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Nach einem Streit mit seiner Frau am Dachauer Bahnhof musste sich ein 35-Jähriger jetzt vor dem Amtsgericht vertreten.

Ehestreit eskaliert völlig

Mann packt Ehefrau am Hals, doch er streitet alles ab - obwohl Kamera ihn filmte

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Weil er seine Frau gewürgt und mit einem Fahrrad beworfen hat, musste sich ein 35-Jähriger jetzt vor dem Amtsgericht verantworten.

Es war ein richtig mieser Tag für Carina M. (Name geändert), damals im Herbst 2018. Erst klaute ihr die Schwester den Pass, dann eskalierte ein Streit mit ihrem Mann am Dachauer Bahnhof so sehr, dass die Polizei anrücken musste.

Mann attackiert Ehefrau am Bahnhof Dachau: Streit eskaliert

Was die Überwachungskameras an diesem Oktobertag aufgenommen haben, ist schlimm: Erst packt ihr Mann sie am Hals, später schleudert er ein Fahrrad in ihre Richtung und trifft sie am Kopf. Zudem tritt er ihr gegen das Bein. Zum Glück wird Carina M. nicht verletzt. Ihr Mann musste sich jetzt für seine Angriffe vor dem Dachauer Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Heute, vor Gericht, ist die Dachauerin ihrem Mann nicht mal mehr böse wegen der Aktion, wie es in der Verhandlung scheint. Die 32-Jährige gibt bei ihrer Aussage alles, um ihn irgendwie zu entlasten, „war um Schadensbegrenzung sichtlich bemüht“, wie später der Staatsanwalt sagt. Was schwerfällt zu verstehen, wenn man Richter Tobias Bauer zuhört, wie er beschreibt, was er auf dem Überwachungsvideo von dem Streittag sieht. „Es ist klar zu erkennen, wie Sie ihre Frau am Hals packen. Wie fest Sie zudrücken, lässt sich nicht sagen.“ Der Mann habe „das Fahrrad vom Boden aufgehoben und mit einer schwungvollen Bewegung in Richtung Kopf der Frau geschlagen“, so der Richter.

35-Jähriger in Dachau vor Gericht - mehrmals vergreift er sich im Ton

Einen Beweis dafür, wie schnell Ben M. (35) aufbrausend werden kann, lieferte er selbst in der Verhandlung: Mehrfach vergreift er sich im Ton. Der Richter muss ihn ermahnen: „Wir sind hier vor Gericht, das ist kein Wirtshausbesuch!“ Zudem ist M. überhaupt nicht vorbereitet. Gleich zu Beginn will er, dass sie Verhandlung vertagt wird, weil er sich einen Anwalt nehmen möchte. Doch Richter und Staatsanwalt sind sich einig: „Dafür hatten Sie wochenlang genug Zeit!“

Als er mit den Vorwürfen konfrontiert wird, betont er immer wieder: Ich würde meine Frau nie mit Fäusten schlagen! Wir sind seit 18 Jahren ein Paar, haben vier Kinder!“ Auch das Fahrrad will er nicht nach ihr geschmissen haben. „Wir haben uns laut gestritten, ja, aber ich habe sie nicht geschlagen.“ Er habe sogar Verständnis dafür, dass Leute Zivilcourage zeigen und helfen wollten, „aber mit der Polizei und allem, das hat sich völlig hochgeschaukelt. Ich wollte nicht, dass das so eskaliert“, betont M.. Eskaliert ist es am Ende tatsächlich so sehr, dass sich ein Zivilpolizist vor Ort einschaltete und eine Streife zum Bahnhof rief.

Mann schlägt Frau - so reagiert die 32-Jährige nach Attacke am Bahnhof Dachau

Als seine Frau mit ihrer Aussage dran ist, betont sie nur: „Es war so ein schlimmer Tag.“ Die Sache mit dem geklauten Ausweis, da lagen die Nerven bei allen blank, sagt sie. Schon zu Hause stritten die beiden, am Bahnhof ging es weiter. Beide hätten „schlimme Wörter zueinander gesagt. Ich hab’ es ihm nicht leicht gemacht, wir haben uns geschubst“, sagt sie vor Gericht. Und auch, dass sie nicht das Gefühl hatte, in Gefahr zu sein. „Ich dachte nicht, dass er mir weh tut oder mich schlagen will.“

Richter und Staatsanwalt sind sich einig, dass sie das nur sagt, um ihren Mann zu schützen. Beide stellten ihr keine Fragen mehr, um zu vermeiden, dass sie sich selbst in Schwierigkeiten bringt. „Das würde sonst nur zu einem neuen Ermittlungsverfahren führen“, sagt der Staatsanwalt. Für ihn waren die Aufnahmen der Überwachungskamera eindeutig.

Der Angeklagte hat bereits in seiner ehemaligen Heimat Österreich Straftaten gesammelt. Richter Bauer brauchte eine Weile, bis er das Potpourri aus Diebstählen, Körperverletzungen, Einbruch und Verletzung der Unterhaltspflicht verlesen hatte.

Am Ende hatte M. Glück: Da seine Frau unverletzt war und sie kein Strafverfolgungsinteresse zeigte, verurteilte ihn der Richter nur zu einer achtmonatigen Haftstrafe auf Bewährung. Zudem muss M. 1500 Euro an die Brücke zahlen. 

Der Dachauer Bahnhof selbst ist seit Jahren Thema in der Stadt, denn er soll neu gestaltet werden. Dachau will einen größeren Busbahnhof - doch die Bahn stellt sich (noch) quer, berichtet Merkur.de*. Für Aufsehen sorgte derweil ein Prozess, bei dem eine Gerichtsvollzieherin den Staat um 100.000 Euro betrogen hatte, so Merkur.de*. Ein Mann geriet in Selbitz mit seiner getrennt lebenden Ehefrau in Streit. Er würgte die 33-Jährige und trat gegen ihren Kopf, als sie schon am Boden lag.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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