+
Im Tierheim Dachau: der beschlagnahmte Hund mit Tierpflegerin Nicole Geissler.

Opfer leidet unter Folgen

Rottweiler beißt 17-Jährige: Behörden beschlagnahmen zweiten Hund der Besitzer - Anwohner in Angst

Die Beiß-Attacke des Rottweilers auf ein Mädchen in Dachau hätte verhindert werden können, wenn die Stadt schneller reagiert hätte. So lautet der Vorwurf eines Sachverständigers.

Nach Rottweiler-Attacke: Zweiter Hund beschlagnahmt

Update, 9. November: 

Nach der Attacke eines Rottweilers auf eine 17-Jährige haben die Behörden nun einen zweiten Hund der Besitzerfamilie beschlagnahmt. Es soll sich auch um einen Kampfhund handeln. Auf die Beschlagnahmung hin ist die Situation in der Wohngegend der Familie völlig eskaliert - auch Mitarbeiter des Tierheims, in dem der Rottweiler untergebracht ist, leben seitdem in Angst.

Rottweiler hat mehr Angriffe auf Menschen verübt als bisher angenommen

Update vom 7. November, 16.25 Uhr: Der mittlerweile von der Stadt beschlagnahmte Rottweiler hat mehr Angriffe auf Menschen auf dem Kerbholz als bisher angenommen. Während der Oberbürgermeister verspricht, in Zukunft schneller durchzugreifen, zeigt der Fall aber auch, wie langsam seine Verwaltung in diesem speziellen Fall gearbeitet hat.

Im Tierheim Dachau: der beschlagnahmte Hund mit Tierpflegerin Nicole Geissler.

Zugegeben: Die Sache war verzwickt. Der Rottweiler, der nach einer massiven Beißattacke auf eine 17-Jährige mittlerweile beschlagnahmt und ins Dachauer Tierheim gebracht wurde, gehörte offiziell einem jungen Mann in Hebertshausen. Der inoffizielle Halter war jedoch dessen minderjähriger Bruder, der mit Mutter und Geschwistern in einer kleinen Wohnung in der Dachauer Kräutergarten-Siedlung wohnt. 

So kam es, dass der Rottweiler, wie jetzt erst bekannt wurde, bereits diesen Januar einen Menschen gebissen hatte, dieser Vorfall aber nicht bei der Stadt Dachau, sondern bei der Gemeinde Hebertshausen aktenkundig wurde. Die Gemeinde reagierte zwar und ordnete Maulkorb- und Leinenzwang sowie die Auflage an, dass der Hund nicht von Minderjährigen geführt werden durfte. Zudem sollte ein neuer Wesenstest des Tieres durchgeführt werden. 

Machen Sie mit und stimmen ab

Rottweiler beißt 17-jähriges Mädchen: Wesenstest ergab ein positives Ergebnis

Allein: Der Bescheid erreichte niemanden, denn der Halter des Hundes war verschwunden. Mit der Hundesteuer, wie man beim Ordnungsamt der Gemeinde Hebertshausen einräumt, sei der Halter ohnehin „in Verzug“ gewesen. Hinzu kommt: Der von der Gemeinde Hebertshausen beauftragte Wesenstest ergab ein positives Ergebnis. Die noch zu Jahresbeginn beschlossenen Auflagen für den Rottweiler wurden wieder zurückgenommen. 

Lesen Sie auch unseren Kommentar zur Beiß-Attacke des Rottweilers in Dachau: Stadt handelte fahrlässig

Die Folge: Als die Stadt den Vorgang nach einem Schreiben verängstigter Anwohner der Kräutergarten-Siedlung auf den Tisch bekam, lag für den Rottweiler ein wohlmeinendes Gutachten vor, das die augenscheinliche Aggressivität sowie die Untauglichkeit des Halters – aus welchen Grünen auch immer – ignorierte. 

Für Walter Kreipl, öffentlich bestellter und beeidigter Sachverständiger für das Fachgebiet Verhalten von Hunden im Hinblick auf Aggressivität gegenüber von Menschen und Tieren bei der Regierung von Oberbayern, ist dies jedoch dennoch keine Entschuldigung dafür, dass die Stadt Dachau erst vor drei Tagen reagierte und den Hund beschlagnahmte. Für Kreipl ist nämlich klar: „Die Attacke auf das Mädchen hätte verhindert werden können. Der Fall ist einfach zu lasch gehandhabt worden!“ 

Nach Beiß-Attacke von Rottweiler: Das sagt der Oberbürgermeister von Dachau

Gegenüber dem Stadtrat verteidigte Ordnungsamtsleiter Josef Hermann das Vorgehen seiner Beamten damit, dass Beschlagnahmen rechtlich „ein schwieriges Feld“ seien und seine Mitarbeiter auch „kein Fachpersonal, das Hundewegnahmen beurteilen kann“. Kreipl jedoch hält den Fall für rechtlich eindeutig: In dem Moment, wo der Stadt das Schreiben der Anwohner vorlag, wo klar war, dass der Hund unangemeldet in Dachau lebt und sein Halter minderjährig ist, hätte das Dachauer Ordnungsamt handeln dürfen und müssen: „Da war eindeutig Gefahr in Verzug. Bis zur weiteren Klärung hätte der Rottweiler sofort beschlagnahmt werden dürfen.“ 

Oberbürgermeister Florian Hartmann versprach dem Stadtrat daher: „Wir werden in Zukunft sehr viel schneller sein!“ Vor allem die Zusammenarbeit mit den Experten der Polizei werde nun beschleunigt. 

17-Jährige leidet nach Beiß-Attacke noch immer unter den Folgen

Der attackierten 17-Jährigen dürfte das jedoch nicht mehr helfen. Sie leidet immer noch an den Folgen des Rottweiler-Angriffs: Der Hund hatte eine Vene im Oberschenkel durchgebissen, die Wunde ist nach wie vor nicht geschlossen. 

Die Jugendliche kann außerdem immer noch nicht sitzen, weshalb sie seit der Attacke auch noch nicht wieder in der Schule war. Laut ihrem Arzt hatte sie dennoch „verdammtes Glück“: Um ein Haar hätte der Hund eine Arterie erwischt.

Erstmeldung: Nach Beiß-Attacke: Rottweiler beschlagnahmt - Besitzer flippten aus

Dachau - Es waren chaotische Szenen am Montagnachmittag vor dem Wohnhaus in der Kräutergarten-Siedlung. Es wurde geschrien, gedroht – und am Ende gehandelt. Unterstützt von einer Polizeistreife, den Experten der Hundestaffel sowie dem Dachauer Tierschutzverein beschlagnahmte die Stadt den Rottweiler, der am vorvergangenen Wochenende eine 17-Jährige schwer verletzt und gemeinsam mit seinem jugendlichen Besitzer seit Wochen eine ganze Nachbarschaft in Angst und Schrecken versetzt hatte (Merkur.de berichtete)

Der Rottweiler ist eine „Bedrohung für die öffentliche Sicherheit und Ordnung“

Der Hund wird die kommenden Wochen nun im Tierheim des Tierschutzvereins Dachau verbringen müssen, da er – wie es im Behörden-Deutsch heißt – eine „Bedrohung für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt“. Allerdings, das ist Silvia Gruber vom Tierschutzverein in diesem Zusammenhang wichtig zu betonen: „Der Hund kann am wenigsten dafür. Er braucht jetzt Ruhe, muss erst einmal in seiner neuen Umgebung ankommen.“ Nach der Beschlagnahmung des Hundes, bei dem sich seine Besitzer alles andere als kooperativ erwiesen hätten, stehe der Rottweiler laut Gruber „unter Schock. Der Hund ist völlig von der Rolle“. 

Lesen Sie auch: „Ich werde euch alle umbringen“: 19-Jähriger ruft Polizei um Hilfe - und geht dann auf sie los

Auf die Mitarbeiter des Tierheims kommt nun eine Menge Arbeit zu. Erstens, weil der Umgang mit aggressiven Tieren eine spezielle Erfahrung erfordert. Zwar seien Rottweiler „tolle Hunde“, betont Gruber, „aber sie gehören in erfahrene Hände“. Die bisherigen Besitzer allerdings hätten mit ihrer – laut eigener Aussage – „scharfen Erziehung“ viel Schaden angerichtet: „Damit“, so Gruber, „haben die ein Lebewesen kaputt gemacht“. 

Wüste Beschimpfungen durch die bisherigen Besitzer

Doch nicht nur der Umgang und die Pflege des neuen Tierheim-Bewohners erfordert besonderen Aufwand. Laut Gruber hätten die Besitzer des Hundes bereits gedroht, sich das Tier zurückzuholen. Fragen der Tierheim-Mitarbeiter, wie alt der Hund sei, wie er heiße und was er fresse, hätten die Besitzer erst gar nicht beantwortet – im Gegenteil: Es hagelte wüste Beschimpfungen. 

Gruber kündigte daher an, bis auf weiteres die Tierheim-Tore auch untertags geschlossen zu halten, nachts werde zudem patroulliert. Den Rottweiler selbst werde man nicht zeigen: „Wir müssen den Hund schützen“, so Gruber. 

Video: So schützen Sie sich vor freilaufenden Hunden

Schock-Video aus München: Hier wird Rottweiler Pascha durch die Polizei am Hauptbahnhof erschossen (Merkur.de)

Wird auch der zweite Hund der Familie entzogen? 

Wie es nun mit dem zweiten Hund der Familie weitergeht – laut Nachbarn einem Staffordshire-Terrier – ist offen. Bei der Beschlagnahmung des Rottweilers war der kleinere Hund nicht in der Wohnung. Josef Hermann, Leiter des zuständigen Ordnungsamts im Rathaus, betont jedoch, auch hier „aktiv“ zu werden. 

Lesen Sie auch: In Pliening im Landkreis Ebersberg hat sich eine Dogge von der Leine losgerissen und ein Schaf getötet.

Das heiße: Es werde geprüft, ob es sich bei dem Vierbeiner um einen Kampfhund handle, ob es einen Wesenstest sowie Auflagen zur Haltung gebe. „Wenn wir müssen“, so Hermann, „werden wir auch bei diesem Hund eingreifen“. 

Tochter der Familie gibt der Hundeschule die Schuld

Das allerdings wollen die Besitzer der Hunde auf keinen Fall zulassen. Während sie gegenüber dem Tierheim und der Stadt gestern eher aggressiv denn einsichtig auftraten, bemühten sie sich im Gespräch mit der Heimatzeitung um verbale Abrüstung. Der 17-Jährige etwa, der den Rottweiler in den vergangenen Monaten durch Dachau-Ost geführt und im Internet als „Waffe“, „Killer“, „Beast“ und „gefährlich“ bezeichnet hatte, löschte alle entsprechenden Posts. 

Und seine Schwester betonte gar, bei dem Angriff auf das 17-jährige Mädchen habe es sich lediglich um „eine kleine Sache“ gehandelt, die man untereinander längst geklärt habe. Dass ihr kleiner Bruder überhaupt Protz-Bilder mit dem Rottweilers im Internet gepostet habe, will sie nicht gewusst haben. Den Hund, betont die junge Frau, „kriegt der auf jeden Fall nie wieder“! Daran, dass der minderjährige Bruder mit dem Rottweiler spazieren gegangen sei, sei ohnehin „die Hundeschule“ schuld: „Die haben das angeordnet. Der Rottweiler sollte mit jedem Familienmitglied Kontakt haben.“ 

Auch dass es in der Familie einen weiteren Kampfhund geben soll, bestreitet die junge Frau: Es handle sich keineswegs um einen Staffordshire-Terrier, sondern um „eine ganz neue Rasse aus Amerika“.

Gastbeitrag einer Hundetrainerin: 

An die ignoranten Münchner, die ihre Hunde frei laufen lassen (Merkur.de)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Polizei stoppt29-Jährigen nachVerfolgungsjagd
Ein 29-jähriger Autofahrer aus Karlsfeld ist am Montag gegen 23 Uhr geblitzt worden. Anschließend flüchtete er vor der Polizeikontrolle und lieferte sich eine …
Polizei stoppt29-Jährigen nachVerfolgungsjagd
BMW am Schlossplatz in Flammen
Ein BMW hat am Montagabend auf dem Schlossplatz Feuer gefangen und ist komplett ausgebrannt.
BMW am Schlossplatz in Flammen
BMW-Fahrer übersieht Toyota beim Linksabbiegen
Ein BMW-Fahrer hat am Montagabend die Vorfahrt eines Toyota-Fahrers missachtet.
BMW-Fahrer übersieht Toyota beim Linksabbiegen
Die Karlsfelderin Barbara Obermeier spielt im Medicus-Musical die Hauptrolle
Schon als Schülerin wusste Barbara Obermeier : Ich will Musical-Darstellerin werden. Der Traum ging in Erfüllung. Jetzt spielt die 36-Jährige im Deutschen Theater in …
Die Karlsfelderin Barbara Obermeier spielt im Medicus-Musical die Hauptrolle

Kommentare