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„Im Zweifel für den Angeklagten“ lautet ein deutscher Rechtsgrundsatz. Daran musste sich auch der Dachauer Richter halten. (Symbolbild)

Strafrechtlich nichts zu machen

„Menschlich eine Schweinerei“, sagt der Richter - muss die Angeklagte aber freisprechen

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Ein Missverständnis oder Betrug? Mit dieser Frage musste sich das Amtsgericht Dachau befassen.

Dachau – Eine 38-jährige Karlsfelderin und ihr Ehemann waren angeklagt, weil sie bei ihren Nachbarn – ein altes Ehepaar, 83 und 82 Jahre alt – ein Darlehen von 20.000 Euro aufgenommen und nicht zurückbezahlt hatten. Ob dies vorsätzlich geschah, damit musste sich Richter Tobias Bauer auseinandersetzen.

Richter: „Eine unglaubliche Lüge“

Das Landgericht München II hatte in der Zivilsache bereits zugunsten der Geprellten entschieden und eine Rückzahlung angeordnet. Bauer ging in seiner Urteilsbegründung auf das Verhalten der Angeklagten ein. Die 38-jährige Karlsfelderin hatte behauptet, das Darlehen habe ihr Nachbar nur erfunden – aus Rache, da sie seine Avancen abgelehnt habe. „Eine unglaubliche Lüge und Schweinerei, die eigentlich auch vor Gericht hätte landen können“, redete sich der Richter in Rage. 

Der Betrogene und seine Frau sind beide gesundheitlich schwer angeschlagen, trotzdem hatten sie teilweise sogar die Kinder der Angeklagten zur Schule gebracht und ihnen Geld zum Eisessen gegeben.

Der Ehemann hat mit dem Darlehen nichts zu tun

Die Angeklagte ließ die Standpauke regungslos über sich ergehen. Gesprächiger war der ebenfalls angeklagte Ehemann. Schnell stellte sich heraus: mit der Sache hatte er nichts zu tun. Bereits ein Jahr vor dem Vorfall hatte er sich von seiner Frau getrennt. Alle Zeugen bestätigten, dass er in keiner Weise bei den Gesprächen zu dem Darlehen beteiligt war.

Weitere Erkenntnisse brachte die Verhandlung allerdings nicht. Die Aussagen des alten Ehepaares widersprachen früheren Versionen, die sie gegenüber der Polizei und bei der Anzeigenaufgabe geäußert hatten. Und selbst die 82-jährige Frau sagte in der Verhandlung: „Wir sind alt, wir wissen nicht, was mit uns passiert.“

Zwischenzeitlich hatte die 38-Jährige 1000 Euro zurückgezahlt – ob es sich dabei allerdings um einen ehrlich gemeinte Versuch, das Darlehen ordnungsgemäß abzuzahlen, handelte oder nur ein Täuschungsmanöver war, das ein gerichtliches Vorgehen verhindern sollte, da waren sich Staatsanwaltschaft und Verteidiger nicht einig.

Mit Zähneknirschen: Im Zweifel für die Angeklagte

Am Ende blieb Richter Tobias Bauer nichts anderes übrig, als die Angeklagte freizusprechen – im Zweifel für den Angeklagten. Zudem sah auch er die Möglichkeit, dass es zwischen den Beteiligten zum Missverständnissen wegen der schwierigen Kommunikation gekommen sein könnte. Glücklich schien er mit der Entscheidung nicht: „Zivilrechtlich ist die Rückzahlung beschlossen, menschlich ist es eine Schweinerei, aber strafrechtlich ist das nicht relevant.“

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