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So könnte das Eisstadion einmal aussehen.

Skeptische Stimmen

ESV kämpft um sein Eisstadion

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Vor exakt einem Jahr verkündete der ESV Dachau seine Pläne für den Bau eines neuen Eisstadions an der Wallbergstraße. Doch seitdem ist nichts passiert. 

Dachau – Banker gelten ja gemeinhin als nüchterne Zahlenmenschen, die eher selten zu Gefühlsausbrüchen neigen. Doch Thomas Höbel, Vorstandssprecher der Volksbank Raiffeisenbank Dachau, ist angesichts der Pläne des ESV, an der Wallbergstraße ein eigenes Eisstadion zu bauen, geradezu euphorisch: Der Gedanke, sich selbst zu helfen, sei ja fast schon ein „genossenschaftliches Prinzip“, das er daher gerne unterstützen würde.

Auch der Bayerische Landes-Sportverband (BLSV) ist von den Plänen so angetan, dass er gar von einem „Vorzeige- und Leuchtturmprojekt“ spricht; nota bene: das Dachauer Eisstadion würde das erste Eishallenprojekt, das der BLSV mit Fördermitteln bedenkt!

Weitere Gelder haben bereits die Sozialorganisation „Stiftung Mensch“ sowie Stadt, Bezirk und Freistaat zugesagt. In Summe, so rechnet Anthony Vilano vom Förderverein Eishockeysport Dachau vor, „haben wir schon eine siebenstellige Summe gesammelt“. Und Vilano betont: „Das sind keine Darlehen, das sind keine Kredite!“

Anthony Vilano: „Es soll endlich was passieren!“

Doch ob die Pläne, die Vilano und seine Kollegen vom ESV vor einem Jahr bei einer Pressekonferenz so optimistisch vorstellten, je umgesetzt werden, ist fraglich. Denn: Nach wie vor gilt der Beschluss des Stadtrats, auf das ASV-Gelände eine überdachte Eisfläche zu bauen; daneben gibt es aber auch noch den Beschluss, die Schulkinder-Betreuung des ASV dahingehend weiter zu fördern, indem man einen weiteren Mehrzweckraum sowie ein Kinderbewegungshaus an die Gröbenrieder Straße baut. Klar ist: Beides, also Kinderbetreuung und Eisfläche, geht nicht. Bemühungen dahingehend, einen dieser sich eigentlich widersprechenden Beschlüsse zu kippen und einen Hallenbau an der Wallbergstraße voranzutreiben, gab es seit Monaten nicht.

Vilano und der ESV sind sauer. „Wir haben alle Fragen, die man zu dem Projekt stellen kann, beantwortet. Selbst neue Fragen, die sich aus unseren Antworten ergeben haben, haben wir beantwortet. Ich weiß nicht, was wir noch machen sollen“, schimpft Vilano. Und: „Es soll endlich was passieren, ich will wissen, was jetzt los ist!“

Tatsächlich hat die Idee, eine barrierefreie, multifunktionale und ganzjährig nutzbare Eishalle an die Wallbergstraße zu bauen, viele Vorteile. Der wichtigste: Der ASV hätte mehr Platz, sich zu erweitern. „Die stehen mit ihrer Kinderbetreuung ja jetzt schon mit dem Rücken zur Wand“, so Vilano. Wenn man dann noch sehe, wie sehr der 250 Mitglieder starke ESV in der Sache engagiert sei, wie gut man sich bayernweit über Eishallenprojekte informiert habe, dann hätten Gegenargumente oder Skepsis „einfach keine Basis“.

Sportreferent Günter Dietz: „Bis jetzt sind das nur Luftschlösser.“

Genau das sieht Günter Dietz, Sportreferent im Stadtrat und BLSV-Kreisvorsitzender, jedoch anders. Dietz, seine Kollegen der CSU-Fraktion sowie einzelne Vertreter von ÜB und FW stehen die großen Ambitionen des kleinen ESV kritisch gegenüber. „Bis jetzt sind das nur Luftschlösser“, findet Dietz, und will daher „definitiv wissen: Wer bezahlt die Halle? Wer unterhält das Ding? Erst wenn das 1000-prozentig geklärt ist, können wir sehen, ob das machbar ist“.

Lesen Sie auch: Regelmäßig und mitunter verbissen wird im Dachauer Stadtrat um die Entwicklung von Sportstätten gestritten. Ein renommiertes Stadtplanungsbüro hat dem Gremium nun jedoch gute Arbeit attestiert: Mit den vorhandenen und geplanten Sportstätten wird der Bedarf der wachsenden Stadt weitgehend gedeckt.

Oberbürgermeister Florian Hartmann begründet den bisherigen Stillstand in Sachen Eishallenbau denn auch damit, dass erst umfangreiche „Vorklärungen“ nötig gewesen seien. So habe man beispielsweise herausfinden müssen, ob der BLSV auch mitzahlen werde, wenn sich die Stadt vertraglich Nutzungszeiten für die Eisfläche zusichern lässt; bislang waren die Fördergelder daran gebunden, dass allein der ESV die Sportstätte betreibt.

Am 13. März will der OB das Thema nun dem Haupt- und Finanzausschuss und am 2. April dem Bauausschuss zur Beschlussfassung vorlegen. Er selbst hält aufgrund der Parkplatzsituation und des Bannwalds den Standort ASV für „schwierig“. Der Standort Wallbergstraße dagegen habe „aus städtebaulicher Sicht Vorteile“.

Dass der kleine ESV das Großprojekt Hallenbau stemmen kann, daran hat der OB aber keine Zweifel: „Der Erfolg hängt ja nicht an der Vereinsgröße, sondern an den Leuten.“ Und da verspricht Anthony Vilano vollen Einsatz: „Wir sind mit 250 Mitgliedern tatsächlich nur ein kleiner Verein. Doch wir haben 25 000 Sporttreibende, die sich alle über eine neue Eisfläche freuen würden!“

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