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Wegen Corona: abgesagtes Gemeinschaftsprojekt von Liedertafel und Chorgemeinschaft (Verdi-Requiem). Hier ein Foto von den Proben

Dachauer Chöre bereiten sich auf die Wiederaufnahme ihrer Proben vor

20 Minuten singen, zehn Minuten lüften

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Egal ob Gospel, Volkslieder oder geistliche Werke: Völlig unabhängig vom Repertoire dürfen sich Laienchöre nach monatelanger Zwangspause jetzt wieder zu Proben treffen.

Dachau – Die Sänger und Sängerinnen mussten länger als viele gesellschaftliche Gruppen auf Lockerungen warten. Denn nach wie vor ist nicht abschließend geklärt, ob die Corona-Ansteckungsgefahr beim Singen eventuell besonders hoch ist.

Die ersten Proben planen die befragten Vorstände und Chorleiter deshalb mit Bedacht. Schließlich gilt es, das umfangreiche, neunseitige Hygienekonzept von Gesundheits- und Wissenschaftsministerium Punkt für Punkt abzuarbeiten. Auch die Motivation der Chormitglieder wird in den Ensembles abgefragt.

Denn auch wenn das gemeinsame Singen fehlt, schätzen Laienmusiker die Situation individuell unterschiedlich ein. „Wir werden uns kommende Woche treffen, nicht zum Singen im Pfarrsaal, sondern im Biergarten, um erst einmal die Bereitschaft abzufragen“, sagt daher Rudi Forche, Chorleiter der Chorgemeinschaft Dachau. Bei der Liedertafel möchte dagegen Vorstand Kurt Benedini, der noch im Gespräch ist mit dem Dachauer Kulturamt, kommende Woche im Thoma-Haus die erst Probe anzusetzen. „In kleinen Gruppen, zeitlich versetzt hintereinander.“

Die Auflagen für Chorproben sind strikter, als etwa für den Schulunterricht oder wieder erlaubte Vorstandssitzungen und Vereinsabende. So müssen Chormitglieder mindestens zwei Meter voneinander entfernt stehen, das macht acht Quadratmeter Platz pro Sänger. Auch sind bei Proben die Kontaktdaten zu erfassen, nach 20 Minuten singen muss zehn Minuten gelüftet werden. Vor diesem Hintergrund geht die Dachauer Chorgemeinschaft das Thema „mit angezogener Handbremse“ an, wie Chorleiter Forche berichtet. Und weil Proben keinen Sinn machen, „wenn nur die Hälfte kommt“, läuft nun erst einmal die Abfrage.

Zu klären gelte auch, ob das Pfarrheim Sankt Jakob für Proben bereitsteht, „da sind wir im Gespräch“. Insgesamt plädiert Forche für Geduld. „Schön wäre eine Lösung, bei der alle mitgehen können.“ Auch Sibylle Meyer-Riedt vom Gospelchor der Friedenskirche fragt gerade die etwa 30 Chormitglieder ab, „ob sie sich trauen oder nicht“.

Dagegen gibt es vor der Sommerpause definitiv keine Proben mehr in der Friedenskirche für Kantorei, Kammerchor, Kinder- und Jugendchöre. „Wir wollen mit vollem Schwung nach der Sommerpause im Herbst wieder starten“, sagt Chorleiterin Christiane Höft.

So entschieden formuliert Manfred Seemüller nicht. Der Vorstand des Gesangsvereins Petershausen wird am Freitag mit dem Leitungsgremium und einigen Mitgliedern beraten. Der reine Männerchor probt im Nebenraum der Sportgaststätte, dort lassen sich Abstandsregeln definitiv nicht umsetzen. Zudem gehörten die meisten der 21 Sänger bereits der Risikogruppe Ü 50 an, erklärt Seemüller. „Vernunft und Gesundheit gehen vor.“ Auch wenn er der angesetzten Beratung nicht vorgreifen will, ist Seemüller skeptisch: „Wir werden wohl eher die Finger weglassen.“

Konkret sind dagegen die Pläne von Kurt Benedini. Nachdem die Renovierung des Thoma-Hauses abgeschlossen ist, möchte der Vorstand der Dachauer Liedertafel gerne an diesem Mittwoch im Stockmann-Saal die Proben aufnehmen. Und zwar in kleinen Gruppen – nacheinander. „Nicht mehr als zehn bis zwölf Sänger gleichzeitig, nicht länger als 20 Minuten, danach jeweils lüften und desinfizieren.“

Gerade das Thomahaus hält Benedini für ideal, „die Säle verfügen über eine sehr gute Klimaanlage mit ständigem Luftaustausch“. Die 50 Chormitglieder sind motiviert, „seit voriger Woche proben wir online“. Und 80 Prozent des Ensembles will an Präsenzproben teilnehmen. „Sie brennen schon darauf, wieder singen zu können!“ Die Proben wird dann als Nachfolger von Tobias Hermanutz als neuer Chorleiter Emanuel Schmidt betreuen.

Noch kein konkretes Datum gibt es dagegen für die von Liedertafel und Chorgemeinschaft gemeinsam erarbeitete Aufführung des Verdi-Requiems. Dieses Konzert musste drei Tage vor dem für 15. März angekündigten Aufführungstermin wegen Corona kurzfristig abgesagt werden. Beide Chöre wollen das fertig einstudierte Werk zu einem neuen Termin auf die Bühne bringen. Vielleicht im Frühjahr 2021.

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