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Ein Busfahrer soll einen Jungen zur Rede gestellt und ihn dabei geschüttelt haben. (Symbolbild)

In Schulbus die Nerven verloren?

Busfahrer packt sich Jungen (10) - das hat ein heftiges Nachspiel

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In Schulbussen geht es oft drunter und drüber, die Kinder sind laut und aufgedreht. Einem Busfahrer ist das zu bunt geworden. Nun hatte das Ganze ein Nachspiel.

Dachau – Dass er wegen einer Schulbusfahrt einmal vor Gericht stehen würde, damit hatte der Aichacher Busfahrer sicher nicht gerechnet. Bis zum Ende der Verhandlung wollte oder konnte er sich nicht mehr an den Vorfall erinnern, wofür er sich vor Richter Christian Calame verantworten musste. „Wie kann sich die Familie nicht schämen, mich hierher zu bringen, wegen nix“, polterte er gar gegen die Familie, die ihn angezeigt hatte.

Wegen nix? Das sah die Staatsanwaltschaft anders. Sie warf dem Busfahrer vor, dass er einen Schüler, 10, gepackt, geschüttelt und geschimpft hatte. Zuvor war der Bub im Bus zu laut gewesen. Diese Version der Geschichte bestätigten nicht nur der Schüler selbst, sondern auch zwei Mädchen, die ebenfalls im Schulbus saßen.

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Vorfall in Schulbus: Die Eltern erfuhren erst über Umwege davon

Sie berichteten übereinstimmend, wie der Busfahrer auf der Landstraße rechts ran fuhr und den Bus anhielt, um dann über die Sprechanlage des Busses den Jungen zu sich zu rufen. „Da hat er mich am Arm gepackt und kurz geschüttelt und immer wieder gefragt, warum ich das mache“, erzählte der Schüler. Eine Antwort konnte er nicht geben. Stattdessen ging er nach der Standpauke wieder zurück auf seinen Platz. Verletzt wurde er bei der Aktion nicht, es hätte nur kurz „weh getan, als er mich gepackt hat“, sagte der Junge.

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Seinen Eltern berichtete er nicht von dem Vorfall. Die erfuhren erst über Umwege davon, weil die beiden Mädchen, die als Zeuginnen aussagten, ihren Eltern davon berichteten, die wiederum an die Eltern des Jungen herantraten. Als Grund dafür führte der Vater die ADHS-Erkrankung seines Sohnes an: „Er hat nicht gewusst, ob er einen Fehler gemacht hatte.“

Busfahrer schüttelt Jungen - Vater: „Meinen Jungen fasst niemand an!“

Der Angeklagte widersprach vehement dieser Aussage, berichtete von unzähligen Zeugen, die dies beweisen könnten. „Die haben wir schon alle angehört“, sagte der Richter: „Die waren nicht einmal in dem Bus und erzählten von einem Schriftstück, das sie unterschreiben sollten, dass der Vorfall nicht stattgefunden hat.“

Eine außergerichtliche Einigung ist ebenfalls gescheitert. Ein Gespräch der Familie mit dem Busunternehmen sei zwar positiv verlaufen, eine Entschuldigung von Seiten des Busfahrers habe es jedoch nicht gegeben, so der Vater, der betonte: „Meinen Jungen fasst niemand an!“

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Das sah auch Richter Christian Calame so, der klarstellte: „Sie dürfen schimpfen, aber es wird kein Kind angefasst.“ Doch auch wenn der der Richter keinerlei Zweifel an den geschilderten Vorgängen hatte – der Angeklagte hatte angedeutet, die Mädchen hätten sich die Geschichte nur ausgedacht – kam es zu keiner Verurteilung. Gegen eine Geldauflage von 1000 Euro an das Franziskuswerk Schönbrunn wurde das Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt. Eine Entschuldigung des Busfahrers blieb bis zum Ende aus.

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