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Protest auf dem Fahrrad: So wurde gewährleistet, dass der Sicherheitsabstand eingehalten wurde.

Demonstration in Dachau gegen das Kohleausstiegsgesetz

Mit Geklingel gegen Kohle

Knapp 30 Teilnehmer haben am Mittwoch in Dachau gegen das Kohleausstiegsgesetz der Bundesregierung demonstriert, das heute verabschiedet werden soll. Sie stimmten in Demo-Gesänge ein – und ließen die Fahrradklingel ertönen. Dass die Demonstranten Rad fuhren, lag an den Corona-Maßnahmen.

DachauMichael Staniszewski setzt vorsichtig seinen Mundschutz ab und greift zum Megaphon. Er lässt seinen Blick durch die Reihen schweifen. Dann beginnt er zu sprechen. „Wir wollen uns in ganz Dachau hörbar machen!“, beendet der Klimaaktivist schließlich seine Ansprache. Eine kurze Zeit später hört man lautes Geklingel in Dachaus Straßen.

Nach einer langen Corona-Pause sind die Aktivisten und Aktivistinnen von „Fridays for future“ nun auch in Dachau zurück – allerdings mit einer kleinen Änderung. Statt wie gewohnt am Freitag auf die Straße zu gehen, demonstrierten sie diesmal an einem Mittwoch. Aber es gab noch eine weitere Corona bedingte Besonderheit: So trugen sie ihren Protest auf Fahrrädern aus. „Wir wollen so den Mindestabstand gewährleisten“, erklärt Harald Schrödter, ein Initiator der „People for future“-Bewegung. Gemeinsam mit den Jugendlichen von „Fridays for Future“ organisieren die Erwachsenden Veranstaltungen zum Klimaschutz.

Bei diesem Klimastreik drehten die knapp 30 Demonstranten auf ihren Fahrrädern eine Runde um die Dachauer Altstadt. Statt mit Plakaten und Schildern auf sich aufmerksam zu machen, benutzten die Teilnehmer während der Fahrt ihre Fahrradklingeln. Vereinzelt hörte man auch die typischen Demo-Gesänge wie: „Hopp Hopp Hopp Kohlestopp!“ Die Tour endete schließlich am Landratsamt mit einer kurzen Kundgebung.

Der konkrete Anlass für die Demonstration am Mittwoch war das umstrittene Kohleausstiegsgesetz der Bundesregierung. Dieses sieht vor, die Kohleverstromung 2038 enden zu lassen – im Gegensatz zur Forderung der Klimaschützerinnen und Klimaschützer. „Wir wollen, dass die Kohlekraftwerke bis 2030 abgeschaltet werden“, sagt Fée van Cronenburg, eine Mitbegründerin der „Fridays for Future“-Bewegung in Dachau. Das Gesetz dürfe auf keinen Fall verabschiedet werden.

Auch Jonathan Westermeier ist verärgert über das Handeln der Bundesregierung: „Das ist eine Unverschämtheit, was hier abläuft!“ Die große Koalition habe gar nichts verstanden, weder was den Klimaschutz angehe, noch die ökonomischen Zusammenhänge. Durch das Kohleausstiegsgesetz würde der komplette Klimaschutz an die Wand gefahren werden, meint der junge Aktivist und Kreisrat. Die Entschädigungszahlungen, die Kohlekonzerne erhalten würden, wenn sie zu den im Gesetz vereinbarten Zeitpunkten abschalten, seien so hoch, dass der Fortbestand von Kraftwerken bis zu diesem Zeitpunkt profitabel bleibe, heißt es in der Pressemitteilung.

Da das Gesetz bereits kommenden Freitag verabschiedet werden soll, fand die Demonstration dieses Mal mitten unter der Woche statt. „Das war alles ganz kurzfristig“, sagt Schrödter. Er sei begeistert, wie die Jugendlichen das alles so schnell organisiert haben. Auch mit der Teilnehmeranzahl sei er zufrieden. „Das ist eine super Sache“, meint auch Westermeier. In dieser Größenordnung hätten sie es sich auch vorgestellt. Auch Claudia Berger-Jenkner, die ebenfalls bei „People for future“ mitwirkt, ist erfreut. Die Kreativität, die hinter den Ideen der Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten stecke, sei ausgezeichnet.

Bei der Fahrraddemonstration handelte es sich um die erste Aktion der Dachauer Fridays-for-Future-Bewegung seit der Corona-Pandemie und um die dritte Veranstaltung der Organisation überhaupt. Fée van Cronenburg ist sich jedoch bewusst, dass sie mit ihrer politischen Arbeit nicht ganz normal weitermachen können. Das Konzept mit den Fahrraddemos stelle jedoch eine zu verantwortbare Möglichkeit dar, denn „es ist wichtig, dass Corona nicht alles andere überschattet“.

Verena Möckl

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