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Die passende Musik zu den Gedichten Norbert Göttlers (links) lieferten im Künstlerhaus Kleine Moosschwaige Sängerin Kathrin Krückl und Gitarrist Martin Off. Foto: Peil

Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler stellt CD-Fassung seiner bairischen Gedichte vor

„Herbstwindwischpara“: Melancholischer Abschied vom Sommer

Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler  hat die CD-Fassung von „Herbstwindwischpara“, in der Vertonung von Kathrin Krückl und Martin Off, vorgestellt.

VON ELFRIEDE PEIL

Dachau – Das Drumherum konnte nicht passender sein: Draußen pfiff der Herbstwind durch die Bäume, drinnen war es heimelig warm. Die Präsentation der CD-Fassung der bairischen Gedichte von Bezirksheimatpfleger und Schriftsteller Norbert Göttler „Herbstwindwischpara“, in der Vertonung von Kathrin Krückl und Martin Off, geriet so zum gefühlvollen Beweis, was der Herbst alles kann: Wenn‘s draußen ungemütlich wird, rückt man gerne zusammen. Im Künstlerhaus Kleine Moosschwaige feierten Freunde der bairischen Kultur ein literarisches und musikalisches Herbstfest.

Passagen aus den Gedichten von Göttler, die 2018 im Allitera Verlag erschienen waren, vertonten die Bluessängerin Kathrin Krückl und der Gitarrist Martin Off mit viel Liebe und Leidenschaft und verewigten sie jetzt auf einer CD. Möglich wurde dies im Studio der Dachauer Rockband „Just Chanpero“ und Dank der „Engelsgeduld“ von Andreas Kreiner bei Aufnahme und Mix.

An diesem Abend gab es, wie Krückl es formulierte, „einen Extrakt“, und der hatte es in sich! Mit viel Herz und Engagement sangen und spielten sie. Die kräftige Alt-Stimme von Kathrin Krückl klang dabei zart und sehnsüchtig. Oder schelmisch, wenn sie vom „Generationenkonflikt“ zwischen Sommer und Herbst sang: „Hitzkopf, du Narrader, dei Zeit ist vorbei.“ Aber der Sommer will und will nicht einsehen, dass es vorbei mit ihm ist, so im Lied „Kloa beigeb‘n“, wo ihm schließlich doch nichts anderes übrig bleibt als klein beizugeben und „sei Hitzn zruckdrahn“ muss.

Einfühlsam, mit eigenen Akzenten, begleitete Martin Off die Sängerin. Die beiden verstehen sich bestens, man merkte es an der Abstimmung per Blickkontakt und der Freude, die sie an ihrer Musik haben. Bei seinem Gitarrensolo beeindruckte er das Publikum virtuos, mit kräftigen Dissonanzen und weichen harmonischen Passagen. Und er überraschte es mit einem eher unbekannten Instrument, der Lap-Steel-Gitarre, einer E-Gitarre mit Stahlsaiten, die auf seinem Schoß (englisch: lap) liegt. Die Saiten sind höher angesetzt und werden nicht gegriffen, sondern mit einem Metallstab zum Klingen gebracht. „Praktisch die amerikanische Zither“, so Göttler.

Von ihm erfuhr man auch so einiges Mundartliches. Das Lied und Gedicht „hoibscharig“ etwa bedurfte bei manchen der Erläuterung. Göttler betonte die Kraft des Dialekts, seine Bildhaftigkeit. Wer früher seine Pflugschar nur halb durch den Acker gezogen habe, „hoibscharig“ eben, der hatte keine gute Ernte. Dieser Begriff hielt sich sprachlich für alles, was man nur lustlos oder gar widerwillig macht.

Göttler erläuterte auch, dass der Dialekt in der Umgebung einer Großstadt mehr und mehr „abflacht“ und in der Stadt früher gar verpönt gewesen sei. Das „Liebliche und Klischeehafte“, das mit bairischer Mundart oft verquickt ist, findet sich bei Göttlers Gedichten aber nicht. Es ist auch dieses Thema des Herbstes, mit Abschied, Vergehen, Melancholie und Trauer. Aber auch mit Liebe und Erotik, etwa wenn „auf de Lippn von de Madln die letzte Herbstsonn glänzt. Jetzt no oamoi leben.“ Und auch mit ein wenig Hoffnung, wie den Wintergespenstern beigekommen werden kann: „A warms Brod am Stubentisch, Nussn und Rotwein“, sowie Holz krachen lassen im Ofen samt Nussschalen. „Langsam vadrucka si d‘Gschpensta – vorläufi wenigstens.“

Lesung und Musik

Schräge bairische Gedichte „Herbstwindwischpara“ mit Norbert Göttler, Sängerin Kathrin Krückl und Gitarrist Martin Off sind noch zu hören am Samstag, 12. Oktober, um 20 Uhr in der Kulturkreiskneipe Haimhausen; der Eintritt kostet 12 Euro. Und am Samstag, 9. November, um 19.30 Uhr in der Alten Schule Lauterbach; der Eintritt kostet 10 Euro.

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