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Ein Mann aus Dachau stand vor Gericht, weil er seiner Frau Schlaftabletten in den Kaffee mischte. (Symbolbild)

Notarzt muss kommen

Mann mischt seiner Frau Schlaftabletten in den Kaffee - weil er die Ehe retten will

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Ein Mann hat in Dachau seiner Ehefrau Schlaftabletten in den Kaffee gemischt, aus Liebe, wie er sagt. Deswegen stand er nun vor Gericht.

Dachau – Paare, die lange glücklich verheiratet sind, geben oft den Tipp: „Nie streitend zu Bett gehen!“ Von diesem Tipp hat Arno M. (Name geändert) aus Dachau definitiv noch nie etwas gehört. Nach einem Streit mit seiner Frau mischte er ihr Schlaftabletten in den Kaffee – aber nicht, weil er ihr etwas antun wollte, wie er heute sagt. Im Gegenteil, er hatte nur die Absicht, seine Ehe zu retten: Er wollte, dass sich seine Frau „einfach richtig gut und erholsam ausschlafen kann“ und am nächsten Tag, so hoffe er, die Trennungsabsichten vergessen hat und sich bei einem entspannten Gespräch alle Eheprobleme in Luft auflösen.

Mann mischt Ehefrau in Dachau Schlaftabletten in Kaffee: Notarzt muss Frau wecken

Was amüsant, weil so töricht naiv klingt, ist natürlich alles andere als lustig, sondern: höchst gefährlich. Das merkte Arno M. an diesem Winterabend selbst, als seine Frau in einen komatösen Tiefschlaf fiel. Nur der Notarzt konnte sie wecken. Für diese Tat musste sich M. jetzt vor dem Dachauer Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Richter Christian Calame verurteilte den geständigen 52-Jährigen zu einer neunmonatigen Haftstrafe auf Bewährung. Zudem muss der Angeklagte 600 Euro an die Brücke Dachau zahlen. Calame stellte in der Sitzung klar: „Es tut zwar nicht weh, aber jemanden gegen seinen Willen in den Schlaf zu versetzen, ist Körperverletzung!“

Schlaftabletten in Kaffee gemischt: „richtig Mist gebaut“

Dass er mit seiner romantischen Geste weit übers Ziel hinausgeschossen ist und er „richtig Mist gebaut hat“, ist dem Angeklagten mittlerweile selber klar. In der Verhandlung betonte er mehrfach, dass er seiner Frau „niemals hat wehtun wollen“! Er kenne sie bereits ein ganzes Leben lang, die „Liebe seines Lebens“ sei sie. Trotzdem hat er der Frau, mit der er zusammen vier Kinder hat, an jenem Abend drei Schlaftabletten des rezeptfreien, apothekenpflichtigen Mittels Vivinox in ihrem Kaffee aufgelöst. Die Frau habe immer bei Streits gesagt, sie sei müde, sie wolle lieber schlafen als diskutieren, daher die Idee mit den Tabletten.

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Als die Ehefrau damals in den Tiefschlaf fällt, habe er dem Sohn sofort gesagt, „er soll den Notarzt rufen“, so der Angeklagte vor Gericht. „Ich hab’ sofort gemerkt, dass ich einen Fehler gemacht habe.“ Die Frau sagte allerdings später bei der Polizei aus, dass ihre Tochter den Notarzt gerufen habe und ihr Mann versucht habe, seine Tat zu vertuschen. Er „hat versucht, mit seinem Finger die Tasse auszuwischen“, zitierte der Richter aus ihrer Aussage.

Noch im Rettungswagen geben die Sanitäter der Frau Kohletabletten, damit sie die gefährlichen Stoffe erbricht. Wegen „Intoxikation“ muss sie aber zur Beobachtung über Nacht im Krankenhaus bleiben, kann aber am nächsten Abend wieder entlassen werden – bleibende Schäden hat sie gottseidank keine erlitten.

Verhandlung vor Amtsgericht Dachau: „Ich wollte wirklich nur, dass meine Frau gut schläft“

„Wieso haben Sie ihrer Frau gleich drei Schlaftabletten gegeben?“, wollte Richter Calame wissen. Der Angeklagte hatte das Mittel damals zu Hause, weil er es selbst gegen seine Schlafstörungen wegen des Schichtdienstes nehme. „Ich hab’ immer ein bis zwei Tabletten genommen“, sagte er vor Gericht. „Ich wollte wirklich nur, dass meine Frau gut schläft, ich wollte ihr nicht wehtun!“ Der Richter bezeichnete den Plan des Angeklagten als „kindlich abstruse Vorstellung“. Man könnte doch nicht jemanden in Tiefschlaf versetzen und glauben, dann lösen sich alle Probleme in Luft auf! „Man darf selbstverständlich nicht jemandem Medikamente deutlich über der Dosierungsempfehlungen verabreichen. Das war sehr gefährlich!“

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Video: Was taugt das Schlaf-Pflaster?

Ehemann mischt Frau Schlaftabletten in Kaffee: Frau wollte keine Aussage vor Gericht machen

Die Ehefrau wollte vor Gericht keine Aussage machen, allerdings äußerte sie bei der Polizei den Verdacht, dass es nicht das erste Mal gewesen sei, dass ihr Mann ihr etwas untergemischt hätte. Der Kaffee habe öfter sandig geschmeckt, sie sich müde statt wach gefühlt. Einmal sei sie aufgewacht und ihr Mann hätte gerade seine Hand zwischen ihren Beinen gehabt – so zitiert der Richter aus ihrer damaligen Aussage. Als er das hört, beginnt der Angeklagte zu lachen, schüttelt den Kopf und sagt: „Nein, so was würde ich nicht tun!“

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Mittlerweile lebt das Paar getrennt, die Frau ist mit drei Kindern ausgezogen, eines ist bereits erwachsen und hat schon eine eigene Familie. Der Mann lässt ihnen immer wieder Geld zukommen, kümmert sich ab und an um die Kinder. Er betont vor Gericht: „Meine Frau bekommt alles von mir, was ich habe!“ Künftig will er geregelten Unterhalt für seine Familie zahlen, bei seiner Frau hat er sich mehrfach entschuldigt. Da er seinen Fehler eingesehen hat, will er sich zudem psychologische Hilfe holen. Er ließ sich bereits bei der Caritas beraten.  

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