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Gerettet: Sina, Scully und Sita (v.l.) wurden aus nicht artgerechter Haltung befreit

Veterinäramt rettet Tiere 

Trotz Haltungsverbot: Dachauerin schafft sich drei Hunde an und lässt sie völlig verwahrlosen

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Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Dachau, Silvia Gruber, ist geschockt. Sie muss sich gerade um drei völlig unterernährte Hunde kümmern. Das Veterinäramt hatte die Tiere beschlagnahmt. Die Hundehalterin ließ die Tiere völlig verwahrlosen. Sie ist keine Unbekannte.

Dachau – Vor knapp einem halben Jahr wurde ihr schon ein Hund weggenommen. Sie schaffte sich drei neue an – trotz Haltungsverbot. 

„Ein Gerippe auf vier Pfoten“ war der Boxer Max, der im August vergangenen Jahres ins Dachauer Tierheim kam, berichtet Silvia Gruber, Vorsitzende des Tierschutzvereins Dachau. Das Veterinäramt hatte den Hund damals mit Hilfe der Polizei beschlagnahmt, also seiner Besitzerin weggenommen. Außerdem wurde der Frau verboten, in Zukunft Hunde zu halten, „aufgrund grober Vernachlässigung“, so Gruber. Doch die Frau aus Dachau ignorierte das Verbot und schaffte sich wieder Hunde an: einen Dackel, eine französische Bulldogge und einen Spaniel. Alle drei kamen vor wenigen Tagen im Tierheim unter. Auch sie waren dürr, krank, stark vernachlässigt.


„Diese gravierenden Tierschutzfälle nehmen immer mehr zu“, sagt Silvia Gruber. Erklären könne sie sich diese Zunahme jedoch nicht. Gruber schüttelt den Kopf darüber, „dass die Anordnung eines Hundehaltungsverbots ignoriert wird“. Die zuständige Behörde, das Veterinäramt Dachau, müsse sie dagegen in Schutz nehmen: „Die können ja nicht alle Hundehaltungsverbote kontrollieren, die Behörde wäre ja nur noch damit beschäftigt.“

Trotz Haltungsverbot: Dachauerin schafft sich drei Hunde an

Dr. Thomas Licko, stellvertretender Leiter des Veterinäramtes Dachau, erklärt, dass das Amt „bereits amtsbekannte Personen auf dem Schirm hat“, bei denen von Zeit zu Zeit kontrolliert wird. Allerdings sei eine regelmäßige Kontrolle bei allen Personen, die auf Anordnung des Amtes keine Tiere mehr halten dürfen, nicht möglich. Die Schaffung einer Vollzeitstelle für den Tierschutz im Landratsamt soll das Veterinäramt aber bald auch in diesem Bereich entlasten. Licko bestätigt, dass Hinweise zur Verwahrlosung und nicht artgerechter Haltung von Haustieren immer mehr zunehmen. „Mit dieser Stelle soll auch dem Rechnung getragen werden.“ Die Gründe für die Zunahme sieht er unter anderem darin, „dass Tierschutz-Themen mehr und mehr im Fokus stehen“, daher seien die Bürger sensibilisiert und melden eher etwas einer Behörde – wie jetzt in Dachau.

Nur noch Haut und Knochen: die französische Bulldogge Scully.

Silvia Gruber berichtet, dass einer Person, die zufällig in dem Mietshaus war, der Zustand der Hunde und der Gestank in der Wohnung aufgefallen war – „nicht den Nachbarn!“, so Gruber, und dass daraufhin Polizei und Behörde verständigt wurden. „Das Veterinäramt hat umgehend reagiert und uns informiert“, lobte Gruber die gute Zusammenarbeit. Der Tierschutzverein nahm die Hunde entgegen, die zuvor offenbar kaum aus der Wohnung gekommen waren und dort auch „ihr Geschäft“ verrichtet hatten. „Der Geruch war unerträglich.“ Abgesehen davon, dass die Tiere unterernährt sind, extrem lange Krallen, Wurmbefall und zum Teil entzündete Ohren hatten, leiden sie an Giardienbefall, also Dünndarm-Parasiten, die auch auf Menschen übertragbar sind. „Die Behandlung ist langwierig“, so Gruber. Immerhin werden die Hunde nun behandelt und aufgepäppelt – und kommen raus. „Das erste Mal im Auslauf standen sie nur herum und wussten nicht, was sie machen sollen. Bis sie angefangen haben zu spielen!“

Ein Fall aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck rief ebenfalls das Veterinäramt auf den Plan: Dort hielt eine Frau 22 Kaninchen in ihrer Wohnung - das hat nun Folgen für die 54-Jährige.

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