Ist die Tonne überfüllt, bleibt sie stehen.“Landrat Stefan LöwlTrotz intensiver Öffentlichkeitsarbeit des Landratsamtes: Vor allem in Wohnanlagen wirft so mancher Bewohner Biomüll achtlos in die Restmülltonne. foto: habschied

Abfallverwertung im Landkreis Dachau

Biotonnen vor manchen Wohnanlagen sinnlos

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Sind die Landkreisbürger gut im Sammeln von Biomüll? Jein! Viele trennen sorgsam die organischen Stoffe vom Restmüll. Aber es gibt Menschen im Dachauer Land, denen sind Bioabfälle vollkommen egal.

Landkreis – Seit 1993 gibt es im Landkreis Dachau die braune Biotonne. Und über das Kreislaufwirtschaftsgesetz nimmt der Bundesgesetzgeber die Bürger in die Pflicht, den Biomüll dort zu sammeln. Viele Landkreisbürger kommen dem nach. 63,1 Kilogramm pro Tonneninhaber waren es 2017; neuere Zahlen liegen noch nicht vor. „Wir sammeln pro Kopf mehr wie Oberbayern“, sagte Peter Kistler, Sachgebietsleiter Kommunale Abfallwirtschaft im Landratsamt, in der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Kreisausschusses. Denn im Bezirk waren es durchschnittlich nur 53,4 Kilogramm. Aber es gibt auch viele im Dachauer Land, denen ist die Mülltrennung völlig schnuppe. Sie werfen schlichtweg alles in den Restmüll.

Laut den Erhebungen der Kommunalen Abfallwirtschaft war bei der letzten Erfassung 2012 die jährliche Menge an Biomüll im Restmüll mit 9,1 Kilogramm pro Einwohner sogar geringer als im Bayerndurchschnitt. Aber es gebe noch „Verbesserungspotenzial“, so Kistler, der dabei vor allem auf die „multikulturellen Wohnanlagen“ schielt, in denen „die getrennte Erfassung von Biomüll trotz mehrsprachigem Infomaterial und intensiver Öffentlichkeitsarbeit derzeit nicht möglich ist“. Nicht möglich deshalb, weil die es die Kommunale Abfallwirtschaft mancherorts schlichtweg für sinnlos hält, Biotonnen aufzustellen.

Doch wie sollen Politik und Landkreis darauf reagieren? Mit einer Müllpolizei? Das sei sehr personalintensiv, sagte Kistler. „Wir sollten nicht überziehen“, meinte CSU-Fraktionschef Wolfgang Offenbeck. Landrat Stefan Löwl ist für eine „Plausibilitätskontrolle“. De facto meinte er: „Ist die Tonne überfüllt, bleibt sie stehen.“

Dabei ist das Sammeln von Biomüll im Landkreis Dachau nicht teuer. Und dessen Verwertung garantiert. Bei getrennten Gebühren für Biomüll- und Restmülltonne kostet eine braune Tonne mit 80 Liter Füllmenge im Monat 5,35 Euro, mit 120 Litern 8 Euro und mit 240 Litern 16 Euro. Verwertet wird der Biomüll von der Firma Wurzer, die eine Trockenvergärungsanlage in Eitting bei Erding betreibt. Dort entsteht hochwertiger Fertigkompost. Dieser wird zu 60 Prozent zur Substratherstellung verwendet, 20 Prozent Kompost werden für den Garten- und Landschaftsbau sowie Landschaftspflege verwendet. Die restlichen 20 Prozent werden an die Landwirtschaft abgegeben, unter strengster Einhaltung der Vorschriften der Bioabfallverordnung, so die Behörden.

In diesem Zusammenhang räumte Peter Kistler mit dem Gerücht auf, dass feuchter Biomüll schlecht für die Vergärungsanlage ist. „Dass er schädlich ist, ist falsch.“ Der Brennwert vermindere sich, und das führe wiederum sogar dazu, dass die Anlage nicht überhitze.

53 Prozent der Bewohner mit Hauptsitz im Landkreis waren 2017 an die Biotonne angeschlossen. 47 Prozent waren davon befreit, weil sie Eigenkompostierer sind. Die Kommunale Abfallwirtschaft vermutet jedoch, dass fünf Prozent der Haushalte weder eine Tonne haben noch einen Komposthaufen.

Ziel der Kommunalen Abfallwirtschaft ist es, die Erfassungsmengen beim Biomüll zu erhöhen und die Gebühren zu senken. In diesem Zusammenhang denkt das Landratsamt über eine Zusammenarbeit mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises Fürstenfeldbruck nach. Auch der Bau einer eigenen Vergärungsanlage am Standort des Gemeinsamen Kommunalunternehmens für Abfallwirtschaft (GfA) ist angedacht. An der GfA ist der Landkreis Dachau mit 37 Prozent und der Landkreis Fürstenfeldbruck mit 63 Prozent beteiligt.

Mit einer gemeinsamen Vergabe der Biomüllverwertung könnten die Gebühren gesenkt werden, so Kistler. Deshalb wird es ab 2021 Gespräche mit den AWB-Verantwortlichen geben. Für eine eigene Vergärungsanlage reichen die insgesamt 15 000 Tonnen Abfall, die derzeit im Jahr aus Dachau sowie Bruck zusammenkommen, nicht aus. Rechnen würde sich die Anlage nach Expertenmeinung erst ab 34 000 Tonnen.

Das alles gehört in die Biotonne:

Das gehört in die Biotonne: Speisereste (auch Fleisch- und Fischreste), Gemüseabfälle, Obstschalen und -kerne, Eierschalen, Brot- und Gebäckreste, Teebeutel mit Inhalt, Kaffeefilter mit Inhalt, Zitrusfrüchteschalen, Nussschalen, verdorbene Lebensmittel, Unkraut, verwelkte Blumen, Laub, Grasschnitt, Baum- und Strauchschnitt, Fallobst (in kleinen Mengen), Stroh, Sägespäne aus Kleintierhaltung, Vogelkäfigsand, Holzwolle, Blumenerde, Topfpflanzen und Wurzeln. Die Bioabfälle sollen in Zeitungspapier oder Papiertüten eingewickelt werden, bevor sie in die Biotonne kommen. Keine Plastiktüten oder Bioplastiktüten (aus Stärke) verwenden. Diese verrotten bei der Kompostierung nicht und müssen aufwendig aussortiert werden. Weitere Informationen rund um das Thema Müll gibt es unter www.landratsamt-dachau.de oder bei Abfallberaterin Barbara Mühlbauer-Talbi, Telefon 0 81 31/74 14 69.

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