Viel zu klein: Der Bus-Bereich am Dachauer Bahnhof entspricht längst nicht mehr den Anforderungen.
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Viel zu klein: Der Bus-Bereich am Dachauer Bahnhof entspricht längst nicht mehr den Anforderungen. 

Großprojekt

In fünf Jahren hat Dachau einen ZOB

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Jetzt hat es die Stadt schriftlich: Die Bahn will den Bahnhofsvorplatz nach den Wünschen der Dachauer umgestalten. Kernstück des Großprojekts: ein zentraler Omnibusbahnhof (ZOB).

Dachau – Verhandlungen mit der Bahn sind traditionell schwierig, das betonen Lokalpolitiker aller Couleur immer wieder. Oberbürgermeister Florian Hartmann berichtet gern, dass man „den Telefonhörer noch nicht aufgelegt hat, da hat man schon wieder einen neuen Ansprechpartner“. Beim Thema Bahnhofsneugestaltung aber „haben wir immer den Kontakt halten können“, wie Bauamtsleiter Moritz Reinhold – nicht ohne Stolz – erklärt. Und am Ende habe die Stadt sogar „noch mal richtig auf die Tube gedrückt, damit wir nicht noch mehr Zeit verlieren“.

Herausgekommen in diesem Schnellverfahren ist nun folgende, wichtige Einigung: Die Bahn verzichtet endgültig darauf, ihre Grundstücke am Dachauer Bahnhof mit großflächigem Einzelhandel zu versilbern. Stattdessen bekommt die Stadt das, was sie will: einen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) mit mindestens 26 Stellplätzen, ein neugestaltetes Empfangsgebäude sowie – davor – Platz für Taxis, Kiss & Ride und überdachte Fahrradabstellanlagen, ein öffentliches WC, eine zweite Fußgänger- und Radfahrerunterführung unter dem Bahndamm sowie eine zentral gelegene Tourist-Info.

Im Gegenzug darf die Bahn Mitarbeiterwohnungen bauen und ihre Einzelhandels-Träume – jedoch explizit nicht in Form eines großen Einkaufszentrums – in der Frühlingstraße verwirklichen: Neben einer „optimierten, städtebaulich angemessenen Nutzung des Postgeländes“ stehen auf der Wunschliste der Bahn nun kleinere Läden sowie ein Boardinghaus oder ein Hotel.

Wie dies alles am Ende aussehen könnte, soll nun ein europaweiter Ideenwettbewerb klären, an dessen Kosten von 165 000 Euro sich die Bahn mit 50 000 Euro beteiligen will, und dessen Ziel es ist, „die Kreativität und die Fachkenntnis der teilnehmenden Büros zu nutzen und den besten städtebaulichen Entwurf zu erhalten“. Bauamtsleiter Reinhold gibt zwar zu, dass die Anforderungen an die Büros vielfältig sind, „aber wir werden jetzt einfach mal schauen, wer die beste Lösung herausarbeitet“.

Wenn die Büros bis Jahresende genügend Ideen liefern und ein Preisgericht sich für einen Gewinner entscheidet, will die Stadt diese Pläne Anfang nächsten Jahres den Bürgern vorstellen; die Dachauer Bürger waren es schließlich auch, die 2017 im Rahmen einer Bürgerbeteiligung ihre Wünsche für die Gestaltung des Bahnhofsumfelds geäußert hatten. Anschließend soll der Stadtrat eine entsprechende Bauleitplanung auf den Weg bringen und die Stadt eine Grundlagenvereinbarung mit der Bahn unterschreiben. Insgesamt rechnet Reinhold mit einer Dauer des Verfahrens von circa vier Jahren. Sprich: Die ersten Busse werden „nicht vor 2024“ in den neuen Dachauer ZOB einrollen.

Was die Kosten für das Großprojekt betrifft, ist der Bauamtsleiter entspannt. Klar, Corona dürfte viele städtebauliche Wünsche der Stadträte erst einmal unbezahlbar machen, das Thema Bahnhof aber sei von zu großer Wichtigkeit, als dass man es hintanstellen könnte. Zudem dürfte die Stadt ohnehin nur den kleineren Teil der Kosten für das Großprojekt stemmen müssen: Während die Bahn laut Reinhold „zu 100 Prozent“ für den Neu- oder Umbau des Empfangsgebäudes und die Baumaßnahmen an der Frühlingstraße aufkommen wird, zahlt die Stadt die Tourist-Info. Wie man die Kostenaufteilung für den Busbahnhof regelt, beispielsweise über Dienstbarkeiten, sei dagegen noch nicht final entschieden.

Und auch was den Verkehr betrifft, müssen noch Lösungen her. Im Januar hieß es, dass sich Stadt und Bahn darauf verständigt hätten, den Bereich um den Bahnhof verkehrsberuhigt zu gestalten und dass der Autoverkehr gezielt aus der Frühlingstraße „vergrämt“ werden sollte. CSU-Stadtrat Peter Strauch merkte daraufhin kritisch an, dass er sich nicht vorstellen könne, „dass die Leute das wollen“. Die Frühlingstraße sei „eine der wichtigsten Verkehrsadern“ der Stadt! Angesichts dessen betont Bauamtsleiter Reinhold schon im Vorfeld, „dass sich am Ideenwettbewerb selbstverständlich auch Verkehrsplaner beteiligen“ werden.

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