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Kassenärzte verändern Bereitschaftsdienst

Debatte im Kreistag

Eine Lösung für den Ärztemangel

Im Dachauer Hinterland herrscht ein Mangel an Hausärzten. Der Sulzemooser Bürgermeister Gerhard Hainzinger berichtet vom Ärger mit der Kassenärztlichen Vereinigung und dem Desinteresse der Mediziner. Er hat aber auch eine Lösung.

Landkreis – Bernhard Seidenath (CSU) nutzte die Plattform Kreistag, um ein großes Problem im Dachauer Hinterland anzusprechen: die mangelnde Anzahl an Hausärzten. Es drohe eine schlechte Versorgung, vor allem dann, wenn „Krankheit auf Armut trifft oder bei Krankheit im Alter“, so der Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Pflege im Landtag.

Gerhard Hainzinger nahm den vom Kollegen Seidenath zugespielten Ball auf und schilderte dem Plenum die großen Probleme in seiner Heimatgemeinde Sulzemoos bei der Suche nach einem Hausarzt. In diesem Zusammenhang fühlt sich der Bürgermeister von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) im Stich gelassen. Aufgabe der KVB ist die Sicherstellung der flächendeckenden ambulanten ärztlichen, psychotherapeutischen und zahnärztlichen Versorgung.

Die KVB sei ein „starres Gebilde“, so Hainzinger, „das in keinster Weise den Bedarf ermittelt“. Stattdessen richte sich der Blick nur auf den Landkreis Dachau insgesamt. Und der sei „überversorgt“, wie der Bürgermeister erfahren hat. Als er das Gespräch mit Vertretern der KVB gesucht habe, so Hainzinger weiter, habe man ihm auf arrogante Weise zu verstehen gegeben: Wir sind ihnen keine Rechenschaft schuldig.

Die KVD wehrt sich gegen diese Vorwürfe. Deren Fachreferenten für Politik stünden in regelmäßigem Kontakt mit Bürgermeistern, sagt Pressesprecherin Birgit Grain. So habe es beispielsweise mehrfach einen intensiven Austausch mit politischen Vertretern des Landkreises Dachau gegeben. „Des Weiteren sind wir auch einer der Ansprechpartner in den GesundheitsregionenPlus – so wie auch Dachau eine ist“, so Grain.

Was Hainzinger ebenfalls große Sorge bereitet: Kein junger Mediziner würde mehr auf dem Land arbeiten wollen – und schon gar nicht dort wohnen. Und noch eins hat er festgestellt: „Unwahrscheinlich viele Frauen ergreifen heute den Arztberuf. Aber sie wollen sich nicht selbstständig machen. Sie lassen sich lieber anstellen oder suchen lediglich Halbtagsjobs.“

Sollte es dennoch Mediziner geben, die sich als Landarzt niederlassen wollen, gibt die KVD nach eigenen Angaben Hilfestellung, etwa indem man über freie Stellen informiere. „So versucht die KVB beispielsweise, Interessenten und Praxisabgeber bei sogenannten Gründer-Abgeber-Foren zusammenzubringen“, sagt Sprecherin Grain. Zudem verfüge die KVB über „Präsenzberater“, die „sehr gut mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut sind und Interessenten als erster Ansprechpartner zur Verfügung stehen“, so Grain.

Nichtsdestotrotz spricht Bürgermeister Hainzinger von den beiden „Hemmschuhen“ KVB und unwillige Ärzte, die dazu geführt hätten, dass es heute ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) in Sulzemoos gibt. Dabei hat die Kommune das Gebäude zur Verfügung gestellt, der Betreiber, das MVZ Dachau, hat es anschließend angemietet. Derzeit praktizieren dort drei Doktoren – „und es rechnet sich, wir zahlen nicht drauf“. So ein MVZ könne er anderen Gemeinden wärmstens empfehlen, so das Fazit des Bürgermeisters.

Womöglich zieht auch die Gemeinde Petershausen diese Konsequenz aus der medizinischen Misere. Seit nunmehr zwei Jahren sucht die Kommune einen Hausarzt. Wie von Bürgermeister Fath zu erfahren war, entstand im Hinterland die Idee, „ob wir uns gebietsgruppenweise zusammentun, um ein flächendeckendes MVZ mit Filialpraxis einzurichten“. Dazu hat es bereits ein Treffen mehrerer Bürgermeister aus dem nördlichen Landkreis gegeben. Fath möchte einem Ergebnis jedoch nicht vorgreifen.

Auch Petershausens Gemeindeoberhaupt hat sich bereits mit dem KVB sowie den Gesundheitsministerien in Berlin und München auseinandergesetzt – ohne Ergebnis. Er stellt sich zwei Fragen: „Für was soll unsere Gemeinde noch zuständig sein? Etwa auch noch für die medizinische Versorgung?“

Thomas Zimmerly

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