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Nach einer Attacke eines Fahrgasts seit gestern wieder im Einsatz: Busfahrer Benjamin Michel (links). Reinhard Dippold, Abteilungsleiter Verkehrsbetrieb bei den Stadtwerken Dachau (rechts), begrüßte seinen Mitarbeiter.

Erster Tag wieder im Dienst

Nach Attacke auf Dachauer Busfahrer: Trotzdem muss er seinen Peiniger befördern

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Im Oktober wurde ein Busfahrer von einem Fahrgast attackiert. Nun ist er wieder zurück im Dienst und muss, falls der Täter bei ihm einsteigt, ihn dennoch befördern. 

  • Ein Busfahrer in Dachau wurde letzten Oktober von einem Fahrgast angegriffen.
  • Dabei schlug der Täter ihn mit einem Regenschirmknauf auf den Handrücken und verletzte ihn erheblich.
  • Zurück im Dienst fragt er sich, ob er den Täter mitnehmen muss, falls dieser bei ihm einsteigen sollte. 

Dachau – Den 9. Oktober 2019 wird Stadtwerke-Busfahrer Benjamin Michel nie wieder vergessen. Der 36-Jährige aus Adelshofen im Landkreis Fürstenfeldbruck war gegen 13.25 Uhr in Dachau-Süd unterwegs, als an der Haltestelle Rennplatz ein junges Pärchen zustieg. Als Michel weiterfuhr, machte sich der Mann des Pärchens von hinten an ihn heran und schlug ihm mit voller Wucht mit den Knauf eines Schirms auf die rechte Hand, die noch auf der Wechselgeldkasse ruhte.

Nach Attacke auf Busfahrer: Täter konnte zunächst fliehen

„Ich habe den Bus an den Fahrbahnrand gelenkt und per Notruf die Polizei verständigt“, erinnert sich Michel. Der Täter, ein 25-Jähriger mit Wurzeln in Albanien, flüchtete zunächst, kehrte aber bald wieder zum Bus zurück, wo ihn bereits die Polizei erwartete. Kameras im Bus zeichneten den Überfall auf. Ein weiterer Fahrgast beobachtete die brutale Szene. „Das Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung gegen ihn ist abgeschlossen“, hat Michel erfahren.

Michel, der über eine Leihfirma für die Stadtwerke Dachau fährt, erlitt bei dem Schlag eine starke Prellung und hat noch heute ein Taubheitsgefühl, wenn er seine Hand bewegt. Zudem ist er seit der Attacke in psychologischer Behandlung. Ein von den Stadtwerken gestellter Rechtsanwalt vertritt seine Rechte. Gestern erst konnte er wieder Bus fahren; nach fast drei Monaten im Krankenstand.

Opfer fragt sich nach Attacke: Muss ich den Täter, trotz des Angriffs befördern?

Ob der Täter Geld wollte, weiß Michel nicht. Er hatte damals nur mitgekriegt, dass das Pärchen Streit hatte, als es in sein Fahrzeug stieg. Doch die Frage nach dem Motiv der Tat ist dem 36-Jährigen egal. Was ihn vielmehr beschäftigt: „Was ist, wenn der Täter wieder in meinen Bus einsteigen will, muss ich ihn dann mitnehmen?“ Die Antwort lautet: ja.

„Ich kann Herrn Michel verstehen“, sagt Reinhard Dippold, Abteilungsleiter Verkehrsbetrieb der Stadtwerke Dachau, „aber es gilt die Beförderungspflicht. Ein Busfahrer muss einen Fahrgast mitnehmen, sollte dieser einen gültigen Fahrschein haben.“ Soweit die gesetzliche Lage. Doch Dippold hat einen Rat: „Sollte er nachts einsteigen wollen und wäre der einzige Fahrgast, würde ich die Türen zu lassen.“

Situation bei der Bahn: Fahrgäste können mit Fahrverbot belegt werden

Anders ist die Situation bei der Bahn. Seit einiger Zeit ist es dort möglich, Fahrgäste mit einem Zugverbot zu belegen. Und das wird nicht selten gemacht – vor allem trifft es pöbelnde oder prügelnde Fußballfans. „Wir von der Bundespolizei schlagen vor, wen die Bahn mit einem Beförderungsverbot belegen soll“, sagt Pressesprecher Wolfgang Hauner. Und die Bahn teile dem Hooligan das Verbot schriftlich mit, so der Sprecher. Freilich handele es sich dabei in aller Regel um Mehrfachtäter.

Dagegen kann sich der Betroffene natürlich wehren. Es sei ihm allerdings noch kein Fall bekannt, bei dem ein Ausgeschlossener die Gerichte bemüht habe, so Hauner. Sollte der Ausgeschlossene trotz Zugverbot einsteigen und erwischt werden, „hat er ein Problem“, so der Polizeisprecher. In einem solchen Fall könnte sich der Täter sogar strafbar machen; Stichwort: Hausfriedensbruch.

Neben der „präventiven Maßnahme Beförderungsverbot“, so Hauner, könnten Zugbegleiter Fahrgäste, die sich daneben benehmen würden, jederzeit des Zuges verweisen, frei nach dem Motto: Wer randaliert, fliegt raus!

zim

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