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Der Dachauer Bahnhof mit seinem kleinen Bus-Bereich genügt nicht mehr den Ansprüchen an einen zeitgemäßen Verkehrsknotenpunkt. Darum soll die Fläche nun umgestaltet, der Bus-Bereich vergrößert und der Autoverkehr „vergrämt“ werden. 

Bahn gibt im Bahnhofsstreit nach

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Gute Nachrichten im Bauausschuss: Die Stadt hat sich mit der Bahn auf gemeinsame Ziele bezüglich der Umgestaltung der Bahnhofswestseite geeinigt. 

Dachau – Die Bahn solle endlich wieder ihrer Kernaufgabe nachkommen und Menschen von A nach B transportieren, hatte Oberbürgermeister Florian Hartmann zuletzt immer wieder geschimpft. Der Wunsch des Konzerns, seine Grundstücke am Dachauer Bahnhof durch die Ansiedlung von großflächigem Einzelhandel zu versilbern, hatte daher im Rathaus für schroffe Ablehnung gesorgt. Eine Einigung zu erzielen hatte sich laut Hartmanns Ausführungen ebenfalls lange als schwierig erwiesen: „Man hat den Telefonhörer noch nicht aufgelegt, da hat sich schon wieder der Ansprechpartner geändert!“

Jetzt aber ist es geschehen: Die Stadt und die Bahn – vertreten durch die Tochterfirmen DB Netz sowie DB Station und Service – haben sich auf gemeinsame Ziele für die dringend notwendige Umgestaltung der Bahnhofswestseite geeinigt. Die Stadträte im Bauausschuss, die die gute Nachricht als erste erhalten hatten, waren nach der monatelangen Diskussion entsprechend erleichtert. „Endlich sind wir einen Schritt weiter“, fasst Sören Schneider (SPD) die Gefühlslage zusammen.

Denn die Einigung bedeutet auch: Nun wird ein Rahmenvertrag für einen städtebaulichen Ideenwettbewerb abgeschlossen, den Stadt und Bahn gemeinsam ausschreiben. Die Bahn beteiligt sich mit 50 000 Euro an den Kosten von insgesamt 165 000 Euro. Der Wettbewerb soll nun Ideen liefern für den Bau eines Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) mit mindestens 26 Stellplätzen, die Neugestaltung des Empfangsgebäudes, eine zweite Fußgänger- und Radfahrerunterführung unter dem Bahndamm, die Planung eines öffentlichen WC sowie einer Touristinfo und – so formuliert es die Stadt – „die Steigerung der Attraktivität und Aufenthaltsqualität des Bahnhofsvorplatzes und der Frühlingstraße“. Zudem soll in diesem Rahmen auch endlich eine „optimierte, städtebaulich angemessene Nutzung des Postgeländes“ erreicht werden.

Die Frühlingstraße soll dabei nun vor allem durch einen Neubau mit einer Bruttogeschossfläche von 9000 bis 12 000 Quadratmeter „attraktiver“ gemacht werden. Darin Platz finden sollen nun vor allem kleine Läden; ein Einkaufszentrum – wie zunächst von der Bahn gewünscht – ist damit vom Tisch. „Besondere Wohnformen“ soll es ebenfalls geben: etwa ein sogenanntes Boardinghaus, Mitarbeiterwohnungen oder ein Hotel.

Die Neugestaltung beziehungsweise Neubauten am Bahnhofsvorplatz und Frühlingstraße sowie der ZOB, aus dem Busse aus dem ganzen Landkreis anlanden werden, dürfte zu noch mehr Verkehr führen. Stadt und Bahn verständigten sich daher darauf, den Bereich verkehrsberuhigt „im Sinne eines rücksichtsvollen Miteinanders aller Verkehrsteilnehmer zu gestalten“. Peter Strauch (CSU) aber war kritisch: Wo sollten denn die Kunden der neuen Geschäfte parken? Zudem glaube er nicht, „dass die Leute da eine verkehrsberuhigte Zone wollen“. Die Bahnhof- und die Frühlingstraße seien „Hauptverkehrsadern der Stadt“.

Bauamtsleiter Moritz Reinhold aber verteidigte das Konzept: Am Bahnhof solle es künftig nur noch Quell- und Zielverkehr geben, keinen Durchgangsverkehr mehr. Der Schwerpunkt am und um den Bahnhof liege eindeutig auf dem öffentlichen Nahverkehr sowie Radfahrern und Fußgängern. Ziel sei: „Die Leute sollen nicht mit dem Auto zum Bahnhof.“ Autoverkehr wolle man daher bewusst „vergrämen“. Die Fahrer sollten wissen: Mit dem Auto sei man schneller, wenn man nicht durch die Frühlingstraße fährt.

Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD) warb für die mit der Bahn getroffene Einigung: Diese sei wichtig, damit ein Ideenwettbewerb nun „gute Ideen“ bringe. Denn klar sei: „Wir brauchen intelligente Lösungen. Sonst klappt’s nicht.“

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