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Die Entscheidung im Haupt- und Finanzausschuss ist gefallen.

Stadträte haben entschieden

Nach aufwendigem Werben für eine Eishalle in Dachau: So hat der Haupt- und Finanzausschuss entschieden

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Nach einer hitzigen Diskussion um das Für und Wider einer Eishalle an der Wallbergstraße in Dachau, hat der Haupt- und Finanzausschuss einen Beschluss gefasst.

Update 14. März: „Unfaires Spiel“ - Ein Kommentar

Der ESV wird an der Wallbergstraße keine Eishalle bauen, der Haupt- und Finanzausschuss hat sich mehrheitlich gegen das Projekt ausgesprochen. Ein Kommentar zu dieser Entscheidung.

Update 13. März: Im Haupt- und Finanzausschuss ist die Entscheidung gefallen

Der ESV Dachau wird an der Wallbergstraße kein Eisstadion bauen. Mit großer Mehrheit und teilweise widersprüchlichen Argumenten lehnte der Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats das vom Verein ausgearbeitete und von prominenten Förderern unterstützte Konzept ab.

SPD-Fraktionssprecherin Christa Keimerl wurde am Ende der knapp 90-minütigen Sitzung emotional: In den 20 Jahren ihrer Stadtrats-Tätigkeit habe sie es „noch nie erlebt, dass ein Verein ein derart umfangreiches und schlüssiges Konzept vorgelegt habe“! Dieses Konzept, das den Bau einer barrierefreien, ganzjährig nutzbaren Eislaufhalle vorsieht, abzulehnen, bedeute daher nicht nur, dass man „Menschen mit Handicap einer Hoffnung beraubt“. Es bedeute auch eine unglaubliche Verschwendung von Energie und Lebenszeit: Diese Lebenszeit hätten sich der Verein, der CSU-Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath und der CSU-Bezirkstagspräsident Josef Mederer, die sich beide für das Projekt stark gemacht hatten, sparen können. Und dem Sponsor, der Volksbank Raiffeisenbank, hätte man ersparen können, „an eine faire und objektive Beurteilung des Projekts zu glauben“.

Tatsächlich war gestern schnell klar, dass die CSU das von SPD und Oberbürgermeister unterstützte Konzept einer Eishalle geschlossen ablehnen würde. Selbst Stadträtin Christine Unzeitig, Vorsitzende des Vereins „Behinderte und Freunde Stadt und Landkreis Dachau“, sowie Sportreferent Günter Dietz konnten sich nicht dafür erwärmen, statt einer Eislauffläche auf dem ohnehin zu engen ASV-Gelände eine gut erschlossene, ganzjährig zu betreibende Sportstätte für Behinderte und Nicht-Behinderte zu schaffen. Fraktionssprecherin Gertrud Schmidt-Podolsky begründete ihre Ablehnung damit, dass „das Einzige, was wir wissen, ist, dass wir nix wissen!“ Die Kostenfrage sei unklar, man wage sich in ein „finanzielles Abenteuer“; der vom ESV berechnete Kostenrahmen von 13 Millionen Euro sei nicht realistisch. Zudem würde einem Hallenbau an der Wallbergstraße der beliebte Bolzplatz weichen müssen.

Stattdessen warben Schmidt-Podolsky ebenso wie Sportreferent Dietz für die alte Idee, in den Süden des ASV-Geländes eine neue Eislauffläche zu bauen. Klar, dafür müssten rund 2000 Quadratmeter Bannwald geopfert werden; laut Schmidt-Podolsky würde es jedoch bestimmt nicht schaden, „wenn die paar Stangerl wegkommen“. Auch das von Bauamtsleiter Moritz Reinhold gebetsmühlenartig wiederholte Argument, dass allein aufgrund der ungelösten Parkplatzfrage eine neue Eisfläche auf dem ASV-Gelände unsinnig sei – es müssten 84 Parkplätze geschaffen werden! – konnte die CSU nicht umstimmen. Dietz zufolge würde im Zuge des Neubaus der Georg-Scherer-Halle im Norden des ASV-Geländes ja ohnehin ein Parkhaus gebaut: „Mein Gott“, so Dietz, „dann müssen die Eisläufer halt ein paar Meter gehen“!

SPD-Fraktionsvorsitzender Sören Schneider räumte ein, dass beide Varianten – also eine Eisfläche am ASV-Gelände versus eine neue Halle an der Wallbergstraße – einen „Pferdefuß“ hätten. Doch die ESV-Vision an der Wallbergstraße sei immerhin „der Leuchtturm unter den Alternativen mit dem definitiv kleineren Pferdefuß“.

Oberbürgermeister Florian Hartmann positionierte sich ebenfalls klar: Die positiven Aspekte der ESV-Idee seien für ihn entscheidend. Er sei daher der Meinung, „dass wir uns das leisten müssen, auch wenn es ein bissl mehr kostet“. Sabine Geißler (Bündnis für Dachau) schloss sich der SPD an und betonte, dass der Eingriff in den Bannwald für ihre Fraktion ein „No go“ sei. Die CSU würde sich stattdessen die ungelöste Parkplatzsituation schönreden. Sollte die neue Eisfläche am Ende in den Süden des ASV-Geländes kommen, stehe für sie fest: „Die Leute werden an der Gröbenrieder Straße parken.“ Ungeahnte Unterstützung bei ihrer Ablehnung des Projekts bekam die CSU gestern von den Grünen. Luise Krispenz führte wortreich aus, dass Inklusion und die damit verbundene Förderung des Behindertensports „breit getragener Konsens“ im Stadtrat sei. Dennoch könnten sie und ihr Fraktionskollege dem ESV-Konzept nicht zustimmen. Ihr fehlten „wesentliche Antworten auf entscheidende Fragen“ zu beiden Varianten. Selbst OB Hartmanns Einwand, dass es für diese Antworten eine teure Planung brauche, die unter Umständen eine sechsstellige Summe kosten könnte, waren die Grünen nicht umzustimmen.

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Weniger überraschend war die Ablehnung durch Jürgen Seidl (FDP), Edgar Forster (FW) und Franz-Xaver Vieregg (ÜB). Seidl etwa betonte, dass man „ein Projekt dieser Größe nicht einfach durchwinken“ könne.

Jugendratssprecher Berkay Kengeroglu appellierte – vergeblich – an den gesunden Menschenverstand der Stadträte: „Wenn Ihr alter Röhrenfernseher kaputt ist, kaufen Sie sich doch auch keinen neuen Röhrenfernseher!“ Doch seine Worte verhallten zwar nicht ungehört, aber ungewürdigt. Apropos ungehört: Der ASV Dachau wurde in der Sitzung leider nicht gehört. Dabei hätte ASV-Jugendleiterin und Stadträtin Ingrid Sedlbauer nämlich sagen können, was sie in der Sitzungspause gegenüber der Heimatzeitung betonte: „Uns als ASV wäre natürlich eine Eishalle am Standort Wallbergstraße lieber!“

Update 11. März: Jugend demonstriert für neue Eishalle - Kundgebung am Rathausplatz

Dachau – Der Jugendrat Dachau will am morgigen Mittwochnachmittag vor dem Rathaus für den Bau einer neuen Eishalle demonstrieren.

Wie berichtet, wird der Haupt- und Finanzausschuss ab 14.30 Uhr im Alten Sitzungssaal über das vom ESV Dachau Woodpeckers erarbeitete Konzept zum Bau eines Eisstadions an der Wallbergstraße beraten. Zwei Wochen später wird das Thema dann erneut auf der Tagesordnung des Bauausschusses stehen.

Da nicht zu erwarten ist, dass die Ausschüsse unterschiedliche Beschlüsse fassen werden, kommt der morgigen Sitzung wegweisende Bedeutung zu – weshalb der Jugendrat „möglichst viele Jugendliche aus ganz Dachau dazu aufrufen möchte, uns bei unserer Demo für die Eishalle zu unterstützen“, wie Jugendratssprecher Berkay Kengeroglu betont.

Die Jugendlichen wollen sich, mit Plakaten und Bannern bewaffnet, um 14 Uhr vor dem Rathaus treffen und anschließend – friedlich! – an der Sitzung teilnehmen.

Warum das Projekt so wichtig für die Jugendlichen der Stadt sei, fasst der 18-jährige Kengeroglu so zusammen: „Es wird Zeit, dass Dachau eine Location bekommt, wo man im Winter zuverlässig eislaufen kann und im Sommer Platz für Konzerte und Events hat.“ Angelehnt an die internationale Jugendbewegung „Fridays for future“ verweist Kengeroglu zudem auf den Umweltaspekt: Im Gegensatz zu einem Freieisstadion auf dem ASV-Gelände „gehen für die Halle an der Wallbergstraße keine Bäume drauf“!

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Dass sich das Engagement des Jugendrats lohnen kann, ist an der Kufsteiner Straße zu besichtigen. „Wir haben uns schon mal für eine Sache so eingesetzt wie jetzt für die Eishalle“, weiß Kengeroglu. „Das war damals, als es um den Bau des Skateparks ging. Und der steht jetzt!“ Weitere Infos zur Demo gibt es unter Telefon 01 57/51 95 26 58, online unter www.jugendrat-dachau.de sowie auf der Instagram-Seite des Dachauer Jugendrats unter @jugendratdachau.

Erstmeldung 10. März: ESV wirbt für seine Pläne: „Sonst stirbt der Eissport in Dachau“

Dachau – Sportreferent und BLSV-Kreisvorsitzender Günter Dietz ist nicht der Einzige in Dachau, der Zweifel am Großprojekt Eishalle geäußert hat (wir berichteten). Der Verein sei zu klein und die Finanzierung nicht gesichert, lauteten seine Argumente. Anders als Dietz, der öffentlich zu seinen Bedenken stand, gab es aber auch viele, die dem ESV lieber anonym ihre Meinung zum Thema Behindertensport mitteilten: Würde sich für Rollstuhlfahrer denn so ein enormer Bauaufwand lohnen, fragten manche – noch dazu, wo viele der gehandicapten Menschen, die die Eishalle an der Wallbergstraße nutzen könnten, ja gar nicht aus der Großen Kreisstadt kämen? Oder könnten die Sportler mit Behinderung vielleicht sogar dem Publikumslauf Zeiten wegnehmen?

„Doch, der Aufwand lohnt sich“, finden die Verantwortlichen beim ESV Dachau. Und um alle Kritiker mundtot zu machen beziehungsweise um alle noch unentschlossenen Stadtratsmitglieder von ihren Argumenten zu überzeugen, haben die ESVler in den vergangenen Tagen einen Flyer an 21 000 Haushalte verteilt. In Zusammenarbeit mit der Dachauer Volksbank Raiffeisenbank erstellt, ist auf der dreiseitigen Broschüre noch einmal kurz zusammengefasst, warum Dachau eine multifunktionale, ganzjährig nutzbare, barrierefreie Eishalle braucht – und dass sich diese „Vision“ sowohl organisatorisch, als auch finanziell sehr wohl umsetzen lasse. „Wenn wir nicht anschieben, stirbt der gesamte Eissport in Dachau“, begründen die beiden ESV-Vorstandsmitglieder Stefan Steurer und Gabriele Wieneck-Vilano ihren Einsatz für das Projekt.

Eine energetisch fragwürdige Freieisfläche auf dem ASV-Gelände, für die auch noch ein nicht unerhebliches Stück Bannwald mit mehreren 1000 Bäumen geopfert werden müsste, und die eine – gelinde gesagt – komplizierte Parkplatzsituation böte, sei einfach keine ernst zu nehmende Alternative zu ihrem Eishallenprojekt an der Wallbergstraße, finden die beiden.

Vor allem die Dachauer CSU hatte die Lösung einer Freieisfläche beim ASV an der Gröbenrieder Straße bislang favorisiert – wohl wissend, dass selbst der ASV lieber Räume für seine Kinderbetreuung bauen würde, statt eine Freieisfläche auf seinem ohnehin begrenzten Areal unterzubringen.

Freieisfläche bringt Probleme bei der Belegung mit sich

Die aktuelle Freieisfläche der Stadt Dachau an der Gröbenrieder Straße „läuft nur mit mehreren Sondergenehmigungen“, betont Steurer. Seit drei Jahren habe man – der Klimawandel macht’s möglich – nicht mehr pünktlich in die Saison starten können. Während der viermonatigen Öffnung kam es dann auch immer zu regelmäßigen, witterungsbedingten Schließungen im laufenden Betrieb. Die Folge, so Wieneck-Vilano: „Wir können keine sicheren Spieltermine mehr ansetzen. Und die Anforderungen der Verbände werden ja auch immer höher!“ Der ESV Dachau Woodpeckers, wie der Verein offiziell heißt, habe daher „keine Chance, auf einer nur überdachten Freieisfläche alle Nachwuchsmannschaften, geschweige denn die Erwachsenen-Teams unterzubringen“. Das Gleiche gelte übrigens für den Publikums- und Schullauf, die der Stadtrat ja unisono immer wieder erwähne und wünsche.

Doch nicht nur energetisch sei ein Hallenbauwerk die sinnvollere Lösung, findet Steurer: „Das MD-Gelände, die geplante Wohnbebauung in Augustenfeld – wo sollen den die zukünftigen Sportler noch hin? Die brauchen doch Flächen!“ Die Parkplätze an einer Eishalle an der Wallbergstraße könnten ganz abgesehen davon ja auch Anwohner nutzen, erklärt Steurer – wohingegen die auswärtigen Besucher die Halle über die B 471 oder die nahen Bushaltestellen schnell erreichen und wieder abfahren könnten. „Man muss es halt einfach mal probieren“, fasst Gabriele Wieneck-Vilano daher zusammen. Und ganz egal wie groß oder klein der ESV sei: „In allen Vereinen ist es letzten Endes doch auch immer nur eine Gruppe von fünf bis 25 Leuten, die die Arbeit macht!“

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Apropos Arbeit: Den Vorwurf, der Verein habe zu lange gebraucht, um alle offenen Fragen der Stadträte zu beantworten, weisen sowohl ESV als auch die Stadtverwaltung zurück. Es habe einfach noch viele offene Fragen mit dem BLSV zu klären gegeben, so Steurer und Wieneck-Vilano. Explizit bedanken sie sich in diesem Zusammenhang beim Landtagsabgeordneten Bernhard Seidenath (CSU), der sowohl im Landtag als auch im Ministerium fleißig die Werbetrommel für das bislang bayernweit einmalige Projekt gerührt, wichtige Brücken geschlagen und beim BLSV Zuschüsse ermöglicht habe.

Deutliche Kritik an BLSV-Kreischef Günter Dietz

Weniger gut kommt dagegen der – eigentlich zuständige – BLSV-Kreisvorsitzende weg. Trotz mehrfacher schriftlicher Bitte um Hilfe sei „weder von Günter Dietz noch von seinem Stellvertreter Unterstützung gekommen“, erklärt der Verein. Und wird sogar noch deutlicher: „Wir hätten alles schon im Sommer 2018 lösen können, wenn der BLSV-Kreisvorsitzende seiner Aufgabe nachgekommen wäre und für uns beim BLSV Druck gemacht hätte. Diese Zeit fehlt ja nicht nur uns, sondern auch dem ASV Dachau, der dadurch ebenfalls in seinen Planungen blockiert ist.“

Nun, vor der Ausschusssitzung am Mittwoch, geht es um viel: für die Besucher des öffentlichen Laufs um witterungsunabhängige Laufzeiten, die Schulen um sicher planbare Sportstunden, die Eishockey-Sportler um eine neue Sportstätte, für die Politiker um Politik und für die Stadt um ein Zeichen. Denn, so Stefan Steurer: „Gerade Dachau, mit seiner NS-Geschichte, würde so ein Behindertensportprojekt gut zu Gesicht stehen.“

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