68 309 Wohnungen gab es Ende 2028 im Landkreis – dabei waren 23 653 Einfamilienhäuser. foto: zds

Landkreis unterstützt Studie zum Wohnungsleerstand

Bedarf an Wohnungen im Landkreis ist nur zu 66 Prozent gedeckt

Wohnen ist derzeit Experimentierfeld für politische Patentrezepte: Hunderttausende Wohnungen fehlen, gleichzeitig stehen Millionen leer, alleinstehende Menschen bewohnen große und mehrköpfige Familien kleine Wohnungen.

Landkreis Der Kreisausschuss beispielsweise hat im November beschlossen, 115 000 Euro für eine Beteiligung an dem Forschungsprojekt „Wohnungsleerstand wandeln“ der TU München auszugeben – trotz angespannter Haushaltslage (wir haben berichtet). Die gesamten Kosten dieser auf drei Jahre angelegten Doktorarbeit belaufen sich auf rund 250 000 Euro. Der Freistaat steuert nach einer Pressemitteilung des CSU-Landtagsabgeordneten Bernhard Seidenath 135 000 Euro bei. Von der Caritas im Landkreis kommen zudem – voraussichtlich – 10 000 Euro, wie in der Ausschusssitzung vom November bekannt wurde.

Ziel und Zweck der Studie der TU wird laut Seidenath „ein Beitrag zu nachhaltigen Lösungen für gutes Wohnen der gegenwärtigen und zukünftigen Bevölkerung des Landkreises Dachau sein, wie auch zur Entwicklung der passgenauen Wohnarrangements in Gemeinden im Großraum München und im Freistaat Bayern“. Das beteiligte „Untersuchungsfeld“ seien die freiwillig teilnehmenden Gemeinden im Landkreis Dachau, heißt es in der Mitteilung weiter.

Rund 1800 Wohnungen im Landkreis stehen momentan leer. Die TU-Doktoranden sollen nun die Motive dafür finden, warum diese Wohnungen nicht vermietet bzw. ungenutzt sind. Weiter sollen sie Methoden zur Aktivierung von wertvollem Wohnraum ausfindig machen und schließlich dann gezielt auf Bauherren und Vermieter zugehen.

Im Kreis Dachau registrierte das Statistische Bundesamt zum Jahreswechsel 2018/2019 einen Bestand von insgesamt 68 309 Wohnungen aller Art und Größe. Das ist ein Wohnungsplus gegenüber dem Vorjahr um 0,9 Prozent. Was allerdings nichts darüber aussagt, ob die bestehenden Wohnungen auch zu haben sind. Dafür lässt sich auf der Basis des IW-Wohnungsbedarfsmodells des Instituts der deutschen Wirtschaft sagen, dass das im Kreis Dachau zwischen 2016 und Ende 2018 erreichte Verhältnis von Fertigstellungen und Bedarf bei 66,4 Prozent liegt: Der Bedarf ist also durch nachwachsende Wohnungen derzeit nicht gedeckt.

23 653 Einfamilienhäuser gibt es mittlerweile im Landkreis, dazu 4942 Mehrfamilienhäuser. Als solche gelten alle Wohngebäude mit drei und mehr Wohnungen. Sozusagen ein Zwischending sind Häuser mit zwei Wohnungen. Von denen gibt es bei uns 6428.

Begehrt sind große Wohnungen mit fünf Räumen (einschließlich Küche) und mehr. Davon waren im Kreis Dachau zum Jahreswechsel 2018/2019 inklusive der Einfamilienhäuser insgesamt 32 156 vorhanden, das sind rund 47,1 Prozent aller vorhandenen Wohnungen. Weitere 15 290 Wohnungen (22,4 Prozent) verfügten über vier Räume, 12 635 Wohnungen (18,5 Prozent) waren Dreiraumwohnungen, 6201 (9,1 Prozent) verfügten über zwei Räume und 2027 über einen Raum (3,0 Prozent).

Das IW-Wohnungsbedarfsmodell hat für den Kreis Dachau für die Jahre 2016 bis 2020 einen Bedarf von 1150 Wohnungen ermittelt, die aber (noch) nicht gebaut sind. Das das Folgen: Zu wenig Wohnungen treiben die Preise, ein reichliches Angebot wirkt automatisch als Mietpreisbremse und hilft auch Kaufenden. Das geht aber nur, wenn genug Bauland für die Menschen bereitgestellt wird.  teb/dn

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