert: „Alles, was begehbar ist, geht nicht.“

Das Bauamt, betont Reinhold, habe sich aber insofern kulant gezeigt, als es den betroffenen Kleingärtnern und Anliegern einen sogenannten öffentlich-rechtlichen Vertrag angeboten hat: Demnach verpflichten die sich, ihre Häuschen innerhalb von fünf Jahren zurückzubauen und dagegen nicht zu klagen. Die Stadt im Gegenzug verzichtet darauf, weitere rechtliche Schritte gegen die Schwarzbauten einzuleiten.

Für die Hobbygärtner sowie Pferdehof-Besitzer Gamperl bedeutet dies das Aus. Denn, so Fuchs: „Wo soll ich denn meinen Rasenmäher und meine Geräte hinstellen, wenn ich kein Gartenhäuschen mehr habe?“ Auch Gamperl, der den Vertrag mit der Stadt bereits unterzeichnet hat, sagt: „Meine Anlage wird in fünf Jahren geschlossen. Fertig aus.“

Oberbürgermeister Florian Hartmann verteidigt das Vorgehen des Bauamts: Die entscheidende Frage laute schlicht: „Ist etwas rechtlich zulässig oder nicht?“ Die Stadt sei gezwungen zu handeln, andernfalls drohe eine Dienstaufsichtsbeschwerde. Klar ließe sich die rechtliche Situation klären, indem die Stadt in dem Bereich einen Bebauungsplan aufstelle, gibt Hartmann zu; schränkt aber ein, dass diesem eine Änderung des Flächennutzungsplans vorausgehe, der wiederum die Regierung von Oberbayern zustimmen müsse.

Dass ihre Situation rechtlich aussichtlos ist, wissen auch die Pächter. Den Weg vor das Verwaltungsgericht wollen sie daher nicht gehen. Dass der Bereich nach dem Wegzug der Ranch und der Gartler wieder verwildern könnte, sieht der OB aber gelassen: „Dann wird’s halt ein Biotop, ein Rückzugsort für Tiere und Insekten.“ Für Menschen wie Lothar Fuchs ist in diesem Biotop dann nur leider kein Platz mehr.

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