Schulweghelfer mit gelber Weste
+
Der langjährige Schulweghelfer Peter Gerlach steht auch bei Wind und Regen an der Ampel, um den Kindern sicher über die Straße zu helfen.

Freiwillige gesucht

Dachau braucht dringend Schulweghelfer

Der Schulweg kann in der Stadt so manche Gefahren bergen. Gerade junge und unerfahrene Schüler brauchen besonderen Schutz im Straßenverkehr. An vielen Grundschulen in Dachau aber fehlen jedoch Schulweghelfer. Ehrenamtliche Helfer berichten über ihre Aufgaben und Erfahrungen – und sie erklären, warum Eltern-Taxis zum Problem werden.

Dachau – Es ist kurz vor halb acht. Peter Gerlach hat seinen Posten an der Fußgängerampel eingenommen. Der 81-Jährige trägt eine rote Jacke. Darüber hat er eine gelbe Warnweste gezogen. In der Hand hält er eine Winkerkelle. Er ist Schulweghelfer. Seit knapp 20 Jahren steht er einmal in der Woche an der Schleißheimer-/ Ecke St.-Peter-Straße und hilft Kindern beim sicheren Überqueren.

In der Stadt herrscht das morgendliche Verkehrsaufkommen: Drängelnde Autofahrer, langsam dahintuckernde Busse, Fahrradfahrer, die sich im Verkehrsstau an den wartenden Fahrzeugen vorbei schlängeln. „In der Früh ist der Teufel los“, sagt Gerlach. „Am schlimmsten sind Radfahrer, die auch bei Rotlicht über die Straße fahren“, schimpft der Rentner. Es handle sich keineswegs nur um Schüler, sondern auch um Erwachsene.

Damit Kinder in diesem Chaos trotzdem sicher zur Schule gelangen, kommt es auf Menschen wie Peter Gerlach an. Doch immer weniger Freiwillige erklären sich zu dieser Aufgabe bereit. Für die fünf Grundschulen der Stadt Dachau wird das zum Problem. Lediglich 96 Schulweghelfer stehen der Stadt für 23 Standorte dieses Schuljahr zur Verfügung. Zwölf neue Schulweghelfer sind gerade noch in Ausbildung.

In den vorherigen Jahren verzeichnete die Stadt hingegen noch 150 Freiwillige. „Die Bereitschaft ist deutlich zurückgegangen“, stellt Stefan Januschkowetz, Abteilungsleiter des Ordnungsamtes Dachau, fest. Auch Ute Schütt, Schülerlotsin und Koordinatorin der Schulweghelfer der Grundschule Augustenfeld, sucht händeringend nach Unterstützung. Bisher hat sie rund 20 Ehrenamtliche auf drei Standorte verteilt: an der Augustenfelder Straße/Ecke Rudi-Schmid-Weg, an der Wallbergstraße sowie an der Fußgängerampel, an der Peter Gerlach einmal die Woche steht.

Nun ist ein neuer Standort an der Geschwister-Scholl-Straße/Ecke Rudi-Schmid-Weg hinzugekommen. Doch das gestaltet sich schwierig: „Wir haben einfach zu wenig Helfer“, klagt Schütt. Da Ehrenamtliche einmal pro Woche schwer zu finden seien, sucht die Schulweghelfer-Koordinatorin nun Freiwillige, die sich einmal im Monat für das Ehrenamt bereit erklären. „Das wäre doch supertoll, zu Weihnachten ein Jahr Schulwegsicherheit zu verschenken.“

30 Minuten reichen

Schulweghelfer sorgen in der Schulzeit von Montag bis Freitag dafür, den morgendlichen Schulweg der Kinder sicherer zu machen. Dazu stehen sie an besonders gefährlichen oder schwierigen Stellen im Straßenverkehr, um Schulkinder sicher über die Straße zu begleiten. Rund eine halbe Stunde nimmt das Ehrenamt in Anspruch. Für die Tätigkeit bezahlt die Stadt Dachau 5,10 Euro pro Einsatz. Interessierte können sich an das Ordnungsamt Dachau richten unter ordnungsamt@dachau.de. Die nächste Schulweghelfer-Schulung findet Ende Oktober bei der Polizei Dachau statt. vm

Ute Schütt, die selbst seit drei Jahren Schulweghelferin ist, richtet ihre Suche vor allem an Frauen und Männer im Ruhestand. Denn besonders für jene, „die gerade aus dem Berufsleben ausgeschieden sind und noch eine Aufgabe suchen oder für Rentner, die einen Grund haben wollen, morgens aus dem Bett zu kommen“, sei das Ehrenamt ideal. „Einmal in der Woche früh aufstehen, schadet nicht“, meint auch Peter Gerlach.

Neben dem Mangel an Freiwilligen bereitet Ute Schütt aber auch der steigende Verkehr am Morgen große Sorgen. Ihr zufolge hat das gestiegene Verkehrsaufkommen in der Stadt auch mit einer gesteigerten Fürsorge einiger Eltern zu tun. „Die Eltern-Taxis führen zu einem Chaos an Schulen“, beschwert sich die Schulweghelferin. In ihren Augen unterschätzen viele Eltern ihre Kinder.

Schütt wünscht sich deswegen, dass die Erwachsenen den Schulweg mit ihren Kindern üben, statt sie zur Schule zu chauffieren. „Um Selbstständigkeit zu lernen, ist es äußerst wichtig, dass Kinder selbst zur Schule gehen.“ So könnten sie auf dem Schulweg nicht nur ihre Umgebung und somit ihre Heimat besser kennenlernen, sondern auch die Natur und den Jahreszyklus bewusst wahrnehmen. „Viele Kinder werden die Gewohnheiten übernehmen, die sie von ihren Eltern vorgelebt bekommen haben“, appelliert Schütt an das Verantwortungsbewusstsein der Erwachsenen. Denn das eigenständige Bestreiten des Schulwegs habe nicht nur positive Auswirkungen auf die Kinder, sondern auch auf die Umwelt.

Verena Möckl

Auch interessant

Kommentare