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Ist eine Apotheke geöffnet, muss ein Apotheker vor Ort sein - in Dachau führte das nun zu einer Verhandlung vor dem Amtsgericht. (Symbolbild)

Bei Kontrolle abwesend

Apotheker soll Bußgeld zahlen - weil seine Apotheke geöffnet, aber er nicht anwesend war

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Wie streng Apotheken in Bayern kontrolliert werden, hat jetzt eine Verhandlung am Amtsgericht gezeigt. Weil er seinen Betrieb geöffnet hatte, ohne selbst anwesend zu sein, sollte ein Dachauer Apotheker nun ein happiges Bußgeld zahlen.

Dachau –Eigentlich war er ja immer da, der Chef. Eigentlich war er immer der Erste, der in der Früh die Apotheke aufsperrte. Und eigentlich wussten alle Mitarbeiter darüber Bescheid, dass eine Apotheke ohne anwesenden Apotheker nicht öffnen darf. Eigentlich.

Aber tatsächlich war es an jenem 27. Juli 2017 anders. Der Besitzer einer Dachauer Apotheke brachte an jenem Morgen eben ausnahmsweise einmal nicht seine Kinder in die Schule und war daher auch um 8 Uhr noch nicht in seinem Laden. Und die für den Morgendienst eingeteilte, angestellte Apothekerin meldete sich pünktlich um 8 Uhr krank – so dass, entgegen der gesetzlichen Vorschrift, die Pharmazeutisch-Technische (PTA) sowie die Pharmazeutisch-Kaufmännische Angestellte (PKA) das Geschäft alleine öffneten.

Wann darf Apotheke öffnen?

Dazu muss man wissen: Laut Apothekenbetriebsordnung dürfen PTAs nur unter Aufsicht eines Apothekers arbeiten. Und: Kann der verantwortliche Apothekenleiter seinen Verpflichtungen, die sich aus dem Apothekengesetz ergeben, nicht persönlich nachkommen, muss er sich durch einen Apotheker vertreten lassen.

„Natürlich wäre es besser gewesen, die Apotheke nicht zu öffnen“, gab der Apotheker vor Amtsrichter Daniel Dorner reumütig zu. Allerdings sei er ja von seinen Mitarbeiterinnen sofort telefonisch über das Fernbleiben der kranken Apothekerin informiert worden und habe sich sofort auf den Weg in seinen Laden gemacht. „Um 8.09 Uhr war ich da!“

Das Pech des Apothekers: Just an diesem Tag machte sich die für den Landkreis Dachau zuständige Pharmazierätin gemeinsam mit einer Mitarbeiterin des Landratsamtes auf den Weg in die Apotheke des 53-Jährigen. „Es sollte ein Ortstermin werden“, erinnerte sich die Pharmazierätin, die hauptberuflich in München eine Apotheke betreibt und ehrenamtlich im Auftrag des Bayerischen Apothekerverbands als sogenannte Sachverständige des Gesundheitsdienst- und Verbraucherschutzgesetzes (GDVG) tätig ist.

Kontrolle vor Ort in Dachau: „Welcher Apotheker ist gerade im Dienst?“

Um 8 Uhr habe sie sich mit der Mitarbeiterin des Landratsamtes vor der Apotheke getroffen, eine Minute später hätten die beiden Frauen den Laden betreten. Zunächst habe sie eine PKA angetroffen, die ihr erklärt habe, die PTA sei gerade im Keller. Auf die Frage „Welcher Apotheker ist gerade im Dienst“ habe die PKA geantwortet: „Keiner.“ Bemerkenswert fand die Pharmazierätin dabei „die relative Gelassenheit“ der Angestellten: „Ich glaube, denen war nicht ganz klar, was es bedeutete, dass da grade eine Pharmazierätin anwesend war.“

Diese Unklarheit jedoch beendete die Münchnerin schnell. Sie ließ den Laden schließen – so lange, bis der Apothekenbesitzer eintreffen sollte. Ihrer Erinnerung nach war dies gegen 8.15 bis 8.20 Uhr. Zurück in München meldete sie den Fall der Landesapothekerkammer und verhängte zudem ein Bußgeld in Höhe von mehreren hundert Euro gegen den Apotheker.

Dagegen nun erhob der Dachauer Einspruch, weshalb sich alle Beteiligten vor dem Amtsgericht treffen mussten. Die Argumentation des Apothekers: Er habe während seiner Abwesenheit die Leitungsfunktion über seinen Betrieb nicht abgegeben, sei über Handy immer erreichbar gewesen. Zudem seien in der Zeit keine Kunden bedient worden.

Einspruch gegen Bußgeld: Verhandlung vor dem Amtsgericht Dachau

Klar, gab er zu, er habe an dem Tag einen Fehler gemacht, „diese Kritik nehme ich an“. Aber er habe nun ein Qualitätsmanagement eingeführt, das verhindern solle, dass sich Derartiges nicht wiederholen könne: Kranke Mitarbeiterinnen müssten nun schon vor Ladenöffnung ihre Abwesenheit melden. Und sollte tatsächlich einmal kein Apotheker im Dienst sein, gebe es nun ein Schild: „Apotheke vorübergehend geschlossen“.

Richter Dorner nahm dem 53-Jährigen dessen Bedauern ab. Angesichts der kurzen Zeitspanne, die er nicht im Laden war, sei „sein Verschulden als gering zu bewerten“. Geplant oder vorhersehbar sei dieser „Umstand“ ohnehin nicht gewesen, auch das Patientenwohl sei nicht gefährdet worden. Aus diesen Gründen stellte Dorner das Bußgeldverfahren ein. Berufsrechtlich, durch das laufende Verfahren der Landesapothekerkammer, sei der Dachauer Apotheker ohnehin „gestraft genug“.

Die Marien-Apotheke in Odelzhausen musste Anfang Juli schließen – und das nach 127 Jahren. Der Betreiber sah keine andere Möglichkeit mehr.

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