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Schreibt hohe Verluste: das Kohlekraftwerk Lünen, an dem die Stadtwerke beteiligt sind. 

Stadt bekommt Kohle-Kraftwerk nicht los

Geschenkt ist noch zu teuer

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Die Stadtwerke Dachau sind seit 13 Jahren an einem Kohlekraftwerk in Nordrhein-Westfalen beteiligt. Das bedeutet hohe Verluste. Die Stadtwerke versuchen daher, die Beteiligung loszuwerden.

Dachau – Dass man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schauen soll, mag auf viele Lebenslagen zutreffen. Auf Beteiligungen an Kohlekraftwerken aber passt diese Redewendung nicht – leider, wie man aus Sicht der Stadtwerke Dachau sagen muss. Denn: Die Stadtwerke halten seit 2006 eine Beteiligung in Höhe von 0,53 Prozent an einem Kohlekraftwerk in Lünen (Nordrhein-Westfalen).   

Die Ende 2013 ans Netz gegangene Anlage ist zwar eine der modernsten Deutschlands mit 45 Prozent Wirkungsgrad sowie einer kleinen Fernwärmeauskopplung. Dennoch schreibt das von der Trianel GmbH betriebene Werk seit Jahren hohe Verluste. Stadtwerke-Chef Robert Haimerl nannte im Werkausschuss zuletzt zwar keine Zahlen, betonte aber, dass die Beteiligung derzeit „leider keine Freude“ mache. Die Produktionskosten lägen über den Strompreisen. Und eine Besserung der Lage sei realistischerweise nicht in Sicht.

Aus diesem Grund versuchen die Stadtwerke auch schon lange verzweifelt, die Beteiligung loszuwerden. Allerdings ist klar: In Zeiten, in denen Strom aus Wind- und Wasserkraft bevorzugt wird und die Bundesregierung zuletzt beschlossen hat, bis 2038 alle Kohlekraftwerke abzuschalten, hält sich die Zahl der Interessenten schwer in Grenzen. Höflich formuliert.

Tatsächlich, gesteht Oberbürgermeister Florian Hartmann auf Nachfrage, würde man die Beteiligung nicht nur umsonst abgeben, sondern sogar noch „etwas draufzahlen“! Das einzige „Angebot“, das es zuletzt gegeben habe, lautete jedoch, dass die Stadtwerke als „Verkäufer“ der 0,53-Prozent-Beteiligung sogar noch einen „Riesen-Batzen“, genauer „eine zweistellige Millionen-Summe“, hätten zuzahlen müssen. Dieses „Angebot“, so Hartmann, habe man dann doch abgelehnt. „Da halten wir es lieber weiter“, habe die Devise gelautet. Am Ende, findet der Bürgermeister, sei es eine Abwägungsfrage. Fest stehe aber: „Aus heutiger Sicht war die Beteiligung eine Fehlentscheidung.“

Im Werkausschuss hatte man dies im Juni 2006 allerdings noch anders gesehen. Damals, so Hartmann, war der Markt so, dass man „damit noch Geld verdienen konnte“. Von „Energie-Mix“ sei die Rede gewesen, weshalb die Stadtwerke auch in Wind- und Wasserkraft investiert hätten. Im Gegensatz zu den Beteiligungen an den österreichischen Inn-Kraftwerken und dem Offshore-Windpark vor Borkum, mit denen tatsächlich Geld in die Kassen der Stadtwerke fließt, zahlte sich das Lünener Werk nicht aus. Jahrelang hatte der Bund Naturschutz versucht, den Bau des Werks zu verhindern und damit die Inbetriebnahme verzögert.

Stadtwerke-Mann Haimerl gibt zu: „Dass das Kraftwerk heute nicht mehr gebaut würde, wissen wir auch.“ Damals, Anfang der Nuller-Jahre, aber seien die Prognosen „noch völlig andere“ gewesen. Die Zeiten waren sogar so optimistisch, dass die Stadtwerke Standard-Verträge unterzeichneten, die „den Ausstieg eines Gesellschafters nur im Rahmen eines Verkaufs zuließen“, erklärt Haimerl. Aus diesem Grund blieb bislang auch der im Jahr 2011 abgehaltene Bürgerentscheid, der sich gegen die Lünen-Beteiligung aussprach, ohne Folgen: „Den Anteil zu verkaufen war und ist aufgrund der wirtschaftlichen Gegebenheiten nicht wirtschaftlich möglich“, so Haimerl.

Wie soll es nun weitergehen? So genau weiß das niemand, der Strommarkt ist laut Hartmann „eine Glaskugel“. In Deutschland fehle ein „Fahrplan, wo es hingehen soll“. Finanzielle Sicherheit habe man nur, „wenn wir so viel Strom wie es geht vor Ort produzieren. Dann haben wir es selbst in der Hand“. Trianel-Lünen-Geschäftsführer Stefan Paul dagegen gab sich zuletzt sogar optimistisch. In den „Ruhr Nachrichten“ betonte er, dass „in den kommenden Jahren zuerst die alten und günstig produzierenden Kraftwerke abgeschaltet“ würden. Lünen als „modernes und effizientes Kohlekraftwerk“ würde dagegen bestimmt als „eines der letzten vom Netz gehen“!

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