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„Das Feedback ist toll“: Die Musiker der Knabenkapelle Dachau spielen in verschiedenen Besetzungen bekannte Stücke und Märsche, aber auch Kinderlieder. Hier geben sie gerade ein Konzert vor dem Friedrich-Meinzolt-Haus.

Knabenkapelle spielt vor Altenheimen

Die Krise macht Musiker erfinderisch

Auch der Knabenkapelle spielt die Corona-Krise übel mit. Die Auftritte, abgesagt. Die Veröffentlichung einer CD, verschoben. Aber die Musiker lassen sich nicht unterkriegen. Sie spielen vor Altenheimen.

Dachau – Keine Konzerte, keine Live-Auftritte, keine neue CD – bei der Knabenkapelle Dachau steht seit Ausbruch der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen alles still. „Wir wollen aber präsent bleiben und mit Musik die Bevölkerung erfreuen“, hat sich der Vorsitzende Tilo Ederer zusammen mit seinem Team vorgenommen.

Am Gründonnerstag startete er auf Initiative der langjährigen Stadträtin Silvia Kalina und mit Genehmigung von Landrat Stefan Löwl ein Projekt, das dermaßen guten Anklang fand, dass es nicht nur über die Osterfeiertage weiterlief, sondern jetzt regelmäßig jeden Sonntag stattfindet: Musiker aus den verschiedenen Ensembles spielen in verschiedener Besetzung vor dem Friedrich-Meinzolt-Haus in Dachau-Ost: vor dem Haupteingang, seitlich und auf der Rückseite des Gebäudes, so dass alle Bewohner und das Personal die Musik genießen können.

Silvia Kalina, deren Mutter in dem evangelischen Alten- und Pflegeheim lebt, darf zwar ihre Mutter nicht besuchen, kann ihr aber dadurch trotzdem nahe sein und mit ihr zusammen – wenn auch nicht körperlich, aber in Gedanken – die wunderschöne Musik genießen.

Dankbar sind nicht nur die Bewohner und ihre Angehörigen. „Das Feedback ist toll, die Dankesrufe gehen uns zu Herzen“, beschreibt Tilo Ederer die Emotionen bei den Freiluft-Konzerten.

Die Musiker der Knabenkapelle sind im Friedrich-Meinzolt-Haus keine Unbekannten, spielten sie bereits vor der Corona-Pandemie regelmäßig dort. So wie auch im Caritas-Altenheim Marienstift Dachau in der Schillerstraße, wo in naher Zukunft auch Auftritte der Dachauer Musiker im Freien geplant sind. Tilo Ederer und sein Team versuchen das Beste aus der momentanen Situation zu machen.

Trotzdem kann der Vorsitzende seine Enttäuschung über die vielen abgesagten Auftritte nicht verbergen. Weder die Big-Band, noch das Nachwuchsorchester oder das Jugendsymphonieorchester oder alle anderen Gruppierungen, die für die Termine im Jahr 2020 monatelang fleißig geprobt haben, können ihr Talent zeigen.

Ende April hätte die Big-Band anlässlich der Kemptener Kulturtage mit dem bekannten finnischen Techno- und Jazzmusiker Jimi Tenor einen Auftritt gehabt. Zeitgleich wäre die gemeinsame CD, ermöglicht durch das Crowdfunding der Volksbank-Raiffeisenbank Dachau, erschienen, die bei diesem Festival vorgestellt worden wäre (wir berichteten).

Schmerzlich vermissen wird Ederer auch die gemeinsamen Auftritte am Dachauer Volksfest mit den befreundeten Ampermusikanten und den Ludwig-Thomas-Musikanten. Und dass die französischen Freunde aus Léognan dieses Jahr nicht zum Volksfest kommen können und wohl auch der Gegenbesuch im Oktober in Frankreich in den Sternen steht, liegt den Verantwortlichen der Dachauer Knabenkapelle ebenfalls wie ein Stein im Magen.

Unterkriegen lassen wollen sie sich aber trotzdem nicht, sie arbeiten nun mit Hochdruck an Alternativen. Um noch mehr Dachauer Publikum zu erreichen, überlegen die Verantwortlichen Auftritte an verschiedenen geeigneten Plätzen in Dachau. Eventuell wird es einen Auftritt auf der Ludwig-Thoma-Wiese geben – mit den Zuhörern im Auto, ganz im Stile eines Autokinos. Somit gäbe es keinerlei Kontakt zum Publikum.

sim

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