Dümmer geht’s immer

Dreister Autofahrer am Amtsgericht zu hoher Strafe verurteilt

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Unverbesserlich, unbelehrbar. Solche Kandidaten kennen die Dachauer Amtsrichter zuhauf. Aber was sich Marco. S. (Name geändert) geleistet hat, ist an „Dreistheit und Dummheit nicht zu überbieten“ – sagte Richter Christian Calame.

Calame, der „das Geschäft nun doch schon ein paar Jahre macht“, wie er betonte, habe „so was auch noch nicht erlebt“.

Klingt auch eher nach Comedy-Drehbuch als nach Realität, was Ende Mai dieses Jahres nach einer Gerichtsverhandlung in Dachau passiert war. In der Verhandlung war Marco S. nämlich wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt worden. Im Gerichtsgebäude hatte sich der 23-Jährige noch reumütig und einsichtig gezeigt. Und was machte er draußen? Stieg – immer noch ohne Führerschein – ins Auto und wollte heimfahren! Dumm nur, dass er dabei just von dem Beamten beobachtet wurde, der ihm wenige Minuten vorher im Amtsgericht noch gegenüber gesessen war.

Deswegen gab’s jetzt ein Wiedersehen aller Beteiligten im Gericht. Amtsrichter Calame hatte diesmal einen sehr kleinlauten Marco S. vor sich sitzen. „Das, was ich da nach der Verhandlung gemacht habe, war das Schlimmste, was ich machen konnte. Ich weiß, wie blöd das war“, sagte er. Calame gab ihm in diesem Punkt (beinahe) recht: „Blöd ist deutlich untertrieben, dreist ist da gar kein Ausdruck!“ Der Richter wirkte regelrecht fassungslos. „Wollen Sie ins Gefängnis? Wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis?!“ S. versuchte sein Fehlverhalten zu erklären, er habe damals im Mai verschlafen und pünktlich zur Verhandlung gewollt. Nur deswegen sei er noch einmal ins Auto gestiegen! Aber klar, das sei blöd gewesen, gab er zu.

Doch diese Blödheit hatte nun Folgen: Richter Calame verurteilte den 23-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten – auf Bewährung. Calame bezweifelte jedoch, dass der 23-Jährige diesmal den Ernst der Lage versteht. „Bei ihrer Dreistigkeit und ihrer Vorgeschichte ist die Rückfallwahrscheinlichkeit einfach hoch.“ Schließlich habe S. ja auch schon im Mai versprochen, nie wieder ohne Führerschein Auto zu fahren. Der Richter hofft nun, dass das stabile Umfeld in dem S. lebt, sowie seine Festanstellung Grund genug für den 23-Jährigen sind, nicht alles aufs Spiel zu setzen. Denn, so Calame: „Eines muss Ihnen klar sein: Das nächste Mal sitzen Sie deswegen im Gefängnis.“ S. schien die Botschaft verstanden zu haben: „Ich fahre keinen Meter mehr! Es tut mir leid.“

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