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Um den Ausbau des Dachauer Bahnhofs und des Busbahnhofs streiten sich Stadt und Bahn schon länger.

Zankapfel Busbahnhof

Dachau will einen größeren Busbahnhof - doch die Bahn stellt sich (noch) quer

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Stadt und Landkreis wollen den öffentlichen Nahverkehr in Dachau ausbauen. Voraussetzung ist die Erweiterung des Busbahnhofs. Doch die Bahn verfolgt andere Ziele.

Dachau – Monatelang hatten Stadt und Landkreis um die Finanzierung der städtischen Omnibuslinien gerungen (wir berichteten). Die finale, sogenannte öffentlich-rechtliche Vereinbarung, unterzeichnet von Landrat Stefan Löwl und Oberbürgermeister Florian Hartmann, gilt bis Ende 2023 – und hat ein eindeutiges Ziel: mehr Busse auf die Dachauer Straßen zu bringen und damit mehr Dachauer zum Umstieg vom Auto auf den Bus zu bewegen.

Doch dieses Ziel kann in den Augen der Verantwortlichen nur umgesetzt werden, wenn diese Busse eine entsprechend große Anlaufstelle bekommen. Der aktuelle Dachauer Busbahnhof, so wurde es zuletzt auch noch einmal im Kreisausschuss bekräftigt – wird nämlich nicht ausreichen, „um den Nahverkehrsplan auch außerhalb der Stadt zeitnah umsetzen zu können“.

Die Bahn präsentiert sich als schwieriger Verhandlungspartner

OB Hartmann, der als Kreisrat an der Ausschusssitzung teilnahm, zeigte sich zwar zufrieden über die getroffene Vereinbarung, nannte es aber „schwierig“, die Notwendigkeit eines Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) „als Rahmenbedingung zu formulieren“. Denn: Ein entscheidender Teil dieser Rahmenbedingung ist die Deutsche Bahn, der das Bahnhofsareal gehört und die sich als, höflich formuliert, schwieriger Verhandlungspartner erweist.

Tatsächlich plant die Stadt schon seit Jahren an der Umgestaltung ihres Bahnhofsvorplatzes. Dazu gab es bereits eine Bürgerbeteiligung; Wünsche wie Barrierefreiheit oder elektronische Anzeigen am Busbahnhof wurden vom Bauausschuss des Stadtrats sogar schon in Beschlüsse gefasst. Noch in diesem Jahr, auch das beschlossene Sache, ist der Start eines sogenannten städtebaulichen Wettbewerbs vorgesehen.

Ein Streit ist derweil am Bahnhof Dachau völlig eskaliert: Dort packte ein Mann seine Ehefrau am Hals und war ein Rad nach ihr.

Allein: Die Bahn hat andere Pläne – gerade was den Bau eines vergrößerten ZOB mit bis zu 26 Haltestellen betrifft. Hartmann formulierte es im Kreisausschuss so: „Die Bahn versteht nicht, warum wir einen ZOB brauchen. Sie will stattdessen lieber eine Shopping-Mall!“ Dieses Einkaufszentrum, so laute Hartmann zufolge die Argumentation, bringe mehr Einnahmen und passe besser zum Image der Bahn. Der Stadt dagegen sind vor allem die Einnahmen ihrer Gewerbetreibenden an der Münchner Straße wichtig – weshalb sie den Bau von Einzelhandelsgeschäften am Bahnhof verhindern will.

Krisentreffen bringt Kompromisslösung

Die Folge: ein Krisentreffen, bei dem es in der vergangenen Woche – laut Bahn – einen „engen Austausch“ gegeben habe und „erste Vereinbarungen kurz vor dem Abschluss stehen“. Der OB findet zwar weniger optimistische Worte – „leider hat die Bahn immer noch etwas andere Vorstellungen als wir“ – gibt aber auch zu, dass es nun „immerhin eine Variante gibt, bei der wir zusammenkommen könnten“.

Diese Kompromissvariante sieht vor, dass der ZOB überbaut würde. Das heißt, ebenerdig würden die Busse ein- und ausfahren, darüber könnten Büros sowie Studenten- und Azubiwohnungen sowie im Untergeschoss eine Tiefgarage entstehen. Darauf festlegen lassen wollte sich der Konzern laut Hartmann aber leider noch nicht. Stattdessen will die Bahn der Stadt nun erstmal ihre Wünsche zusammenfassen, über die dann der Stadtrat befinden soll.

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Was die Bahn sicher nicht will: der Stadt den Bahnhof sowie die östlich und westlich gelegenen Grundstücke verkaufen, wie es zuletzt Stadtrat Wolfgang Moll (Wir) gefordert hat. Hartmann zufolge wolle die Bahn, wenn überhaupt, nur einzelne Flächen verkaufen; und auch frühestens dann, wenn überall Baurecht herrsche.

Bis dahin hofft Hartmann, dass sich die Bahn weniger auf Profit denn auf ihre Kernaufgaben konzentriert – und „eines Tages versteht, dass wir ihr auf unsere Kosten neue Kunden anliefern wollen“! Ganz so unlukrativ wäre der Busbahnhof also nicht...

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