Parken und laden ist bei der E-Ladesäule am Sparkassenplatz möglich – allerdings zeitlich begrenzt.
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Parken und laden ist bei der E-Ladesäule am Sparkassenplatz möglich – allerdings zeitlich begrenzt

„Es ist schon ein bisschen kompliziert“

E-Auto fahren ist einfach, das Laden nicht

  • Stefanie Zipfer
    VonStefanie Zipfer
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E-Auto-Fahrer haben‘s beim Thema Laden nicht leicht. Verschiedene Tarife, verschiedene Ladesäulen und verschiedene Parkregelungen. „Es ist schon ein bisschen kompliziert“, sagt auch der Experte für E-Mobilität bei den Stadtwerken.

Dachau – Stadtrat Peter Gampenrieder (ÜB) konnte es selbst kaum glauben, weshalb er am Ende der jüngsten Stadtratssitzung dann lieber doch noch einmal nachfragte: Eine Bürgerin, Besitzerin eines Hybridautos, habe ihm berichtet, dass sie an der E-Tankstelle vor der Sparkasse Dachau einen Strafzettel bekommen habe – wo sie doch sonst in Dachau überall vier Stunden stehen dürfe. „Zwei Stunden zum Tanken reichen nicht aus“, habe die Dame ihm gegenüber geklagt. Deshalb, so Gampenrieder, würde er dann doch gern wissen: „Ist das sinnvoll?“

Ist es nicht. Selbst Christian Diecke, bei den Stadtwerken Dachau hauptberuflich mit E-Mobilität befasst, gibt zu, dass es „nicht ganz einfach“ ist. Der Fall der Dachauerin, die an der Sparkassen-Ladesäule einen Strafzettel bekam, ist für Diecke daher absolut nachvollziehbar.

Als E-Auto-Besitzer müsse man an öffentlichen Ladesäulen nämlich drei Dinge beachten: Welche Parkregelung gilt an der Ladesäule, welche Ladekarten werden an der Säule akzeptiert und welcher Stecker wird benötigt? Während Besitzer von Benzinautos also einfach an die Zapfsäule fahren, tanken und dann mit der EC- oder Kreditkarte in der Tankstelle oder an der Säule bezahlen, ist es für E-Mobilisten ungleich aufwändiger, ihr Fahrzeug fahrbereit zu halten.

Diecke zufolge haben die Stadtwerke in Dachau mittlerweile 16 Ladesäulen – die jüngste davon wurde am Montag an der Alten Römerstraße nahe dem TSV-Gelände in Betrieb genommen; bis Jahresende sollen noch sieben weitere folgen sowie in Zusammenarbeit mit dem BMW-Autohaus Widmann und Winterholler bis Anfang 2022 ein kleiner Ladepark an der Fraunhofer Straße entstehen. An diesen Ladesäulen dürfen die E-Auto-Besitzer jeweils vier Stunden stehen.

Was die Bezahlung angeht, bieten die Stadtwerke seit Ende letzten Jahres eigene Stadtwerke-Ladekarten an. Der Vorteil: Mit diesen regionalen Karten zahlen die Kunden an ihren regionalen Ladesäulen einen günstigen Preis – Diecke zufolge kostet eine Vollladung an einer Ladestation mit einer Leistung von 50 kWh knapp 20 Euro. Allerdings ist es nicht möglich, mit der Stadtwerke-Ladekarte sein E-Auto beispielsweise in Berlin zu laden – weshalb die meisten E-Fahrer Diecke zufolge auch mit Karten überregionaler, allerdings oft teuerer Anbieter unterwegs sind. Ein Fahrer, der eine Ladekarte etwa von Marktführer EnBW hat, kann damit auch an den Dachauer Stadtwerke-Säulen laden, wobei EnBW einen entsprechenden Obolus an die Stadtwerke abführt. Wer also die meiste Zeit im Jahr im Stadtgebiet lädt, für den lohnt sich die günstige Variante der Stadtwerke.

Kostenlosen Strom gibt es dagegen an der Stromtankstelle der Sparkasse am Sparkassenplatz. Die drei Ladepunkte der VR-Bank Dachau an der Münchner Straße wiederum sind – wie die Ladestationen der Stadtwerke – für jedermann zugänglich, aber kostenpflichtig.

Wenn die Frage der Parkgebühren und der Bezahlung an der Ladestation geklärt ist, muss aber drittens noch die Stecker-Frage beantwortet werden. Die Sparkassen-Station etwa benötigt einen sogenannten Typ-2-Stecker, da sie mit einer maximalen Leistung von 22 kW lädt. Gleiches gilt für die Stationen der Stadtwerke und zwei von drei Ladepunkten der VR-Bank; für den dritten Ladepunkt dort braucht es dagegen eine CCS-Steckdose im Auto, da es sich um einen Schnellladepunkt mit einer Ladeleistung von 50 kW handelt.

Um die Sache nun vollends kompliziert zu machen, gibt es schließlich auch noch die unterschiedlichsten Tarifmodelle. „Hier den Richtigen zu finden, ist nicht ganz einfach“, so Diecke. So verlangen die Ladestromanbieter zunehmend Blockiergebühren, damit die Ladesäule wieder freigemacht und der Ladeparkplatz nicht als günstiger Dauerparkplatz missbraucht wird. Aber: In den meisten Fällen ist ein Ladevorgang innerhalb von vier Stunden abgeschlossen.

In Summe, gibt Experte Diecke zu, gibt es aufgrund der zahlreichen Vertragswerke, Gebührenregelungen und Gebührenarten für Verbraucher einiges zu beachten. Nicht nur Peter Gampenrieder blieb daher zuletzt im Stadtrat ratlos zurück, sondern auch seine sämtlichen Kollegen. Oberbürgermeister Florian Hartmann schüttelte ebenfalls den Kopf. „Sinnig“, meinte er, „nein, sinnig sei das Ganze derzeit nicht“.

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